Ernsthaft: wie geht man denn im Alltag unbefangen und souverän mit seinem Hund um, wenn man da nicht ein Grundvertrauen hat, dass der Hund gewisse Grenzen im Normalfall nicht überschreitet?
Ich kann ja nur von uns sprechen, aber hier wurde es einfach "normal".
Es ist normal, dass Carlo zubeißen würde, es ist normal, dass nicht geknurrt wird, es ist normal, dass nach dem Blick Zähne gegen Hände geschlagen werden.
Man passt sich an, man lernt sehr schnell, die Körpersprache des Hundes zu lesen, man lernt, wann sich lieber zurück nimmt, wann man Situationen besser über Management löst und wann man diskutieren könnte.
Die Souveränität kommt zurück, je besser man sich kennt, je mehr man über Hunde allgemein und den eigenen im Speziellen lernt.
Ich weiß, dass ich meinen Hund sehr ernst nehmen muss, dass "der muss da durch" meist keine Option ist - und Carlo weiß, dass ich ihn ernst nehme. Er hat auch gelernt, dass wir ihm nix Böses wollen, dass wir manchmal unsere Körper nicht so ganz im Griff haben und dass wir mehr Zeit brauchen, um zu reagieren.
Mit der Unbefangenheit... Puh, keine Ahnung. Hat man nicht im Normalfall auch immer ein Auge auf die Körpersprache des Hundes? Schaut man nicht auch bei "netten" Hunden darauf, dass sie sich wohl fühlen, die Grenzen nicht überschritten werden? Vielleicht achten wir auf kleinere Zeichen, aber das ist halt auch schon so drin, dass man unbewusst auf gewisse Anzeichen reagiert.
Was sich für mich definitiv verändert hat, ist, dass ich auch bei anderen Hunden "den Blick" sehe (und darauf reagiere, auch wenn da noch hundert andere Eskalationsstufen kommen würden und es wahrscheinlich eh nie so eskalieren würde wie mit Carlo) und eigentlich immer davon ausgehe, dass ein Hund auch seine Zähne einsetzen würde.