Hm, okay, sah für mich halt sehr schlimm aus. Hinterher war sie definitiv ruhig. Aber, leihenhaft gefragt, verknüpft sie das nicht mit der Prügelei, oder?
Ich mache mit meinem Rüden Mantrailing. Wir sind also auch im Rettungshundesport tätig, nehmen aber nicht an Einsätzen teil.
Mein Rüde hat vorletzten Herbst zwei kleine Hunde angegriffen und den einen nicht mehr losgelassen. Um die beiden zu trennen, hab ich meinem Hund am Halsband die Luft abdrehen müssen, damit er überhaupt mal den Kiefer öffnet und ich ihn - ohne weitere Schäden aanzurichten - von dem kleinen Hund entfernen kann.
Ja, das war nicht nett.
Ja, das war Gewalt am Hund.
Ja, das sah sehr schlimm aus.
Ja, mein Hund war danach mit den Nerven durch.
Aber alles das hat den kleinen Hund vermutlich vor schlimmerem bewahrt! Mein Hund war 1-2 h nach dem Vorfall sehr sensibel, hat gemerkt, dass mit mir was nicht stimmte (ich war völlig geschockt von dem Vorfall) - unserem Vertrauen untereinander hat das, wenn überhaupt, nur sehr kurz was getan. Zwei, drei Tage später war (fast) alles wieder gut. Mein Hund trägt jetzt halt beim Gassi einen Maulkorb, hatte fast ein Jahr lang (Schlepp)Leinenknast und darf nur noch da frei laufen, wo ich mir wirklich zu 150% sicher bin, dass da kein Hund kommt bzw. ich das rechtzeitig wahrnehme.
In der von mir geschilderten Situation ging es mir nicht ums Bestrafen meines Hundes. Wozu auch? Es war mein Fehler, für zwei Minuten nicht auf meinen Hund mit Potential zum gefährlichen Hund aufgepasst zu haben! Mein Hund hat nur seiner Natur entsprechend gehandelt und ich hab ihn nicht davon abhalten können. Wenn überhaupt gehör also ICH bestraft. Das war ich mit dem Schock, den Selbstvorwürfen und dem kurzfristig zerrütteten Vertrauen zu meinem Hund aber sowieso schon 
Es ging mir explizit um das Trennen der Hunde, um das Verhindern von weiterem Schaden, um das Retten des kleinen Hundes, um das Auflösen der Situation. Nicht darum, dass ich meinem Hund jetzt mal so richtig eins auswische.
Als er aus seinem Adrenalintunnel raus war, war er völlig neben sich. Es war, als hätte er nicht mitbekommen, dass er gerade auf die zwei kleinen Hunde losgegangen ist. Der stand völlig verstört an den Fahrradständer gebunden ein paar Meter von uns entfernt, hat versucht, Sinn aus dem Chaos zu machen, während ich mich um die Besitzer und ihre zwei Hunde gekümmert, meine Adresse genannt usw. habe.
Heute, über ein Jahr nach dem Vorfall, sind wir wieder sehr dicke. Dino ist nach wie vor mein Lieblingshund, ich hab ihn nach wie vor sehr, sehr lieb und kann mir kein Leben ohne ihn vorstellen. Aber ich weiß auch, dass mein Hund gefährlich sein kann, wenn er nicht gesichert, richtig geführt und beaufsichtigt wird. Das hat meinen Umgang mit ihm insoweit verändert, dass ich noch vorausschauender als ohnehin schon unterwegs bin und ja, durchaus auch mal "sinnlos"(für Außenstehende!) heftig reagiere.
Sei froh, dass der Halter in der Situation so reagiert hat, wie er reagiert hat und damit Schlimmeres verhindert wurde.
Wenn man Hunde mit Potential führt, muss man früher oder später auch mal "unnett" oder "schlimm" eingreifen, um Schlimmeres wie einen verletzten oder gar toten Hund zu verhindern.
Edit: dass er keine Leine dabei hatte und die Hunde nicht abrufen konnte, ist scheiße, ja. Da geh ich sofort mit!