Beiträge von Karpatenköter

    Erstmal: durchatmen!

    Dann: was passiert ist, ist scheiße. Ganz, ganz große Scheiße. Das muss ich dir aber nicht sagen, das weißt du ja selbst ... und, was ich genauso wichtig finde: du hast angefangen, dir Hilfe zu suchen. Das ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

    Bevor du weiterliest: schnapp dir einen Tee, vielleicht auch ein paar Stücke Schokolade, machs dir gemütlich. Ich hab dir viel zu sagen.

    Tee und Schoki parat? Gut, dann geht's weiter.

    Ich lebe auch mit einem gefährlichen Hund zusammen. Mein Dino hat im Oktober 2021 zwei kleine Hunde angegriffen, einen davon wollte er nicht loslassen, sodass ich gezwungen war, ihm per Halsband die Luft abzudrehen. Zum Glück aller Beteiligten wurde keiner der kleinen Hunde verletzt, wenn man mal von oberflächlichen Kratzern absieht - ob es weitere, unsichtbare Verletzungen gab, weiß ich bis heute nicht, weil sich die Besitzer der beiden kleinen Hunde trotz meiner Bitte nicht bei mir gemeldet haben, damit ich eventuelle Tierarztkosten o. Ä. übernehmen kann.

    Das würde ich dir übrigens auch vorschlagen, wenn noch nicht geschehen: sag deiner Freundin, dass du dich an Henrys Tierarztkosten beteiligen willst. Denn so bös' es klingt, du und dein Hund, ihr habt den Schaden verursacht, also ist es auch nur angemessen, dass du mindestens einen Teil der Kosten mitträgst - denn auf Henry und seine Besitzerin werden sicher noch weitere TA-Kosten zukommen, Stichwort Nachbehandlung und Co. Wenn er es denn schafft.

    Aber wie soll man mit so einem Hund leben?

    So blöd es klingt: oberflächlich betrachtet ganz normal.

    Dino darf hier aufs Sofa, er darf bei mir im Bett schlafen, er darf mit mir kuscheln, er darf mit mir spielen, wir trainieren auch nach wie vor im Hundeverein und so weiter und so fort ... Er lebt hier im Grunde ein weitestgehend normales Hundeleben - eigentlich.

    Direkt nach dem Vorfall hab ich entschieden, dass Dino bis auf weiteres nur noch mit Maulkorb und an der 2 Meter-Leine Gassi geht. Weil MIR das Vertrauen in meinen Hund gefehlt hat, wie dir aktuell auch. Das ist normal und es ist okay, sich so zu fühlen. Dass das dem Hund gegenüber nicht nett ist - geschenkt... es ist halt erstmal "so".

    Am Abend des Vorfalls konnte und wollte ich auch nicht aktiv mit Dino kuscheln. Er durfte sich an mich ankuscheln, aber ich konnte mich nicht dazu durchringen, ihn zu streicheln. Dass er bei mir im Bett liegen durfte, ich ihn aber sonst ignoriert habe, war mein Kompromiss an ihn in der Situation, weil ich ihn nicht komplett wegstoßen wollte. Das hätte ihn nur noch mehr verunsichert als ohnehin schon und ich glaube, das ist bei Hera aktuell auch der Fall. Aber dazu später mehr.

    Nach und nach hab ich die neuen Regeln, die für Dino galten, aufweichen können, weil ich nach und nach auch wieder Vertrauen in den Spinner gewonnen habe. Stand heute darf er auch ohne Maulkorb vor die Tür, wenn die folgenden Faktoren erfüllt sind:

    • ich bin gut drauf und mit dem Kopf absolut bei der Sache
    • Dino ist gut drauf und hört im Alltag auf mich
    • Wir gehen auf einer Strecke Gassi, die SEHR gut einsehbar ist - sprich: mindestens 30 m Sichtweite
    • Das Wetter ist entweder so gut, dass ich gute Sicht- und Hörverhältnisse habe, oder es ist so beschissen, dass sich kaum jemand vor die Tür traut

    Ist auch nur einer dieser Faktoren nicht erfüllt, geht Dino nicht ohne Maulkorb raus. Ist er gut drauf, darf er an die Flexileine, auch wenn ich z. B. vom Kopf her nicht soo gut drauf bin, weil die Arbeit anstrengend war, weil ich schlecht geschlafen habe oder oder oder.

    Denn Freilauf ohne Schleppleine dran gibt es für Dino auch nur dann, wenn die Faktoren erfüllt sind. Und auch dann überlege ich mir mehrfach, ob ich ihn jetzt wirklich ableine. Sobald ich das Gefühl kriege, dass er mit der Aufmerksamkeit nicht mehr zu min. 90% bei mir ist, kommt er wieder an die Leine.

    Zuhause braucht er den Maulkorb nicht, da darf er auch ohne rumlaufen. Da gibt's eigentlich keine besonderen Regeln für ihn.

    Was wenn sie mich angreift oder noch weitere Hunde?

    Damit sie keine weiteren Hunde angreift, musst du sie jetzt entsprechend sichern. Hera sollte künftig einen gut sitzenden Drahtmaulkorb tragen und du solltest sie vorerst nicht mehr ableinen. Besser gar nicht mehr, weil du scheinbar auch einiges an Hundesprache völlig übersehen hast. Das ist jetzt nicht böse gemeint! Aber solange du Hera nicht absolut sicher lesen kannst, solltest du sie auch nicht mit anderen Hunden zusammen, geschweige denn von der Leine lassen. Wirst du aber wahrscheinlich eh nicht machen.

    Dass sie dich angreift ... ich bin ehrlich: es ist ein Hund, es KANN passieren. Kann, muss nicht.

    Dino hat mich auch schon ein paar Mal gebissen. Niemals richtig "bösartig", aber er hat eben gebissen. Einmal wars aus Schreck, da war ich schuld dran, einmal wars aus Frust, weil ich ihn nicht am Zaun hab rumplärren lassen |) Und einmal hat er nach mir geschnappt, weil ich mir eine Verletzung an seiner Pfote angucken wollte. Die tat ihm aber so scheiße weh, dass er das nicht wollte - also hat er abgeschnappt. Ich musste es mir ja trotzdem angucken, also gabs kurzerhand den Maulkorb auf die zarte Hundeschnute...

    So, zur Sicherung...

    Schritt 1: kauf einen vernünftigen Maulkorb. Für den Übergang ist so ein billiges Plastikteil ausm Fressnapf okay, aber auf Dauer sollte was vernünftiges ran. Wenn du sagst, Hera hat etwa Schäferhundformat, dann sollte der hier eigentlich passen: https://www.chicundscharf.com/product_info.p…ferhuendin.html

    Miss aber bitte nach. Die Länge misst du bis zum "Stop", also da, wo die Hundeschnauze in den Kopf übergeht. Die Maulkorblänge darf +-1 cm länger sein als die Schnauzenlänge, mehr aber nicht!

    Den Umfang misst du an der breitesten Stelle der Schnauze. Der Maulkorbumfang sollte etwa 30-40% größer sein als der Schnauzenumfang. Sprich, bei 26 cm Schnauzenumfang (wie bei Dino) sollte der Maulkorb mindestens einen Umfang von ~34 cm haben, maximal ~37 cm. Das muss so, damit der Hund mit dem Maulkorb auch noch gut hecheln kann.

    Schritt 2: kauf ein Halsband mit Griff, damit du Hera im Notfall gut festhalten kannst. So eins hier z. B.:

    Lass dich nicht von der Plastikschnalle irritieren, die ist zusätzlich mit Klettverschluss gesichert und hält hier auch tobende 32 kg Kangalmix aus. ;)

    Wenn du lieber eins mit Metallschnalle möchtest, wär das hier eine Option: https://vitomalia.com/products/hunde…e-edition-khaki

    Schritt 3: ein passendes Geschirr, ebenfalls mit Griff, solltest du dir auch zulegen. Idealerweise ein Sicherheitsgeschirr, damit Hera sich auch nicht rauswinden kann - sowas z. B.: https://ruffwear.de/products/web-master-harness

    Ich selbst hab für Dino das hier im Einsatz: https://www.zooplus.de/shop/hunde/hun…geschirr/969010

    Schritt 4: eine vernünftige Leine, gerne mit Sicherheitsverschluss. So eine z. B.: https://www.lennie24.de/hund/hundelein…uehrer-biothane Da kannst du auch einen Sicherheitskarabiner auswählen, das würde ich dir empfehlen.

    Wähl die Optionen, mit denen DU dich sicher fühlst.

    Ich war seit dem Vorfall nicht mehr mit ihr spazieren.

    Verständlich. Das ging mir nach dem Vorfall auch so, ich bin nur für Pipikaka mit Dino raus. Anfänglich. Irgendwann konnten wir dann wieder zu unseren normalen Spaziergängen zurückkehren - aber halt mit Sicherung. Und ich hab mir in den Monaten danach auch vorbehalten, dass Dino eben nur eine kleine Runde kriegt, wenn ICH mich vom Kopf her nicht imstande fühle, ihn an dem Tag sicher zu führen. Dann sind wir eben nur kurz für 20 min in den Wald und dann wieder zurück aufs Sofa.

    Es ist in meinen Augen okay, wenn du jetzt Zeit brauchst, um wieder zu deinem ursprünglichen Rhythmus mit Hera zurückzufinden. Es wird nie wieder so unbeschwert sein wie vorher, das ist klar, aber wenn der erste große Schock sich gelegt hat, dann findet man in aller Regel einen neuen gemeinsamen Rhythmus.

    Wichtig ist aber, dass du Hera trotz allem fair behandelst. Geh mit ihr raus, auch wenn's dann eben nur 20 min im Wald werden. Auch wenn Hera in deinen Augen "böse" war - bestraf sie nicht dafür, jetzt versteht sie es erst recht nicht mehr.

    Ist es überhaupt möglich sowas zu verarbeiten und wieder normal mit seinem Hund umzugehen?

    Ja, ist es. Aber das dauert und braucht auch (etwas) (viel) Selbstreflexion. Analysiere deine Fehler, bleib dabei aber sachlich! Klar hast du pragmatisch betrachtet Schuld an der Sache, weil du die Signale nicht richtig interpretiert hast, aber krankhafte Schuldzuweisungen bringen dir jetzt nix. Schuldzuweisungen von außerhalb übrigens auch nicht - du weißt ja, dass du schuld bist, und das fühlt sich eh schon richtig richtig scheiße an. Weiß ich, ging mir selbst so. ;)

    Bleib deinem Hund gegenüber fair und überlege, wie DU dir dein Zusammenleben mit diesem Hund künftig vorstellst. Welche Regeln möchtest du für Hera und dich selbst aufstellen? Siehst du Hera überhaupt noch in deinem zukünftigen Leben?

    Ich hab mal wieder das Zeichenlimit gesprengt, geht gleich weiter...

    Also Dino hat sowohl im Haus als auch im Garten immer irgendwelche Plüschtiere zur freien Verfügung. Er macht die nicht kaputt, lässt sie sich problemlos abnehmen - und nimmt die manchmal auch mit zum Gassi. Aber er trägt sie nun nicht ständig mit sich rum, das passiert eher so phasenweise. Die Omas interessieren sich null für seine Spielsachen.

    Wenn Abby nicht 24/7 an ihrem Plüschtier klebt, kannst du ihr das ruhig lassen.

    Süß ist die Kleine. Da hätte ich wohl auch Schwierigkeiten gehabt, ihr zu widerstehen :herzen1:

    Nur mal so am Rande für die ganzen Kritiker: ich hab Blubberl auch zum Mantrailing-Training eingeladen. ;)

    Das ist am Anfang körperlich nicht sooo anstrengend und der Hund ist danach trotzdem platt, plus Blubberl kann, wenns menschlich passt, auch Kontakt zu Hundemenschen aufbauen.

    Die Mobilität ist halt so ein Thema, weil wir oft fernab vom ÖPNV trainieren, aber mei - da findet sich was. Fahrgemeinschaften sind ja ein Ding :ka:

    Zwecks Gassi sind wir auch noch im Kontakt, da gehts nur noch um die Termin- und Streckenfindung. Just saying.

    Das einzige Problem, das ich hier sehe, ist das nicht alleine bleiben können. ICH würde das nicht wollen, aber ich muss den Hund ja auch nicht haben |)

    Aber Blubberl wird ja sicherlich Nachbarn haben, die bestimmt auch mal kurz auf die Kleine aufpassen können. Wir reden von Berlin, da gibt's sicher zig Möglichkeiten - und mal ehrlich, wenn ich weiß, dass ich "nur" zwei Stunden beim Arzt hocke, dann hab ich auch nicht so das schlechte Gefühl, wenn der Hund in der Zeit bei einem evtl nicht sooo hundekundigen Nachbarn betreut wird. Da muss man den Hund nicht sofort in ne Hundepension stecken...

    Ehrlich, dass hier schon wieder alles schwarz geredet wird... jeder hat mal klein angefangen, und Blubberl hat hier in den paar Tagen mMn mehr Einsicht und Verbesserungswillen gezeigt als viele andere Neulinge, die hier mit nem ganz ähnlichen Wunsch aufgeschlagen sind. Irgendwann ist doch echt mal gut mit dem ewigen Rumgehacke.

    Davon ab: ich hab selbst Mischlinge, deren Rassebestandteile eigentlich™ auch auf viel Bewegungs- und Arbeitswillen schließen lassen. Stichwort Schäferhund.

    Dino arbeitet gerne. Dino geht auch gerne wandern und spazieren. Aber seit Wochen (!) kommt er auch damit klar, dass wir nach der Arbeit max. 40 min durch den Wald latschen. Er darf an der Schlepp/Flexi schnüffeln, aber ansonsten passiert beim Gassi halt nix. Statt 3x die Woche schaff ichs derzeit auch (wenn überhaupt) nur 1x die Woche zum Training. Dino ist damit vollkommen zufrieden, dem fehlt nix. Und das, obwohl er mit 7,5 Jahren nun eigentlich auch noch im besten Alter und ein generell aktiver und aufgeweckter Hund ist.

    Wir stehen auch schon privat im Kontakt ;) Lasst ihr doch mal Zeit, die ganzen Beiträge hier sacken zu lassen. Der Thread ist 7 Stunden alt und hat schon 8 Seiten...

    Von Kleinanzeigen-Hunden würde ich aktuell die Finger lassen, wenn noch gar nichts richtig geklärt ist. Da werden so viele unseriöse Angebote gelistet, das ist nicht mehr feierlich. Man kann Glück haben, klar, aber das ist eher die Ausnahme.

    Dino kommt ja auch von (ebay) Kleinanzeigen. Die Anzeige war nett geschrieben, es gab viele Fotos von Dino, und da wurde auch nichts beschönigt. Was im Text aber nicht erkennbar war: Dinos Leinen"pöbelei" war eher eine handfeste Leinenaggression. Besucher wurden nicht "skeptisch begrüßt", sondern bellend angesprungen - ich hab mich damals mit einem sehr deutlichen "HEY!!" behaupten und mir so Dinos Respekt sichern können. Damals (Anfang 2019 etwa) war er aber noch ein gutes Stück unsicherer und dementsprechend leichter zu beeindrucken.

    Aber: ich bin mit den damaligen Besitzern spazieren gegangen und konnte dann als Laie schon sehen, dass Dino definitiv einige Baustellen mit sich bringt und die Halter überfordert damit sind. Ich hab also nicht die Katze im Sack gekauft; wir haben nach dem Spaziergang in der Wohnung der Besitzer bei nem Kaffee dann auch noch über Dino allgemein gesprochen. Rückblickend war da schon zu erkennen, dass die Kinder in dem Haushalt auch ein Stressfaktor für Dino waren.

    Den Besitzern war sehr, sehr wichtig, dass Dino in liebevolle, aber konsequente Hände kommt. Dass er geliebt und ausgelastet wird und dass er mit all seinen Macken akzeptiert wird. Wir haben vereinbart, dass ich nochmal vorbeikomme, nochmal mit Dino spazieren gehe und wir dann entscheiden, ob ich Dino gleich im Anschluss an den zweiten Spaziergang mitnehme oder wir doch nochmal ein Treffen vereinbaren möchten. Schlussendlich lief es darauf hinaus, dass ich dann direkt nach dem zweiten Spaziergang den Kaufvertrag unterschrieben und den Knallkopf mitgenommen habe.

    Das erste Jahr über hatte ich noch sehr engen Kontakt zu den Vorbesitzern, im Januar 2020 (glaube ich) waren wir dann noch mal zu Besuch. Die Freude auf beiden Seiten war unheimlich groß. Wir haben heute auch noch sehr losen Kontakt.

    Was mir erst zwei Jahre nach Kauf gesagt wurde? Dino hat bei den Vorbesitzern bereits ein Kind ins Gesicht gebissen und wurde trotzdem nicht vernünftig gesichert, trotzdem wurde zugelassen, dass die eigenen Kinder dem Hund den Ball wegnehmen dürfen und all sowas.

    Man ist wirklich auf das angewiesen, was die Besitzer bzw. der Verkäufer einem erzählt, und selbstverständlich auf das eigene Wissen, die eigene Wahrnehmung. Hätte ich damals mein heutiges Wissen gehabt, ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich mich für Dino entschieden hätte.

    Ich wollte damals unbedingt einen Schäferhund oder wenigstens einen Schäferhundmix. Einen Welpen hab ich mir nicht zugetraut, also sollte es ein älterer Hund werden. Die im Tierheim wurden alle als bissig beschrieben, sowas wollte ich eigentlich nicht, also hab ich eben auf Kleinanzeigen geschaut...

    Als ich Dinos Anzeige gesehen hab, dachte ich "Ach, ich hab soooo viel im DF gelesen, den krieg ich schon hin" ... naja, sagen wir es so, Dino lebt jetzt seit fast fünf Jahren bei mir und ein normales Leben mit Besuch zuhause etc. pp. wird es mit diesem Hund nicht geben.

    Edit:

    12 Jahre ist mir tatsächlich zu alt. Ich kann nicht damit leben nur ein bis zwei Jahre mit meinem Hund Zeit zu haben. Ich möchte keinen Welpen, aber älter als 5 sollte er nicht sein.

    Ich bin die ganze Zeit am gucken, aber es sind wirklich viele Hunde aus dem Ausland dabei und viele Welpen.

    Ich kann deinen Wunsch nach einem jüngeren Hund verstehen. Aber die brauchen halt Bewegung, wollen herumflitzen, und du sagst ja selbst, dass dir das Gehen nur in sehr langsamen Tempo und mit Pausen möglich ist.

    Wie stellst dir das vor, wenn du einen Hund hast?

    Hund soll in deinem Tempo mit dir an der Leine laufen? Dass Hundewiese schlecht ist, vor allem für kleine Hunde, wurde dir ja in deinem ersten Thread schon erklärt.

    Wie oft soll das bitte noch erwähnt werden?!Sie WEISS doch längst, dass auch kleine Hunde Bewegung brauchen! Meine Güte ... das ist jetzt nix gegen dich persönlich, Hektorine, aber der TE geht es hier doch explizit darum, auf was sie bei Kleinanzeigen-Hunden achten sollte.

    Blubberl Hab ich das richtig verstanden, dass du aus dem Berliner Raum kommst?

    Ich mach dir ein Angebot... wir können uns treffen, ich bring zwei meiner Hunde mit, und dann gehen wir zusammen Gassi. Du darfst dabei meine nette, kleine Hündin an der Leine führen, während ich meinen schwierigen Rüden (übrigens auch von eBay Kleinanzeigen) an der Leine habe

    Die nette, kleine Hündin ist mit 15,5 nicht mehr die jüngste, inzwischen recht langsam unterwegs, und ich glaube, dass so ein gemeinsamer Spaziergang vielleicht eine gute Möglichkeit für dich wäre, um mal richtig in die Hundehaltung reinzuschnuppern, inkl. aller Probleme, die man mit einem Hund an der Leine haben kann. Ich erzähl dir dann auch gerne, mit welchen Problemen ich schon zu tun hatte - ich bin jetzt beileibe nicht super erfahren, aber ich glaube, nach grob fünf Jahren Hundehaltung kann ich dir dann doch ein bisschen Wissen und Erfahrung vermitteln.

    Sofern du mobil bist und zB auch längere Bahn-/Busfahrten in Kauf nehmen und in den Hundesport reinschnuppern möchtest, lad ich dich auch gerne zu unserem Mantrailing-Training ein - wir suchen immer Leute, die sich für unsere Hunde verstecken. =)

    Das dürfte für dich vielleicht auch eine Option sein, um zum einen Kontakt zu Hunden aufzubauen und Erfahrungen mit ihnen zu sammeln, und zum anderen körperlich etwas für dich selbst zu tun. Du musst als Versteckperson nicht weit laufen, da können wir deine Bedürfnisse bestimmt berücksichtigen, und wenn der Hund dich dann findet, darfst du ihn zB auch zur Belohnung streicheln. Das wäre eine Win-Win-Situation für alle: wir haben eine neue Versteckperson, du kannst mit Hunden interagieren und arbeiten und sammelst ganz nebenbei noch ein bisschen Erfahrung im Umgang mit ihnen.

    Ich wohne leider zu weit weg, um dir zB die nette kleine Bonny regelmäßig zum Gassi zu überlassen (dazu ist sie auch schon zu alt), aber so ab und an lässt sich bestimmt was einrichten.

    Am Sonntag treff ich mich voraussichtlich auch mit einer Freundin zum Gassi gehen im Norden Berlins, sie hat seit kurzem auch Hunde und kann dir vielleicht noch mal aus Perspektive eines Anfängers schildern, mit welchen unerwarteten Problemen sie zu tun hatte. Da kannst du auch gerne mitkommen, wenn du möchtest.

    Schick mir gern eine PN, wenn du das Angebot annehmen möchtest. Anders als mein durchgeknallter Rüde beiß ich nicht und bin ganz umgänglich =)

    Meine harte Grenze liegt bei zwei Hunden. Aktuell bzw. seit Ende 2020 hab ich drei, weil ich mir den dritten Hund und damit den zweiten Senior eingebildet habe.

    Finanziell gehts - im Moment jedenfalls, weil die beiden alten Damen trotz ihres hohen Alters noch relativ gesund sind. Die Kleine braucht nur Tabletten für +-60-100 € im Monat (je nachdem, ob ich beide Medis oder nur eins nachkaufen muss), die Große kommt mit phasenweise Schmerzmitteln klar. Die Große und mein Rüde sind eh krankenversichert, also hab ich da ein zweites Notfallpolster neben dem Hundekonto.

    Wenn aber was sein sollte, dann steh ich dumm da. Been there, done that, will ich nicht noch mal.

    Aber zeitlich und von der Bespaßung her ... hm, schwierig. Ich hab das Glück, dass die Omas recht unkompliziert sind und der Rüde auch gut ohne regelmäßige Auslastung klarkommt. Was mich am meisten stört, ist, dass ich immer doppelt Gassi gehen muss: die Große kann nicht mehr so weit laufen, der Rüde ist im Handling teils schwierig. Beide zusammen pushen sich UNHEIMLICH, wenn wir fremde Hunde sehen :lepra: 15 + 33 kg krieg ich zwar gut gehalten, aber schön ist halt trotzdem anders.

    Die Kleine möchte zum Glück nicht mehr ständig mit zum Gassi, die ist aber auch leicht zu händeln (trotz bodennaher 16 kg). Die ist auch harmlos, da passiert nix, wenn mir doch mal ihre Leine aus der Hand rutschen sollte. Außer dass sie vielleicht abhanden kommt, weil die Ohren nicht mehr so gut funktionieren - Omi ist ja immerhin schon 15,5...

    Dazu kommt, dass der Rüde uuuuunheimlich verschmust ist (stört mich nicht) und teils doch sehr besitzergreifend agiert. Da gabs besonders am Anfang oft Situationen, die hätten explodieren können, weil der Rüde es scheiße fand, dass die Große grad mit mir gekuschelt hat :roll:

    Und die Betreuung. I swear, die Betreuung übersieht man bei sowas gerne mal.

    Der Rüde hat genau eine Pension, die ihn regelmäßig nimmt. Sind 70 km einfache Strecke und ~45 €/Tag. Dafür weiß ich aber auch, dass die Betreiberin mit dem Knallkopf (bissig gegenüber Mensch + Hund, reaktiv, muss mit MK geführt werden) klarkommt und sich nicht groß von ihm einschüchtern lässt.

    Die Kleine krieg ich im Zweifelsfall super bei einer Freundin vor Ort oder etwas weiter weg unter, die ist nicht das Problem. Die kann ich notfalls auch einem absoluten Anfänger in die Hand drücken.

    Die Große ... äh ja. Die ist 24/7 auf Futtersuche, klaut aus Mülltonnen, vom Herd und ist mit ihrem Herdenschutzhund-Erbe etwas verhaltenskreativ für den Ottonormalhundehalter. :hust: Noch dazu hat sie Katzen zum Fressen gerne, hat einen mordsmäßigen Jagdtrieb (die steht teils kreischend in der Leine ... hust) und ist als großer Hund mit ~70 cm SH halt so schon schwer unterzubringen. Die eine Pension, bei der sie mal war, nimmt sie auch nur, wenn die nicht viel zu tun haben. Masha hat da nämlich mal ne Pralinenpackung vom Tisch geklaut :rollsmile:

    Und so weiter.

    Ich mag meine drei Kröten, aber manchmal merk ich halt, dass es mit zwei Hunden (Komination Rüde + Kleine) doch deutlich einfacher und entspannter war. Darum und wegen der finanziellen (Welt)Lage wird es hier künftig maximal zwei eigene Hunde geben. Betreuungs-/Gasthunde schließe ich nicht aus - die müssen eh zum Rüden passen, sonst klappt das eh nicht.

    Wo wir grad eh bei dem Thema sind und Corona angesprochen wurde...

    Es gibt diese super nützlichen Beatmungstücher für die HLW. Haben wir bei der Auffrischung bekommen und seither hängt eben eins dieser Beatmungstücher an meinem Autoschlüssel mit dran - den hab ich idR immer dabei.

    AMBU "LifeKey" Schlüsselanhänger Beatmungsmaske
    Pulox.de Web-Shop Alle LifeKey-Beatmungsfolien sind mit einem Einwegeventil ausgestattet, welches die Atemluft nur in Richtung des Patienten strömen lässt.
    www.pulox.de

    Ist vielleicht ganz sinnvoll, sich sowas zuzulegen. Kostet nicht viel und durch das Einwegeventil ist man bei der Atemspende auch vor Viren etc. pp. geschützt.

    Klar kann man sich auch Latexhandschuhe einstecken, AAAABER ... es gibt auch Leute mit Latexallergie, deshalb lieber Nitrilhandschuhe kaufen. Man sieht den Leuten ja nicht an, ob sie auf Latex allergisch reagieren oder nicht.

    Ich hab z. B. immer ein 100er Pack Nitrilhandschuhe im Auto, zusätzlich zu einem zweiten kleinen Verbandskasten (der primär für die Hunde bzw. für Wanderungen gedacht ist).

    Vorbereitet sein schadet nie, und wer weiß, vielleicht rettets irgendwann mal auch Leben.

    Stand meiner letzten Ersthelfer-Auffrischung (Anfang 2021, glaub ich... müsste mal wieder) ist: einen Notruf absetzen ist auch schon Erste Hilfe. Wenn man alleine ist und sich in der Situation nicht wohlfühlt, dann MUSS man auch nicht an die Person rangehen. Notruf absetzen und vor Ort bleiben, bis die Profis eintreffen, reicht. Wenn zufällig Passanten dabei sind: ansprechen, auf die Situation aufmerksam machen und selbst wenns nur stupide Sachen sind, irgendwelche Anweisungen geben. Die meisten Leute handeln nicht, weil sie schlicht nicht wissen, was zu tun ist. Wenn da aber jemand in einer solchen Situation Anweisungen gibt, helfen die meisten Leute ohne großes Nachdenken mit. Weil es sagt ja jemand, was zu tun ist. ;)

    In der Situation wäre ich aber auch nicht selbst an die blutende Person rangegangen. Wenn, hätte ich wohl eher versucht, die Person laut anzusprechen - aber ich wär eben auf Distanz geblieben. Eigensicherung geht immer immer immer vor.

    Ich bin auch pro Maulkorb. Der ist per se erstmal nix schlechtes, mein Knallkopf trägt ja auch einen beim Gassi gehen usw. - um die Umwelt, aber auch um ihn zu schützen. Wichtig ist nur, dass der Maulkorbumfang 30-40% größer sein sollte als die Hundeschnauze, damit deine Hündin gut hecheln kann. Du kannst dich hier beraten lassen: Wo vernünftigen Maulkorb kaufen ?

    Oder Moment, du sagtest, du wohnst in/bei Trier, dann kannst du dich auch direkt bei Chic und Scharf beraten lassen: https://www.chicundscharf.com/ Die haben mWn ein Ladengeschäft in Trier.

    Und dann zum Thema "Resozialisierung" bzw. "Nicht alle Menschen sind böse" ... selbst wenn es möglich sein sollte, deiner Hündin das zu verklickern, kann das u. U. lange dauern. Wir reden hier von Jahren. War/ist zumindest bei meinem Knallkopf so.

    Mein Knallkopf ist ebenfalls ein sehr unsicherer Hund mit ziemlicher Vorwärtstendenz. Er hat auch schon gebissen - sowohl bei mir als auch beim Vorbesitzer. Aus dem Grund wird er außerhalb meiner vier Wände mit einem Maulkorb gesichert. Er ist seit Anfang 2019 bei mir. Seit Ende 2019 arbeiten wir mehr oder weniger bewusst daran, dass er in Anwesenheit von fremden oder anderen Menschen ruhig bleibt. Das ist unser Hauptziel gewesen! Er muss die Leute nicht mögen, er muss sich nicht von ihnen anfassen lassen usw., aber er soll in ihrer schlichten Anwesenheit ruhig und ansprechbar bleiben. Das haben wir soweit ganz gut geschafft... nach einem halben Jahr Training fand er die Leute aus unserer Gruppe gar nicht mehr sooo "scheiße", nach einem Jahr hat er auch mal vorsichtig von sich aus Kontakt gesucht (stets unter meiner Aufsicht!) und nach weiteren 1,5 Jahren lässt er sich von diversen Personen aus der Gruppe auch anfassen und kraulen.

    Selbes Spiel bei unserem örtlichen Schäferhundverein: es hat ein halbes Jahr gedauert, bis er sich an die Leute gewöhnt hat. Nach einem weiteren halben Jahr gibt's jetzt zwei Leute (von ~10 Leuten, die er regelmäßig sieht), die ihn ebenfalls anfassen und kraulen dürfen. Den beiden Damen klettert er manchmal sogar auf den Schoß und bettelt sehr überdeutlich nach Keksen ;)

    Hier kommt jetzt das große ABER: ohne einen Trainer bzw. generell hundeerfahrene Leute ist sowas brenzlig und sollte nicht einfach so gemacht werden, vor allem nicht ohne Plan. Und ich weise ausdrücklich darauf hin, dass mein Weg keine Empfehlung ist - nur ein Erfahrungsbericht. Bitte nicht ohne erfahrene Personen zuhause nachmachen etc. pp.

    Die Bedürfnisse deines Hundes stehen auf Platz Nummer 1. Jeder Schritt im Training wird zu 100% auf die Bedürfnisse deines Hundes angepasst. Beim Knallkopf hab ich ganz simpel angefangen: wir standen einfach in der Nähe der Gruppe rum. Ich hab mich mit den Leuten unterhalten, Hund durfte gucken und wurde für ruhiges Verhalten belohnt. Die Leute wurden explizit angewiesen, ihn zu ignorieren. Nicht angucken, nicht ansprechen, gar nix. Und nach 5-10 Minuten, je nach Tagesform, Lust und Laune, ging der Knallkopf dann zurück in seine Box im Auto. Pause für ihn, weil dann das Training für die anderen Hunde losging. Er war natürlich auch fürs Mantrailing da; da gabs dann auch noch mal Sonderregeln, wenn er mit Suchen dran war:

    • er muss nicht direkt an die Versteckperson ran
    • die Versteckperson stellt die Futterbelohnung einfach auf den Boden
    • der Knallkopf wird nicht angeschaut, nicht angesprochen, nicht angefasst, usw.
    • die Versteckperson bewegt sich 0,0, solange der Knallkopf mit Fressen beschäftigt ist

    Wirkte am Anfang auf viele übertrieben, aber es ging erstmal darum, dem Knallkopf zu vermitteln "guck, dir passiert in der Situation nix. Ich hab alles unter Kontrolle". Das ist unheimlich wichtig für unsichere Hunde. Und da kommen wir gleich zum nächsten Aspekt...

    ... DU musst deinem Hund das Gefühl vermitteln "du bist hier sicher". Das heißt, dass du dann eben auch gegenüber Leuten wie deinem Onkel sehr durchsetzungsfähig werden musst. Das war für mich anfangs auch super super schwierig, ich bin ein sonst stiller, zurückhaltender Mensch. Aber FÜR meinen Hund musste ich lernen, auch von 0 auf 100 sehr energisch werden zu können, damit die Leute mich und meinen Hund auch wirklich in Ruhe lassen.

    Das wird dir ein guter Trainer auch beibringen. Umso wichtiger ist es, dass du anfängst, dir einen Trainer zu suchen, der wirklich erstmal in Einzelstunden mit dir und deinem Hund arbeitet. Da muss erstmal geschaut werden, wie der aktuelle Stand ist, was mit dem Hund möglich ist, wie man das am besten angeht und so weiter. Und erst wenn eure "Werkzeuge" für den Umgang mit eurer Hündin richtig sitzen, wenn ihr die richtig drauf habt, erst dann solltet ihr in die Gruppenstunden integriert werden. Weil dann eben auch Dinge relevant werden, die du im Einzeltraining gelernt haben solltest. Sowas wie andere Menschen verbal auf Distanz halten usw.

    Zurück zum Knallkopf... Nach einem halben Jahr konnten wir diese Sonderregeln für den Knallkopf ein bisschen auflockern. Nach und nach konnten die Versteckpersonen ihn auch stimmlich loben - klar, er hat am Anfang doof geschaut, aber er hat gemerkt "Oh, passiert ja nix weiter, alles gut" und so konnten wir das Stück für Stück über Monate hinweg ausbauen.

    Jetzt, nach insgesamt fast 4 Jahren, ist er soweit entspannt gegenüber den Menschen, die er kennt, dass er sich von ihnen kraulen und in manchen Fällen regelrecht knuddeln lässt. Die Versteckpersonen dürfen ihn (je nach Tagesform) beim Belohnen dann auch mal kraulen. Aber auch in diesen Situationen bin ich immer anwesend, immer mit der Aufmerksamkeit beim Hund, und der Hund ist immer angeleint. Aus Sicherheitsgründen. Wenn fremde Menschen oder Kinder dabei sind, trägt er selbstverständlich einen Maulkorb. Und fremde Leute dürfen nur Kontakt zu ihm aufnehmen, wenn ER das will und eindeutig zeigt. Dann gibt's trotzdem noch Anweisungen von mir, wie man sich ihm gegenüber zu verhalten hat. Denn ICH hab dafür zu sorgen, dass diese Begegnungen für ihn angenehm sind und enden, bevor es ihm zu viel wird.

    Lange Rede, kurzer Sinn: selbst wenn ihr eurem Hund beibringen könnt, dass ihr sie vor fremden Menschen "beschützt" und die Sache für sie regelt, kann es Jahre dauern, bis der Hund diese Sicherheit verinnerlicht. Damit ist nicht garantiert, dass eure Hündin dann wie mein Knallkopf auch selbst Kontakt zu ausgewählten Menschen sucht.

    Sinn und Zweck dieses "Trainings" bei meinem Hund war, dass er lernt, dass ich ihn vor fremden Menschen schütze. Dass er dann von sich aus angefangen hat, den Kontakt zu den Leuten zu suchen, das war ein netter Bonus on top. Wir haben das nie erzwungen, wir haben immer ihn entscheiden lassen, ob er jetzt zu der Person möchte oder nicht. Er hatte immer immer immer die Möglichkeit, doch wieder weg zu gehen, umzudrehen, sich bei mir zu verstecken usw.

    Wenn ich nicht mit der Aufmerksamkeit beim Hund sein kann, sitzt der Knallkopf in seiner Box im Auto.

    An eurer Stelle würde ich darauf hinarbeiten, dass eure Hündin lernt "Meine Leute passen auf mich auf". Das ist das A und O und das gibt vielen Hunden sehr viel Sicherheit, wenn sie wissen, dass sie auf euch zählen können. Alles weitere solltet ihr als netten Bonus betrachten. Was nicht geht, geht eben nicht.

    Edit: noch was ... es kann sein, dass dein Hund auch erst lernen muss, dass sie sich in diesen Situationen zurückziehen kann. War beim Knallkopf auch so, der hat auch erst lernen müssen, dass er ja noch einen Rückwärtsgang hat.