Sie stammt aus demselben Rudel unserer Hündin, vermeintlich sind es Geschwister, jedenfalls haben sie knapp 6,5 Jahre zusammengelebt (vor Abgabe und dann im Shelter), bevor unsere Hündin zu uns kam.
Mein erster Gedanke: "Oh, das könnte Konfliktpotential bergen". Ich weiß jetzt nicht, wie die Hunde vorher gelebt haben, aber gerade bei Shelterhunden ist es so, dass die scheinbar so gut in der Gruppe klar kommen, weil die wissen: Streit und dauerndes Gezanke bringt eh nix. Die wollen da alle nur überleben und lassen Fünfe gerade sein. Klar hat da fast jeder Hund einen Kumpel, aber auch das muss kein Garant für sein, dass die Hunde sich dann auch später im "besseren" Lebensabschnitt vertragen. Ist wie im Knast: man arrangiert sich mehr oder weniger zwangsläufig mit den Leuten, mit denen man noch am ehesten klar kommt, weil man als völliger Außenseiter oft die Arschkarte hat.
Sie reagiert auf fremde Menschen, die direkt mit ihr interagieren wollen (also nicht eng an ihr vorbeilaufen etc., sondern auf sie zugehen und sie streicheln wollen) noch etwas unsicher/vorsichtig. Dadurch, dass sie das nicht können muss, hat das nicht wirklich Auswirkungen auf unseren Alltag. Allerdings merke ich, dass sie da noch „in der Entwicklung“ ist und weiterhin Fortschritte macht, also immer sicherer wird.
Kannst du "unsicher/vorsichtig" definieren? Geht sie nach vorne oder möchte sie lieber weg?
Bei ersterem: ich würde definitiv weiter trainieren, bis sie da sicher ist und weiß "Frauchen/Herrchen regeln das für mich, ich kann mich entspannt zurücklehnen". Liegt vielleicht daran, dass mein Rüde da sehr ähnlich agiert, aber definitiv beißen würde, wenn er bedrängt wird und nicht weg kann.
Meine kleine Hündin dagegen entzieht sich dem einfach und geht, wenn sie die Möglichkeit hat. Da sehe ich persönlich jetzt weniger das Problem, wenn eure Hündin auch eher der Typ "ich geh lieber" ist.
Was, wenn ich manche Dynamiken gar nicht sehe?
Das wird zwangsläufig so kommen, aber du kannst dein Auge dafür schulen, in dem du mal hier vorbeischaust:
Thema
Hej ihr,
ich lese gerade einen älteren Thread durch, in dem die Hunde einen Haushalts deutliche Konflikte miteinander hatten. ("Zwei Hunde haben plötzlich Probleme")
Da schrieb der
TS , dass die Hunde sich gegenseitig die Schnauzen lecken würden und Kontaktliegen und einige interpretierten das mehr oder minder als mögliches Konfliktsignal (zumindest in der Konstellation mit den anderen Informationen).
Im Urlaub habe ich mal erlebt, wie es zwischen den drei im Ferienhaus lebenden Hunden eskaliert…
Momo und Lotte
20. Juni 2021 um 19:28
Der Thread hier Der Mehrhunde-Laberthread Teil 2 ist vielleicht auch noch interessant für euch.
Als Lektüre kann ich folgendes empfehlen:
Ich hab's mir von einer lieben DFlerin geliehen - da ist auch viel Theorie und Vorwissen drin, diverse Konflikte und Lösungsstrategien werden auch beleuchtet.
Was, wenn ein Hund unglücklich ist?
Dann sollte der Zweithund wieder ausziehen, ums abzukürzen. Kommt natürlich auf die Gründe an, aber hier würde immer der neue Hund gehen, wenn der Ersthund aus irgendeinem Grund dauerhaft nicht glücklich damit wird.
In meinem Haushalt achte ich darauf, dass jeder Hund möglichst auf seine Kosten kommt, damit alle möglichst glücklich sind. Heißt halt auch viel Einzelzeit, individuelle Grenzen und Freiheiten usw.
Konkret bei uns:
Der Rüde darf im Bett schlafen, weil er ein kleines Papakind ist und den Körperkontakt braucht. Mit ihm geh ich auch regelmäßig wandern und mach größere Ausflüge - da, wo möglichst wenig Menschen und Fremdhunde unterwegs sind, die sind eins unserer größeren Themen. Er geht am Wochenende zum Mantrailing, damit er neben dem üblichen Sitzplatzpfote beim Spaziergang oder im Garten auch einen "Job" hat.
Die kleine Omi darf mitlaufen, wie sie lustig ist. Wenn sie unbedingt mit auf die große Runde vom Rüden will, darf sie (vorausgesetzt, die ausgewählte Strecke überfordert sie nicht) mit. Wenn sie lieber im Garten rumbummelt - ok, ist mir auch recht. Findet sie super, gerade im Sommer, wenn's warm ist. Kuscheln ist nicht soo ihrs, aber auch sie bekommt ihre Streicheleinheiten und albert mit mir herum.
Die große Omi wird ähnlich wie die kleine gehandhabt. Ich erwarte von beiden keine Höchstleistungen mehr, nur dass sie sich an die Hausregeln halten - die je nach Hund mal enger und mal lockerer gehalten sind. Wer sich grundsätzlich gut benimmt, hat auch mehr Freiraum und wer sich nicht benehmen kann, fliegt halt aus'm Zimmer, bis man die Murmeln wieder geordnet hat.
Während die kleine Omi also beim Gassi auch freilaufen und sich zurückfallen lassen darf, weil sie grad noch ne Minute länger am Busch schnüffeln möchte, darf die große Omi nicht von der Leine. Die läuft maximal an der Flexi, hat damit aber kein Problem. Hauptsache schnüffeln und bummeln, dann isse glücklich. Große Runden schafft sie nicht mehr, freut sich aber, wenn wir dann doch mal im Omitempo 3 km durch die Gegend zuckeln. Aber da sie früher Hofhund war, ist sie auch happy damit, wenn sie den Tag über im Garten herumbummeln darf. 
Die Omis dürfen natürlich auch ins Bett. Wollen sie aber eher selten und darum hat's das Rüdentier halt für sich. Ist mir ganz recht, mit drei Hunden im großen (!) Bett wird's nämlich doch manchmal etwas zu eng 
Ein Vorteil ist auch, dass die beiden lange und gut zusammengelebt haben. Ich weiß zwar nicht, ob die beiden sich aneinander erinnern würden/erkennen können (Können Hunde das?), aber zumindest haben sie von ihrem Charakter her zusammengepasst.
Wie eingangs schon geschrieben, ich würde mich nicht darauf verlassen, dass die sich dann immer noch vertragen. Sie erinnern sich sicher aneinander, aber ob die dann wieder/immer noch ein inniges Verhältnis zueinander haben oder nicht, kann dir wohl niemand beantworten.
Deine Hündin hat jetzt ein Zuhause, das sie sich bisher nicht teilen musste. Sie hat eure ungeteilte Aufmerksamkeit, muss sich keine Gedanken um potentielle Ressourcenkonflikte machen, weil kein anderer Hund anwesend ist usw.
Wie schätzt du sie denn vom Wesen her ein? Meinst du, sie würde Ressourcen zum Streitthema erklären? Denk dran - auch du bist für den Hund eine Ressource.
Die potentielle Zweithündin ist auch vom Schlag „unsicher“. Wie unsere Hündin auch, müsste sie auch alles einmal (kennen-)lernen.
Da kommt es in meinen Augen darauf an, wie ihr führt und ob ihr euch in der ersten Zeit auch individuell mit dem einzelnen Hund beschäftigen könnt und wollt, wie ichs geschildert habe.
Ich geh halt insgesamt 6x am Tag Gassi - morgens 2x, (nach)mittags 2x, abends 2x. Das schlaucht und ich hab auch offen gesprochen manchmal auch keine Lust darauf, mit allen Hunden nach der Arbeit ne große Runde von 2-3 km zu gehen.
Bei zwei Hunden lassen sich gemeinsame Gassigänge aber noch gut kombinieren, wenn ihr eh zu zweit seid und jeder einen Hund übernehmen kann. Da seh ich weniger das Problem, aber alleine mit drei Hunden (davon einer, den ich als gefährlich einschätze) ist's halt doch ein anderes Niveau.
An eurer Stelle würde ich mich also darauf einstellen, dass die Neue in der ersten Zeit - das können ein paar Wochen, ein paar Monate oder sogar ein/mehrere Jahr/e sein - Solo-Spaziergänge braucht. Könnt und wollt ihr das leisten? Ihr könnt, da zu zweit, natürlich Zeit sparen - du gehst mit der alteingesessenen Hündin, dein Freund mit der Neuen z. B.
Hier war es so, dass die kleine Omi als Zweithund dazugekommen ist. Sie flüchtet lieber, wenn ihr was ungeheuer ist, während der Rüde nach vorne tendiert. Das ist gut managebar für mich, weil sich die Kleine eher raushält - mit zwei Hunden mit Vorwärtstendenz wärs definitiv anstrengend gewesen und das hätte ich auch nicht gewagt.
Inwieweit die unsichere Zweithündin eure unsichere Ersthündin zurückwirft - keine Ahnung. Ich hab bei meinen zweien keinen besonderen Unterschied bemerkt. Das lag aber sicher auch daran, dass sich die Omi anfangs nicht komplett am Rüden orientiert hat. Das kommt erst jetzt so nach und nach... Beispiel: wir gehen zum Wald die Straße entlang und hinterm Zaun kläfft der Erzfeind vom Rüden. Omi ist auch dabei - mein Rüde pöbelt zurück, weil Erzfeind kläfft und Omi denkt sich "Ey geil, ich mach einfach mal mit!".
Hätte sie sich vor einem Jahr nicht getraut, sondern eher dumm geguckt, warum denn jetzt gekeift wird 
Konkret würd ich mir halt immer die Frage stellen: warum will ich einen Zweithund? Nur für mich? Für den Ersthund? Um was Gutes zu tun? Weil ich dazulernen möchte? ...
Meine Gründe damals waren schlicht und ergreifend, dass ich die Dynamik grundsätzlich angenehm finde und mich auch gern um zwei Vierbeiner gleichzeitig kümmere. Zusätzlich wollt ich (nach dem Reinfall mit der Schäferhündin) einem alten Hund mit schlechten Chancen ein Zuhause geben. Da kam die kleine Omi halt genau richtig - auch wenn ich zu der Zeit eigentlich keinen Zweithund wollte 
Wenn der Zeitpunkt nicht passt und man sich nicht sicher ist, ob der ausgesuchte Zweithund halbwegs passt, würd ich's lassen. Wenn ihr die Möglichkeit habt, sie vorher kennen zu lernen und mehrfach mit eurer Hündin zu besuchen, würd ich die Chance nutzen, das schadet nie!