Ich sags gleich vorweg: erweitert lieber euren Suchradius innerhalb Deutschland und schaut nicht gleich bei den Auslandshunden.
Das Problem ist: viele Welpen bzw. dann-Junghunde (die dürfen erst mit ~15-16 Wochen einreisen) haben da, wo sie herkommen, nur mäßig viele bis wenige oder gar keine Erfahrungen gesammelt. Oft kennen die nur das Shelter, also das enge Zusammenleben mit anderen Hunden. Oder das reine Straßenleben. Aber in keinem Fall sind die von Tag 1 auf das Leben in der deutschen Durchschnittsfamilie sozialisiert.
Mit Hundeerfahrung, einer "Alles kann, nichts muss"-Einstellung (= ihr habt keine Erwartungen außer "ist ein Hund, hat vier Beine und bellt" an den Hund) und/oder der passenden Umgebung kann man die mangelnde Sozialisierung in den ersten Lebenswochen ausgleichen, aber selbst dann wird aus so einem Hund kein Selbstläufer. Man kann Glück haben und einen Junghund erwischen, der trotz evtl. mangelnder Sozialisierung gut mit dem Leben in bspw. einer kleinen Wohnung im Mehrfamilienhaus mitten in Berlin klar kommt, aber dass ihr so einen Hund bekommt, halte ich für unwahrscheinlich. Nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich.
Was spricht bei euch gegen einen Welpen vom Züchter? Da wisst ihr, wie der Hund aufwächst, dass er im Regelfall gut an das deutsche Hundeleben gewöhnt wird und der Züchter kann euch auch sagen, wie sich der Welpe in etwa entwickeln wird.
Ich hab drei Hunde, die ursprünglich aus dem Ausland kommen. Alle sind bereits erwachsen gewesen, als ich sie übernommen habe. Am unproblematischsten für mich sind tatsächlich die beiden "alten", die mit knapp 12 und knapp 11 zu mit gekommen sind. Die Kleine kommt aus Polen, saß damals schon in einem deutschen Tierheim, ist aber eher ängstlich und geht Menschen aus dem Weg. Die kann ich zwar mit ins Restaurant oder zu Freunden nehmen, aber das ist für sie u. A. anstrengend und stressig. Danach braucht sie eine längere Ruhephase. Wenn Freunde zu mir kommen, stresst sie das sichtlich - sie verkrümelt sich dann auf ihre Ruheplätze, aber man sieht ihr deutlich an, dass sie unsicher ist und Angst hat (obwohl die Leute sie in Ruhe lassen... nun ja).
Die Große kam quasi direkt aus Italien zu mir und hat nur einen kurzen Aufenthalt auf einer deutschen Pflegestelle gehabt, weil ich sie vorher nicht abholen konnte. Die ist zwar ein absolutes Schaf für ihren Rassemix, hat aber das Problem, dass sie Essbares klaut wie ein Rabe. Das beinhaltet auch, dass sie Verpackungen aus dem Müll, vom Tisch, aus dem Regal etc klaut, weils halt noch nach Essbarem riecht. Damit kann ich leben, aber ich muss halt penibel aufräumen, die Küche ist mittels Kindergitter abgesperrt und wenn sie zu Freunden mitkommt, MUSS sie irgendwo angeleint werden, weil wir sonst absolut nicht in Ruhe essen können. Da hilft auch ein klarer Anschiss nix, die hat dahingehend einfach ne Störung. Dazu ist sie Dauerpatient beim Tierarzt, weil sie körperlich durch ihr vorheriges Leben einfach ein Totalschaden ist. Hüfte kaputt, Schultern kaputt, usw. - das weiß man vorher auch nie, wie krank der Hund ist, ob er versteckte Krankheiten oder Gendefekte mitbringt usw.
Mein Lieblingshund ist gleichzeitig auch der anstrengendste von allen dreien ... Dino kam mit ±3 Jahren zu mir, als er schon 2 Jahre lang in Deutschland gelebt hat. Ursprünglich kommt er aus Rumänien.
Mir gegenüber ist er ein lieber, anhänglicher gelehriger und verschmustes Kerlchen. Er schläft bei mir im Bett, hat immer Bock auf gemeinsame Ausflüge und Arbeit, kommt im Haus super von selbst zur Ruhe ...
... aber außerhalb unseres Alltags mit Gassi in der Pampa kann er durchaus gefährlich werden. Er lässt Besucher, selbst wenn er die Leute kennt, weder aufs Grundstück noch ins Haus. Wenn ich Handwerker reinlassen muss, muss ich Dino mit Maulkorb gesichert ins Auto sperren. Würde ich das nicht tun, würde er den Besuch ziemlich sicher verletzen.
Nicht weil er böse ist, sondern schlicht extremes Territorialverhalten zeigt.
Er geht nur mit Maulkorb Gassi, weil er kürzlich zwei kleine Hunde attackiert hat.
Dino hat vorher mit zwei kleinen Kindern und ihren Eltern in Berlin gelebt. Es kam lt. Familienvater schon häufig zu Situationen, in denen es zwischen Kind und Hund brenzlig wurde und ein Kind hat er dann auch mal ins Gesicht gebissen ...
Kurz: mit einem Hund direkt aus dem Ausland bekommt ihr häufig keinen Hund, der zu 100% in euren Alltag passt. Oft muss man viel Training, Zeit und ja, auch Blut und Tränen investieren, bis der Hund für Außenstehende "problemlos" in den Alltag integriert wird.
Mit einem Welpen vom guten Züchter einer geeigneten Rasse oder einem bereits erwachsenen Hund aus dem deutschen Tierheim, den man vom Verhalten her bereits gut einschätzen kann, seid ihr besser beraten. Einen Auslandshund würde ich mir nur dann holen, wenn die Kinder bereits älter (ca. 12) sind und ihr bereit seid, im schlechtesten Fall auch deutliche Abstriche zu machen bzw. starke Einschränkungen dem Hund zuliebe in Kauf zu nehmen.