You called? 
Ich hab zwei Ostblockhunde (Rumänien und Polen) und eine Italienerin.
Die Polin ist von allen die unkomplizierteste. Weil: hat Angst vor fremden Menschen, hält daher lieber Abstand und guckt. Bekannten Menschen gegenüber ist sie nett und halbwegs zugewandt, mir gegenüber lässt sie auch mal den Frechdachs raushängen. Sie ist trotz ihrer grundsätzlichen Angst ein Hund, den ich auch mal mit zu Freunden nehmen kann - die verkrümelt sich auf ihr Kissen und ist ruhig.
Die Italienerin ist Menschen gegenüber sehr zugewandt. Da wird auch mal mit Leuten gekuschelt, die man nie zuvor gesehen hat, weil die da halt gerade rumstehen und man sich doch sooo gerne an Menschenbeine ranwirft, damit man gestreichelt wird. Sie hat gut Jagdtrieb auf Sicht und ist mordsmäßig verfressen, den Ursprung dafür seh ich aber eher in ihrem vorherigen Leben bzw. den Mutmaßungen, die wir (Trainer, Pensionsbetreiberin usw.) dazu haben.
Der Rumäne ist ... schwierig. Eigentlich ein nettes, lustiges Kerlchen. Wenn er einen denn kennt. Fremde sind außerhalb unseres Grundstücks eher uncool, wenn die einem Käse anbieten, geht man aber schon mal hin und nimmt sich vorsichtig was. Nach mehreren gemeinsamen Spaziergängen und viel Käse sind die Leute dann als "cool" abgespeichert und er freut sich, wenn er die Leute sieht.
Fremde in der Nähe unseres Grundstücks werden verbellt und er hängt in der Leine. Fremde, Bekannte und Freunde AUF unserem Grundstück greift er an, die Erfahrung hab ich leider schon gemacht. Seither wird er gesichert und hat überhaupt keinen Kontakt mehr zu Besuch.
Während die Polin eher den Rückwärtsgang einlegt, geht er auf Angriff.
Ich sehe schon Unterschiede bei meinem Ausländertrio. Beim Rumänen spielt sicher viel Genetik mit rein, die Italienerin hat einfach grundsätzlich eine Macke und die Polin ist entweder ohne viel Menschenkontakt aufgewachsen oder hat viele schlechte Erfahrungen mit Menschen gesammelt. Weiß keiner.
So ansich denke ich schon, dass man je nach Landesherkunft eines Hundes schon sagen kann, mit welchen Verhaltensweisen man rechnen sollte. Die müssen nicht zwangsweise "im Paket" mit dabei sein, aber es schadet sicherlich nicht, wenn man sich bewusst ist, was im worst case auf einen zukommt. Ich hab halt schon das Gefühl, dass es zB Verhaltensweisen gibt, die in einem Land häufiger bei Hunden vorkommen und in einem anderen Land weniger - das liegt aber sicher auch zu großen Teilen daran, welche Hunderassen bzw. -typen da leben und v. A., wie diese Hunde dann leben/aufwachsen.
Bei den Rumänen wären das z. B. deutlicher Wach- und Schutztrieb, ausgeprägter Territorialtrieb, u. U. auch ernste Aggression gegen(über) Menschen. Das ist insofern nicht überraschend, weil Hunde in Rumänien oft zum Bewachen vom Hof etc. eingesetzt werden. Ich kann mir vorstellen, dass es dann auch gewünscht ist, dass der Hund gegenüber Eindringlingen Ernst macht und zupackt (oder schlimmer). Die Hunde, die sich dafür nicht eignen, weil zu wenig Schutz-/Wachtrieb, nicht durchsetzungsfähig genug etc. werden dann halt aussortiert ... und die, die den Job gut machen, können ihre Gene halt weitergeben. So würd ich mir das erklären. Dass in Rumänien auch viele Herdenschutzhunde und Schäferhunde gehalten werden, sorgt dafür, dass es viele HSH- und Schäfimixe in dem Land gibt, die dann eben über den Tierschutz zu uns kommen. Entweder weil die Orga nicht weiß, was sie da nach DE karrt oder weil man es schlichtweg nicht sieht. Bei Dino z. B. wär kein Mensch auf die Idee gekommen, dass da lt. Gentest Kangal mit drin sein soll - ganz im Gegenteil, der sieht aus wie ein Mix aus Schäferhund und Beagle.
Bei den Italienern, Spaniern und Griechen sind dann eher Hunde mit entsprechend Jagdtrieb, ggf. Reizoffenheit, Eigenständigkeit usw. an der Tagesordnung. Vereinzelt auch Schäferhunde.
Der Verein, von dem ich Masha habe, legt auch ein großes Augenmerk auf die HSH, die es in "deren" Region gibt - den Maremmano. Da wird dann auch klar dazugeschrieben, was für ein Typ Hund das ist, worauf man achten und womit man rechnen sollte. Gleiches bei den zig Jagdhundschlägen, die sie vermitteln. Da erleb ich viele Hunde als durchweg nett, manche sind Angsthasen, andere (wie Masha) gehen völlig unbefangen auf neue Leute zu, wenn ich die als OK absegne. Hunde wie Dino, die eine deutliche Vorwärtstendenz haben und "nicht ganz ohne" sind, kenn ich von dem Verein tatsächlich kaum bis gar nicht.
Was polnische TS-Hunde angeht, da fehlt mir ehrlich gesagt ein großes Stück. Ich kenn außer Bonny nur noch die Kami von SanSu hier im Forum, und auch die nur vom Lesen her. Ich kann mir vorstellen, dass die Varianz der TS-Hunde aus Polen deutlicher bunter gemischt ist als z. B. bei den Rumänen. Da hat man wahrscheinlich zu gleichen Teilen die Angsthasen, die Normalos, die "Problem"hunde usw.
Ich glaub, dass Momo und Lottes klischeehafte Vorstellung von dem dickfelligen Ostblockköter und dem jagdpassionierten Spanier schon nicht von ungefähr kommt, sondern durchaus eben dem am weitesten verbreiteten Typ entspricht. Kurz gesagt: glaub schon, dass da was Wahres dran is.