Weil es ein paar Seiten vorher erwähnt wurde, möcht ich noch was zum Thema "Unberechenbarkeit des eigenen Hundes" schreiben - denn ich führ mit Dino ja auch einen Hund an der Leine, der bereits zwei kleine Hunde angegriffen hat.
Wie es dazu kam? Absoluter Hundeführerfehler. Wir kamen vom Mantrailing und haben uns noch mit ein paar Hundehaltern aus dem Ort zum Gassi getroffen. Hätte ich eigentlich sein lassen sollen, denn Dino war nach dem Training verständlicherweise müde. Ich dachte mir aber, so eine Gassirunde mit anderen Hunden tut ihm mal wieder gut ... es war auch schön, er lief frei zwischen den anderen Hunden, hat sich mit sympathischen Artgenossen beschäftigt und ich hab mit den anderen Hundehaltern geplaudert. Wie es sich gehört, hab ich Dino abgerufen und angeleint, wenn uns Fremde entgegen kamen, unsere gesamte Gruppe ist dann auch höflichst zur Seite gegangen, um Radfahrern etc. problemlose Passage zu ermöglichen.
Alles fein, alles schön. Wir halten fest: Dino war bei diesem Spaziergang bis jetzt absolut unauffällig. Kein Anzeichen eines kürzeren Geduldsfadens, keine Überdrehtheit als Signal für "ich bin wirklich verdammt müde", nix. Er hat sich schön abrufen lassen, auch wenn seine Aufmerksamkeit gerade kurz woanders war, er hat nach mir geschaut ... alles super.
Irgendwann standen wir mit unserem Grüppchen dann am Strand. Dino lief frei, hat am Ufer kurz etwas getrunken, ich hab ihm zugeschaut. Ich bin sitzen geblieben, während er hinter mir rumgewuselt ist. Und da fängt das Drama an. - Nein, eigentlich fängt das Drama schon früher an - bei der Entscheidung, ihn am Strand frei laufen zu lassen.
Ich sehe aus dem Augenwinkel, dass sich zwei fremde Hundehalterinnen mit zwei kleinen Spanieln nähern. Also stehe ich auf, um Dino abzurufen und anzuleinen - wie es sich gehört. Aber Dino kommt auf meinen Ruf nicht, obwohl er keine zehn Meter von mir entfernt steht. Er zuckt nicht mal mit den Ohren, als ich ihn zum zweiten Mal rufe - er fixiert die zwei kleinen Hunde, die Halterinnen plaudern und bemerken gar nicht, dass Dino ganz staksig und in deutlicher Angriffsabsicht auf sie zugeht.
Und dann passiert es - Dino stürzt los, schnappt sich den einen kleinen Hund, bei den Zwergen und ihren Halterinnen bricht die blanke Panik aus, unsere Gruppe ist ob der Aufruhr erstmal verwirrt.
Die Zwerge schreien in Todesangst, Dino lässt ab und stürzt sich auf den anderen Hund. Ich erinner mich an das, was ich über solche Fälle gelesen habe und anstatt auch in Panik auszubrechen, rumzubrüllen und auf meinen Hund einzuschlagen, mach ich das einzig sinnvolle: ich greife in das Zugstop-Halsband meines Hundes und dreh ihm die Luft ab, damit er den kreischenden Hund loslässt.
Ich hab richtig, richtig verdammt viel Glück gehabt, dass die Halterinnen mich nicht angezeigt haben. Dass Dino nicht als gefährlicher Hund beim örtlichen Ordnungsamt gemeldet wurde. Und ganz ehrlich? Ich hätte die Anzeige inkl. aller Auflage verdient gehabt - ich war kurz davor, Dino freiwillig zum Wesenstest anzumelden, weil ich so geschockt war. Der Hund, der jeden Abend bei mir im Bett liegt, selig schnarcht und sich zufrieden ankuschelt, weil er unter die Decke darf, hat zwei völlig unschuldige Hunde angegriffen. Zu unserem großen Glück gab es keine offensichtlichen Verletzungen.
Nicht jeder Vorfall dieser Art geht so glimpflich aus. Dino hätte einen oder sogar beide Hunde töten können, wenn er gewollt hätte.
Seit diesem Tag geht Dino nicht ohne Maulkorb spazieren. Leinenlosen Freilauf gibt es nie wieder für ihn - wenn überhaupt, dann nur an schleppender Schleppleine. Und immer immer immer mit Maulkorb. Auch abends auf der Pipirunde.
Ich möchte sowas nie wieder erleben. Ich möchte nie wieder meinen eigenen, geliebten Hund strangulieren müssen, weil ich mich darauf verlassen habe, dass Dino schon auf Zuruf kommt, wie auch 20 Minuten vor diesem blöden Zwischenfall.
Hunde sind Tiere und damit unberechenbar, egal wie gut sie erzogen sind. Es gibt immer diese klitzekleine Chance, dass der Hund sich anders verhält als erwartet. Die Gründe dafür sind vielfältig und für uns nicht immer ergründbar.