Ich rate davon ab. Zum einen wegen der fehlenden (Notfall-)Pflegestelle, zum anderen wegen der Beschreibung, die ja schon "Ich bin eine Großbaustelle" schreit.
Hier sitzt ein rumänischer Mix, der NICHT als Direktimport zu mir kam. Dino saß schon in Berlin bei seinen Vorbesitzern, die ihn als grob 1-1,5 Jahre alten Hund nach Deutschland geholt haben. Was er vorher erlebt hat (oder eben nicht), weiß keiner. Dino wurde allerdings abgegeben, weil die Leute mit seinem Verhalten und seinen gesundheitlichen Problemen überfordert waren.
Vermittelt wurde er als Schäferhund-Mix - stimmt soweit auch. Dass bei ihm aber auch noch ein Herdenschutzhund drinsteckt (Kangal, lt. Gentest) wusste vorher keiner - und es wurde auch an keiner Stelle gesagt "hey, es kann sein, dass in Hunden aus unserem Tierschutz auch HSH-Anteile drin stecken, bitte lest euch ein".
Ich liebe diesen Hund, er ist mein Ein und Alles und ich kann mir keinen besseren vierbeinigen Begleiter vorstellen, ABER ...
Er ist absolut nicht geeignet für das Leben in einer Familie, geschweige denn im städtischen Raum, so wie du dir das z. B. vorstellst.
Dino hat bei den Vorbesitzern bereits ein Kind ins Gesicht gebissen, ist territorialaggressiv und beißt ohne Hemmungen zu, auch wenn er den Besuch vom gemeinsamen Gassigehen kennt und mag. Sprich: als Bürohund wär er auch nicht geeignet, er würde Kunden und Kollegen wahrscheinlich nicht ins Büro lassen und/oder ein Riesentheater machen.
Beim Gassigehen trägt er aus verschiedenen Gründen einen Maulkorb - primär, weil er letzten Herbst zwei kleine Hunde "aus dem Nichts heraus" angegriffen hat. Tatsächlich hat er den Strandabschnitt, an dem das passiert ist, als sein Territorium betrachtet, weil wir da für ZWEI Minuten rumstanden. Wir leben im Nichts und sind vielleicht alle paar Wochen mal zum Gassi in belebteren Gegenden unterwegs, trotzdem trägt Dino auch hier nen Maulkorb. Weil er z. B. auch unsere Gassistrecken gegen "Eindringlinge" verteidigt. Ist nicht lustig, wenn dein Hund deinen joggenden Vermieter im Wald stellt und verbellt ...
Am Anfang hat er so heftig auf andere Menschen reagiert, dass ich nen bellenden und knurrenden Flummi an der Leine hatte. Stadtspaziergang? Höchstens um 3 Uhr morgens bei Regenwetter.
Inzwischen muss ich ihm "nur" noch sagen, dass er die Klappe halten und weitergehen soll, wenn wir doch mal einem Menschen begegnen. Wir laufen übrigens immer noch lieber mit 5-10 Metern Abstand vorbei oder wechseln gleich die Straßenseite. Oder schlagen einen anderen Waldweg ein.
Ressourcen (Futter, Wasser, Spielzeug, Liegeplätze, sogar ich) muss ich managen, weil er sonst gerne der deutlich größeren Masha eine runterhaut. Die ersten drei Monate musste ich die zwei beim Fressen trennen, weil es sonst ne Beißerei gegeben hätte.
Das kann dir durchaus auch passieren, Dino ist hier mehr oder weniger Ersthund. Als Bonny eingezogen ist, war nichts von der Ressourcenthematik wahrnehmbar, weil Bonny sich einfach fein zurückhält und gar kein Interesse an Dinos Gedöns hat. Masha dagegen hat sich gleich am ersten Abend ein blutiges Ohr eingefangen, weil sie einfach nur an den gemeinsamen Wassernapf wollte.
Inzwischen fressen alle drei zusammen in der Küche und auch am Wassernapf kann man sich artig anstellen und warten, aber so Besonderheiten wie zB Kauteile erfordern immer noch mein wachsames Auge und eine Erinnerung an Dino, dass er sein Zeug hat und sich nicht für Mashas Zeug zu interessieren hat.
Wenn du nicht grundsätzlich einen Zweithund willst, würd ichs lassen. Es ist Mehrarbeit, die Mehrkosten sind auch nicht ohne und wenn ein oder sogar beide Hunde dann noch Einzeltraining benötigen - gute Nacht. Ist machbar, aber man muss es echt wollen.
Mit Masha ist bei mir der dritte Hund eingezogen. Weil ich das so wollte, weil sie alt und weitestgehend unkompliziert ist und nicht zwingend Auslastung in Form von Hundesport braucht.
Sie war ein Direktimport. Ich wusste aber, was ich bekomme, weil die Vereinsvorsitzende Masha schon in Italien persönlich kennengelernt hat und mir daher sagen konnte, dass Masha wirklich menschenfreundlich ist, mit anderen Hunden prima auskommt usw.
Zusätzlich war Masha temporär auf eine Kurzzeitpflegestelle untergebracht, weil sich der Transporttermin mehrfach verschoben hat und ich meinen Urlaub dann nicht mehr umplanen konnte. Ich bin 600 km mit meinen beiden Hunden gefahren, um dann spätabends mit dem Pflegefrauchen und den drei Hunden spazieren zu gehen, damit man gucken kann, wie es zwischen den dreien klappt.
Dann gings ins Haus und auch da haben sich alle drei gut verstanden. Also war für mich klar: Masha kommt mit, die passt rein.
Hätte es mit den dreien untereinander überhaupt nicht geklappt, hätte Masha bis zur Weitervermittlung auf der Pflegestelle bleiben können. Das ist bei vielen privaten Tierschutzvereinen quasi DER Luxus schlechthin und leider bei vielen auch gar nicht zu erwarten.
Wäre das nicht möglich gewesen, inkl. Augenzeugenschilderung vom Vorstand und Kennenlernen vor der endgültigen Abholung auf der PS, hätte ich das Abenteuer "alter Direktimport" nicht gewagt.