Ich krieg sie einfach nicht aus dem Kopf verdammt ... 
Ich möcht dir mal was erzählen.
Im August 2019 hab ich eine junge Schäferhündin aus suboptimalen Verhältnissen übernommen. Sie hatte zwar Futter und Wasser, durfte aber nicht ins Haus, hat keinerlei Erziehung oder Zuneigung erfahren, kannte weder Halsband noch Leine, weil der Herr mit ihr nie Gassi gegangen ist und kannte durch dieses "Leben" quasi nix, was ein normaler Hund kennt.
Kein Kuscheln mit Herrchen.
Kein Spielen mit dem Zergelseil.
Keine Spaziergänge am Feld entlang.
Keine Ausflüge in die Stadt.
usw.
Ihr hat einfach so viel gefehlt. Und das hat dazu geführt, dass sie draußen völlig hysterisch auf vorbeigehende Menschen, andere Hunde, Autos usw. reagiert hat. Sie war völlig überfordert mit den zig Reizen, die da sind. Wenn ein Eichhörnchen über den Weg geflitzt ist, hatte ich nen kreischenden Hund an der Leine. Ihr hats bei solchen Reizen einfach alle Sicherungen rausgehauen. "Gut" war es mit ihr nur, wenn wir in der Pampa spazieren waren und uns nichts und niemand begegnet ist.
Es war wirklich nur dann "gut". Denn alleine bleiben konnte sie nach 2-3 Wochen urplötzlich auch nicht mehr, weil sie massive Trennungsängste entwickelt hat. Wenn ich versucht habe, die Wohnung zu verlassen, um 2 Stockwerke tiefer die Post aus dem Briefkasten zu holen, hat sie angefangen, kreischend die Wohnungstür zu zerlegen.
Mit auf Arbeit nehmen ging nur bedingt, weil mein Chef keine Hunde im Büro möchte. Und sind wir mal ehrlich: die Hündin wäre im Büro auch VÖLLIG überfordert gewesen. Ich hätte sie mit ner Stahlkette anbinden müssen, damit sie an ihrem Platz bleibt. Handelsübliche Leinen hätte sie durchgebissen. Und weil hin und wieder eben doch Kollegen ins Büro kommen, hätte sie sich jedes Mal das Hirn rausgeplärrt, weil da eben ein Mensch kommt und sie mit diesem Reiz nicht umgehen kann.
Also blieb mir nur, sie während der Arbeitszeit im Auto zu lassen. In meiner Mittagspause bin ich dann mit ihr spazieren gegangen, mitten im Gewerbegebiet. Das ging, war aber eben weit entfernt von "okay".
Zuhause war sie irgendwann der pure Terror. Sie kam nicht zur Ruhe. Sie hat meinen Rüden auf Schritt und Tritt belästigt, gemobbt, genervt bis zum Gehtnichtmehr. Es ist ein Wunder, dass er mit ihr so unheimlich geduldig war und sie niemals ernsthaft verletzt hat.
Irgendwann war es soweit, dass ihr Terror dazu geführt hat, dass KEINER von uns mehr zur Ruhe kam. Ich konnte nicht schlafen, mein Rüde konnte nicht schlafen, sie konnte eh nicht mehr schlafen.
Wir haben diesen Status zwei (!) Wochen lang irgendwie überlebt. Ich stand nach 6 h Arbeit oft noch 2 h lang auf einem Parkplatz im Nirgendwo, mit ihr im Kofferraum, damit wir einfach mal runterkommen können, bevor es wieder heimgeht. Weil zuhause dann der Terror weiter ging.
In den letzten zwei oder drei Nächten dieser zwei Wochen hat sie dann im Auto geschlafen. Weil ICH nicht mehr konnte, weil das bescheuerte Auto der einzige Platz war, an dem sie halbwegs zur Ruhe kam und schlafen konnte.
An einem Donnerstag im Oktober 2019, knapp 3 Monate nach Kauf dieser Hündin, hab ich dann entschieden, dass es so absolut nicht mehr weitergehen kann. Ich stand nach der Arbeit drei Stunden lang auf "unserem" Nirgendwoparkplatz und hab Tierheime im Umkreis von 200 km abtelefoniert, weil ich einfach nicht mehr konnte. Tierheim Berlin, Tierheim Rostock, Tierheim ... Kein Tierheim konnte oder wollte sie nehmen. Ein Tierheim hat sich erbarmt und einen Notfallplan in Gang gesetzt. Erst nur für ein paar Nächte - 24/7 Sonderbetreuung. 30€ die Nacht. Zeitgleich liefen hier im Dogforum auch die Leitungen heiß, weil die Leute ihre Kontakte bemüht haben, um uns möglichst schnell zu helfen.
Schlussendlich hat sich dann ergeben, dass das Tierheim sie doch komplett übernommen hat. Ich war somit nicht mehr ihr Halter und bin erleichtert, aber auch traurig nach Hause zu meinem Rüden gefahren.
Erleichtert, weil wieder Ruhe einkehren konnte - bei uns dreien.
Traurig, weil sie trotz allem eine so unheimlich liebe, aufmerksame, arbeitsfreudige Hündin war. Ein anhängliches, verschmustes Ding.
Drei Monate nach Abgabe im Tierheim, nach Weihnachten, ist sie in ihr neues Zuhause gezogen.
Das ist jetzt fast 3 Jahre her und ich denke immer noch dann und wann an sie. Frage mich, "was wäre, wenn..." und überlege, wie es ihr wohl heute geht, ob sie immer noch so schwierig ist wie damals oder ob sie jetzt völlig unauffällig in ihrer Familie mitläuft.
So. Ich hab jetzt ordentlich ausgeholt und effektiv hat das auch gar nicht so viel mit deinem Thema zu tun. Aber was ich damit sagen will: es gibt so viele Hunde, denen man begegnen wird, die man dann nicht mehr aus dem Kopf kriegt. An denen trotz allem, das war (oder vielleicht auch nicht), das Herz hängt.
Nur sind das manchmal eben auch die Hunde, mit denen es einfach nicht gepasst hat. Bei denen man in eine Idee, ein Bild, vielleicht auch in eine charmante Beschreibung verliebt war/ist - aber nicht in das reale Wesen dahinter.
Dass ich von dieser Hündin abrate, hab ich in einem anderen Beitrag deutlich gemacht. Das haben auch andere deutlich gemacht und Risiken, Möglichkeiten etc. offen gelegt.
Aber jetzt ist es an dir, zu entscheiden, ob es für dich, deinen Mann, deinen Ersthund und vor allem für diesen einen Hund das Richtige, ob es gut ist, wenn er zu euch kommt.