Beiträge von Jonah-2

    Standardisierung - ich tue mir damit immer noch schwer, weil mir die Diskussion darum viel zu wenig konkret ist.

    Ich habe auch für eine Standardisierung gestimmt, damit meinte ich allerdings rein einen Vorkontrollestandard, also zB Fragen, die bei allen Vereinen gleich sind. Im Moment muss man sich bei jedem Verein extra bewerben. Da fände ich es schon eine hilfreiche Sache, wenn mein "Bewerbungsschreiben" die Fragen aller Vereine beantwortet, bei denen ich nach einem Hund frage.

    Gerade vorhin habe ich mal wieder so eine Bewerbung losgeschickt, denn ich suche bereits seit Mai nach einem passenden Zweithund. Mal abwarten, ob sich der Verein bei mir meldet.


    Die Zaunfrage zb ist ja ein tolles Beispiel für ein bisschen willkürliche Kriterien.

    Ja, zu willkürlichen Kriterien kann ich auch was beisteuern. Bei uns gibt es einen kleinen Katzenverein. Dort habe ich angefragt, als ich eine Katze aufnehmen wollte. Hatte in der Zeitung gelesen, dass sie voll sind und dringend nach Endplätzen Ausschau halten. Naja, ich habe keine Katze von denen bekommen, weil meine Katze Freigänger sein sollte. Fand ich unmöglich, vor allem, weil die sich gar nicht angesehen haben wie und wo ich wohne. Im Endeffekt habe ich dann meine Katze aus dem Tierheim der Nachbarstadt bekommen. Ohne Vorkontrolle, ganz unspektakulär. Aber einige Wochen später kam ein nettes Mädel zur Nachkontrolle, fand ich gut, dass die das gemacht haben. Ok, das ist jetzt 17 Jahre her und meine Katze ist schon Omimieze, also es ist keine taufrische Erfahrung.

    Scharren hält es allerdings nicht stand, die erste Naht ist nach 8 Monaten nun gerissen. Ich flicke das noch, aber irgendwann wird hier eine Kudde einziehen.

    Wenn dein Hund scharrt kann ich eine Kudde nicht empfehlen. Mein Rüde hat seine Kudde kaputt gescharrt. Jede Kralle gab einen langen Riss. Ok, kommt auch drauf an, wie stark ein Hund scharrt, aber die Kudde hat es leider bei meinem Hund nicht überlebt. Habe dann so Klebeteile gekauft, damit hat es dann noch etwas länger gehalten, aber die Klebedinger kosten auch ein Heidengeld.

    Meine Mali-Hündin wiegt 25 kg, müsste ich die in den 2. Stock tragen, käme ich an meine Grenzen. Regelmäßig und mehrmals täglich ginge das nicht.

    Ja, das sehe ich auch so. Mein letzter Rüde wog 85 kg und ich konnte ihn natürlich nicht tragen. Daher ist bei schweren Hunden Erdgeschoss wichtig. Leih dir doch mal den Rotti deines Freundes aus, lade beide zu dir ein und dann trägst du seinen Rotti hoch und auch wieder runter. Dann weißt du was damit gemeint ist.

    würde ich auch gern wissen, welchen Anteil die ordentlich gezüchteten Hunde bei den ganzen Krankheitsstatistiken ausmachen.

    Wie soll das gehen? Dazu müsste es ja dann entsprechende Erhebungen geben. Bei den Retrievern gab es eine Dissertation zum Thema Gesundheit. https://www.hund-jagd.de/gesundheit/305…heit-der-rassen

    Da steht zB:

    "Die Tierärztin vermutet, dass die Dunkelziffer für an Epilepsie erkrankte Hunde noch höher ist als bei anderen Erkrankungen. Besitzer von erkrankten Hunden hätten ihr berichtet, dass Züchter ihnen „verbaten“, darüber zu sprechen."

    Und so habe ich es auch erlebt, es ist idR von Züchterseite nicht erwünscht, dass man die Krankheit des eigenen Hundes publik macht. Ist ja auch klar warum. "Meine" Neurologin hat bei Epilepsie davon gesprochen, dass Golden zu 30 % betroffen sind. Das ist dann aber auch nur ihre Erfahrung.

    Ich kenne es nur von wenigen Rassen, dass überhaupt abgefragt wird, woran der eigene Hund verstorben ist. Was aber auch daran liegen mag, dass ich mich nur bei sehr wenigen auskenne.

    Die Berner zB haben vor einigen Jahren "tot" Meldungen verpflichtend eingeführt. Also den Zuchtwert Lebensdauer. Das kenne ich nur bei denen. Mag aber sein, dass andere Rassen auch diesen Wert erheben.

    http://www.ssv-ev.de/documents/Aktuell2_001.pdf

    Wenn es mein Ziel ist, gesunde, wesensfeste Hunde zu züchten, hält mich die Tatsache, dass Züchter Müller ein V kriegt, obwohl es eigentlich nur ein SG sein dürfte, doch nicht davon ab.

    Ja, da gebe ich dir grundsätzlich recht, es kommt aber auf die Rasse an. Je nachdem kann es dann sehr schwer werden, einfach weil der Genpool so klein ist. Mein erster Hund war ein Briard, da gibt es keine 400 Welpen pro Jahr. Unseren haben wir damals noch in Frankreich geholt, weil es kaum deutsche Züchter gab. Und in der Größenordnung, auch weniger, sieht man das auch bei anderen Rassen. Mich hat das Thema Epilepsie besonders interessiert. Da weiß man irgendwann welche Ahnen da beteiligt gewesen sein müssen. Man findet aber dann kaum einen Hund, der völlig andere Ahnen in seiner Ahnentafel hat. Bei so kleinen Rassen tauchen immer wieder die gleichen Ahnen auf. Das war ja auch bei den Bernern das Problem, ein hochdekorierter kranker Rüde, der in jungen Jahren zig Welpen gezeugt hat und erst im Alter hat man das Problem bei ihm erkannt. Da hatten aber seine Welpen bereits wieder neue Welpen gezeugt. Da trifft das Sprichwort: Ein faules Ei verdirbt den ganzen Kuchen.

    Und ein kleiner Züchter einer so kleinen Rasse steht da schnell auf verlorenem Posten, wenn andere nicht mitziehen und bestimmte Verpaarungen ebenfalls ausschließen. Man ist da auf andere angewiesen, was bei einem Züchter, der aus einem größeren Pool schöpfen kann, nicht so schnell der Fall ist.

    Und da verstehe ich schon die Rasseliebhaber, die ihrer geliebten Rasse irgendwann den Rücken zudrehen und sich einer anderen Rasse, einem Mischling, oder dem Tierschutz zuwenden.

    Zitat

    Bei manchen ist man mit 70 Welpen im Jahr sicher der dicke Fisch. Bei anderen wird es komplett irrelevant sein, ob ich 7 oder 70 habe, da ist man trotzdem nur einer von vielen...


    Das stimmt. Die von mir genannten 70 Welpen machen 1/5 der Welpen eines Jahres aus. Wobei ich mir bei 7 Welpen eher vorstellen kann, dass sich ein Züchter um die intensiver kümmert, als wenn er jeden Monat einen neuen Wurf hat und gleichzeitig abgabebereite Welpen, wo die Interessenten bereits jedes Wochenende auf der Matte stehen. Und man darf ja auch nicht vergessen, dass diese großen Züchter oft noch eine 2. Rasse züchten. Die haben dann nicht "nur" 70 Welpen dieser einen Rasse.

    Aber daraus zu konstruieren, dass Zucht generell Tierschutz entgegensteht, oder dass es zwei Lager gibt, das finde ich schon arg verallgemeinernd.

    Das habe ich auch nicht gesagt. Nur wurde ja vorher von einigen erklärt, dass die Welpen, die ein Züchter produziert Tierelend vermeiden hilft, ein Züchter damit also auch Tierschutz betreibt. Und ich kenne halt keinen Züchter, der Welpen produziert, weil er das als Tierschutz ansieht.

    "Meine" Züchter waren/sind alles kleine Züchter, die sich irgendwann in die Rasse verliebt haben und sehr um deren Gesundheit bemüht sind. Die ein Interesse an der Rasse haben, am Erhalt des Standards. Die haben idR einen Wurf, um selber eine Hündin zu behalten, fahren nicht zum int. Champion um die Ecke, sondern suchen den Rüden sorgfältig aus, nehmen dafür viel auf sich. Und denen zuliebe bin ich gerne auf Ausstellungen gefahren, um deren Nachzucht zu präsentieren. Und da sieht man halt ja nun mal immer die gleichen Leute, immer die gleichen großen Züchter, die das Sagen im Verband haben, man erlebt wie Vorschläge auf Vereinsversammlungen in Richtung Gesundheitsverbesserung abgeschmettert werden, denn die großen Züchter sind halt nun mal oft auch im Vorstand, haben auf Grund ihrer zig Welpen auch zig Champions produziert und beherrschen die Szene.

    Nicht umsonst schmeißen kleine Züchter das Handtuch, geben resigniert und desillusioniert auf, weil ihr Wort im Verband nicht zählt, sie mit ihren Vorstellungen von der Verbesserung zur Gesundheit nicht Gehör finden.

    Meine ersten Erfahrungen mit dem ganzen Vereinsklüngel habe ich mit meinem Hovawart gemacht. Der erste Vorsitzende von unserem Verein war auch Züchter, auch Prüfer, klar und man brauchte sich nicht wundern, dass die Hunde aus seiner Nachzucht bei keiner IPO unter 96 vom Platz gingen.

    Und da es hier um Zucht versus Tierschutz geht, der Züchter möchte vorrangig Geld verdienen, mag sein, dass ein neuer Züchter da noch Ideale hochhält, auch gibt es da sicher die rühmlichen Ausnahmen, aber was ich da zum Thema Gesundheit für Grabenkämpfe erlebt habe, das kann einem die eigene gewählte Rasse schon madig machen.

    Und natürlich gibt es die Unermüdlichen, da denke ich an meine Freundin mit ihrem 5. Berner. Der letzte hat als erster ihrer Berner eine zweistellige Jahreszahl erreicht und gerade dort in der Bernerszene erlebe ich viele engagierte Züchter. Aber es dauert halt, bis eine ehemals kranke Rasse, sich Richtung gesund bewegt. Und zu den Zeiten, wo die Berner einen Durchschnitt von 5, irgendwas erreicht haben, da kann mir keiner erzählen, dass die Welpen produziert haben, weil sie Tierschutz betreiben wollten. Für mich sind Zucht und Tierschutz 2 völlig verschiedene Ansätze zum Thema Hundehaltung.

    Unter seriösen, im Verband organisierten Züchtern wirst du sowas selten finden

    Also die drei Großzüchter der drei Rassen, die ich kennengelernt habe, waren VDH Züchter, sonst hätte ich das nicht geschrieben. Und auf den Ausstellungen sehe ich ja die vielen Hunde, die von dort kommen. Das ist doch sicher bei allen Rassen ähnlich, dass bestimmte Züchternamen dominieren. Also wird deren Angebot auch nachgefragt.

    Habe eben mal in die VDH-Wurfstatistik reingesehen, da ist einer dieser Züchter mit 11 Würfen dieses Jahr aufgeführt. Und da tue ich mich schon sehr schwer diese 70 Welpen mit irgendeiner Form von Tierschutz in Einklang zu bringen. Und diese Züchter geben im Verband auch oft den Ton an, das darf man ja auch nicht vergessen. Da kämpfen die kleinen Züchter, die noch um die Gesundheit der Rasse bemüht sind, doch gegen Windmühlen an.

    Und je besser er diese Menschenwünsche durch Genetik, Aufzucht und Training erfüllen kann, desto besser, also desto reibungsloser, zufriedener und glücklicher wird er mit seinen Menschen leben.

    Ja, könnte man denken. Zum Glück gibt es ja einzelne idealistische Hobbyzüchter denen das Wohl ihrer Hunde sehr am Herzen liegt.

    Kein Thema, es gibt Tierarten bei denen ist es schwieriger, sie artgerecht zu halten (bei manchen Heimtieren, würde ich persönlich sogar sagen, unmöglich). Aber bei einem Tier wie dem Hund, der wie kein anderes auf das Zusammenleben mit dem Menschen selektiert wurde, sehe ich die Problematik nicht wirklich.

    Das sehe ich auch so. Aber wie siehts denn da draußen aus? Da sehe ich die Zwingeranlagen der großen Züchter vor mir, wo es einzig um den Gewinn geht. Zusammenleben mit dem Menschen ist da nicht existent. Die Hunde leben ausschließlich im Zwinger, Spaziergänge gibt es nicht. Da kannst du fast jeden Tag im Jahr einen Welpen bekommen.

    Und die Nachfrage ist da, diese Züchter gibt es schon viele Jahre und sie leben gut davon. Davon, dass es zu viele Hundehalter gibt, die keine Lust haben auf einer Warteliste eines Hobbyzüchters zu stehen, der max. einmal pro Jahr Welpen hat. Leute die gar keine Lust haben, dass ihnen jemand sagt, dass ein 50 kg Hund im 3. Stock auch mal alt wird und dort nicht hingegeben wird. Sie wollen jetzt einen Hund, sie wollen diesen Hund, ohne Fragen. Da ist der Hund auf beiden Seiten eine Ware.

    Und diese Züchter mit den vielen Würfen pro Jahr schaffen die Welpen ran, die wir Hundehalter haben wollen. Es ist ein Markt wie jeder andere, er wird bestimmt von Angebot und Nachfrage.

    Genau wie du jetzt wieder mal beleidigend wirst von wegen Textverständnis.

    Ja, das habe ich eben auch gedacht, als ich den Post von Helfstyna mit dieser unsachlichen Unterstellung gelesen habe.

    Ich bin da Terrys Ansicht, dass es bei den Vorkontrollen um das Wohl der Hunde geht und würde es begrüßen, wenn das standardisiert werden würde.