Beiträge von Javik

    Ich habe da jetzt nur mal kurz quer gelesen und ich hätte zB da wieder ein Problem mit dem Thema Daten.

    Es wird nie definiert was man als purebred ansieht, aber da die eine Studie sagt, dass geschätzte 75% der Hunde im UK reinrassig sind, nehme ich mal stark an, dass damit auch die Vermehrerhunde zählt. Außer dort läuft alles anders als hier. Es wäre halt schon wichtig zu definieren wo diese Hunde eingerechnet werden, wenn wir über Verbandszucht reden.

    Gerade sowas wie Retro-Möpse und Blue Brindle Frenchies. Die sind extrem krank und es gibt davon momentan aufgrund der hohen Beliebtheit sehr viele Individuen. Heißt, dass die das Potential haben die Wage in die ein oder andere Richtung zu kippen, je nachdem wo man sie einrechnet. Da aber, wie gesagt, von 75% reinrassigen Hunden geredet wird, fürchte ich, dass es da auch so lief, dass alles reinrassig ist, was nicht eindeutig für den Laien als Mischling zu erkennen ist (bzw. was nicht in den TA-Datenbanken als solche angegeben sind). Und das ließe dann vermuten, dass man für die Verbandszucht eigentlich genau das gegenteilige Urteil erwarten dürfte.

    Dann sind alle keine Studien die wirklich versuchen einen echten Querschnitt der Hundepopulation zu erfassen, sondern die Daten irgendwo abgreifen. Heißt, da spielen noch andere Faktoren mit rein. Die erste Studie hat zB auf Tierarztdaten zurückgegriffen. Das ist schonmal recht gut, aber in Anbetracht ,dass es ja eine Studie gibt, die besagt, dass Rassehunde öfter zum TA gebracht werden als Mischlinge, sind diese Daten und deren Aussagekraft, dann eben eingeschränkt.


    Außerdem kommen viele der Studien aus dem UK. Korrigiert mich wenn ich falsch liege, bin gerade zu faul zu recherchieren, aber ich habe den UKC in meinem Kopf als minderseriösen Verband abgespeichert. Ich weiß aber nicht mehr warum, also kann auch anders sein. Kann es sein, dass die auch alles als reinrassig anerkannt haben was nicht bei drei auf den Bäumen ist?


    Ich persönlich tue mich auch sehr, sehr schwer mit "die" Verbandszucht. Es gibt gute RZV und es gibt Schlechte. Die Mitteln sich gegenseitig.

    Rein logisch würde ich mal tippen, dass die Hunde aus guter Verbandszucht die Gesündesten sind, die Mischlinge breit gestreut in der Mitte liegen und die schlechte Verbandszucht dann die krankesten Hunde hervorbringt. In dem Fall zu sagen, dass Mischlinge und reinrassige Hunde gleichauf sind finde ich extrem schwer. Rechnerisch richtig, aber... ja....

    Und das haben zb für mich Labradoodles und so ein Mix wäre auch meine Wahl, wenn ich mir einen Welpen kaufen würde, weil ich persönlich Labradoodles genau als diese Begleithunde erlebt habe. Für alles zu haben und trotzdem "nur" Durchschnitt.

    Und wo ist da der Vorteil ggü nem Standardlabbi oder Pudel?

    Ist das nicht etwas einfach gedacht?

    Ich meine, die Züchter sind doch die Experten. Wie betriebsblind kann man sein, um nicht zu erkennen, welche Probleme die Rassezucht mit sich bringen kann?

    Der Zuchtexperte züchtet Problemfälle und der Kunde soll so informiert sein, dass er diese Problemfälle als solche erkennt und nicht mehr nachfragt?

    Die meisten Züchter sind sehr weit von Experte entfernt. Oft kann man schon froh sein, wenn sie die Genetik zumindest bis Mendel verstehen.

    Davon abgesehen, mal ganz allgemein: Ein Experte zu sein ist kein Garant dafür immer richtig zu liegen und jeder "Experte" der behauptet keine Fehler zu machen hat entweder ein erhebliches Problem mit der Selbstreflektion, lügt oder ist sehr weit von dem Wissensstand eines Experten entfernt.

    Die kaputten Rassen sind, bezogen auf die Rassen, Einzelfälle :ka:

    Du zählst zB 13 Rassen auf. Das sind aber mit Nichten die die komplett kaputt sind, sondern da sind durchaus welche dabei die nur vereinzelt Probleme haben

    https://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.p…odul=3&ID=21557

    Ich verlinke noch mal den Rückert-Artikel.

    Meiner Ansicht nach haben alle Rassen, deren genetischer Inzuchtkoeffizient die rote Linie erreicht oder überschreitet, ein erhebliches Gesundheitsproblem. Das sind nicht nur viele, sondern leider auch viele als Begleithund geeignete und beliebte Rassen. Es handelt sich bei diesen Rassen immer um Geschwisterverpaarung oder Inzestzucht. Die Daten sind, soweit ich weiß, aus England, aber bevor ich eine solche Rasse durch Welpenkauf unterstützen würde, möchte ich durch Tests nachgewiesen haben, dass das Inzuchtniveau in der Zucht weniger hoch ist.

    Ja, das Bild ist halt so winzig, dass man darauf bestenfalls ein lustiges Rasseraten machen kann...

    Davon abgesehen wäre es interessant wo er diese Grafik her hat, in dem Artikel den er als Quellenangabe (sowohl im Text, wie auch auf dem Bild) angibt ist die nämlich nicht drin. Und damit ist sie einfach wertlos, da man keine Aussage darüber treffen kann was die Datengrundlage dafür war.

    Dazu passen auch die Aussagen des Artikels nur rudimentär zu seinen Aussagen.

    Sowas ist wissenschaftlich gesehen, im positivsten Fall, wenn er aus Versehen (zweimal!) den falschen Artikel zitiert, als schlampig zu bezeichnen, man könnte aber auch deutlich harschere Worte dafür finden. Meine Meinung von Rückert und seinen Aussagen hat jetzt gerade jedenfalls einen ordentlichen Dämpfer erhalten.

    Dazu kommt, dass ein erhebliches gesundheitliches Problem, anhand des gesundheitlichen Zustandes einer Population beurteilt wird, nicht an dem gentischen Zustand. Das eine hängt zwar unter anderem auch mit dem anderen zusammen, ist aber bei Weitem nicht das Gleiche. Mehr kann man beim besten Willen nicht sagen ohne sich die Rassen anzusehen und die eben mit dem gesundheitlichen Zustand der Population abzugleichen. Und natürlich ohne zu wissen wo diese Grafik überhaupt her ist.

    Aber auch so würde das meinen Punkt untermauern, es sind weniger Rassen die die rote Linie überschreiten als die die es nicht tun. Also auch hier, nicht der Großteil, nicht (fast) alle.

    Davon abgesehen, du hast meine Beitrag aber schon bis zum Ende gelesen oder? Letzter Satz...

    „Schwarze Schafe“ klingt so niedlich nach Einzelfällen.

    Die kaputten Rassen sind, bezogen auf die Rassen, Einzelfälle :ka:

    Du zählst zB 13 Rassen auf. Das sind aber mit Nichten die die komplett kaputt sind, sondern da sind durchaus welche dabei die nur vereinzelt Probleme haben (mal wieder ganz klassisch der DSH, in der LZ was läuft denn da falsch? Und auch in der Hochzucht, sind es ja bei Weitem nicht alle Züchter, also wirklich bei Weitem nicht). Trotzdem eben nur 13 Rassen, das sind 3,7% aller Rassen.

    Mir ist klar, dass du mehr aufzählen kannst, wenn du alle Rassen nimmst bei denen irgendwas falsch läuft bzw. in der Vergangenheit falsch lief (wobei letztere mMn eher ein positives Beispiel sind), aber mein Punkt ist, selbst wenn du die Anzahl verdreifacht bist du bei läppischen 10%. Sehr weit weg von einer Mehrheit oder gar einem "(fast) alle".

    Mir ging es eben einfach nur darum, dass manche in der Diskussion es so hingestellt haben, als wären (fast) alle Rassen belastet und das ist schlicht und ergreifend falsch.


    In diesem System ist doch keine noch gesunde Rasse durch die Regeln vor dem Niedergang geschützt.

    Dieses System soll Mindestanforderungen sicherstellen. Für den Rest sind die einzelnen RZV zuständig.

    Und bei den verschiedenen RZV gibt es durchaus einige mit Anforderungen die den "Niedergang" der Rassen verhindern. Ich möchte zB sehen wie sämtliche dem JGHV angeschlossenen Rassen (und das sind einige) untergehen können. Und ich erweiterte das Niedergehen sogar auf die Funktionalität, also nicht nur dass die Rassen so nicht wirklich kaputt gehen können, sondern sogar noch uneingeschränkt arbeitsfähig bleiben. Die magische Komponente lautet Arbeitsprüfung.

    Heißt nicht, dass da alles perfekt ist. Ich moniere hier ja zB immer wieder, die farbliche Trennung meiner Rassen als unnötig. Aber gesund und leistungsfähig sind die Hunde trotzdem durch die Bank.

    Nochmal ganz deutlich: Ich habe nur kritisiert, dass es hier bei manchen so klang als wäre ein Großteil oder gar (fast) alle Rassen kaputt oder zumindest belastet. Das ist schlicht und ergreifend falsch. Es gibt schlechte RZV und richtige Katastrophen, aber eben auch viele Gute. Gegen den Rest habe ich gar nichts gesagt. Ich bin ja auch für modernere Standards, offene Zuchtbücher und v.a. die Abschaffung der reinen Showzucht.

    Dan verlege ich auch mal meine Antworten hierher.

    @Cindychill Ich gebe dir beim Thema Showzucht, zumindest inhaltlich, vollkommen Recht. Braucht niemand und würden diese Wettbewerbe abgeschafft würde mMn nur gewonnen und nichts verloren.

    Dass die Farbe eines guten Hundes früher aber egal war, stimmt so nicht ganz. Zum einen gab es immer schon Liebhaber gewisser Farben (Weimaraner) und zum anderen ist beim Thema Jagd zB die Farbe (angeblich) nicht ganz irrelevant. Meist möchte man deswegen gedeckte Brauntöne in verschiedenen Varianten, je nach Einsatzgebiet. Ich werde zB genau deswegen weiterhin Hunde mit einem hohen Weißanteil bevorzugen, bessere Sichtbarkeit. Und dann war da noch das Thema Aberglaube. Warum gibts beim Harzer Fuchs nur Füchse? Weil die Kühe dort in der Region braun waren und wenn da ein andersfarbiger Hund rumlief, lief man gefahr, dass die Mutterkuh andersfarbige Kälber zur Welt bringt (so oder so ähnlich ging der Aberglaube).

    Ich bin auch kein großer Fan vom VDH (ich habe auch kein Problem mit guter Diss), eben weil bei den Begleithunden usw. viel falsch läuft und man das deckt. Aber das betrifft eben nicht jeden Rassezuchtverband. Mich nervt es einfach nur, dass ein paar Rassen die einfach sehr präsent sind als Aushängeschild für alle Hunde genommen werden. Zieht über die Mops und Co Züchter und Vereine her wie ihr wollt, da mache ich sogar noch mit. Aber das sind nicht alle, und es sind noch nicht einmal ein großer prozentualer Anteil. Es sind nur eben sehr präsente Rassen.

    Aber für einen Ersthalter werde ich immer den VDH empfehlen. Einfach, weil man da schon froh sein kann, wenn sie sich überhaupt kundig machen. Da kann man beim besten willen nicht erwarten, dass die in die Tiefen der Rassehundezucht einsteigen und das alles auch noch verstehen, wenn sie eine einzelne Rassebeschreibung schon kaum richtig verstehen können (mangels praktischer Erfahrung).


    „Ein Haufen“ ist ja keine prozentuale Angabe, und wir haben offenbar ein sehr, sehr unterschiedliches Verständnis von „einzelnen schwarzen Schafen“. Vor allem wenn sich die Schafe in der Sonne der Verbandsseriosität aalen - und gar nicht als schwarze Schafe klassifiziert werden. Im Gegenteil, der gesunde Mops kommt aus dem VDH, oder wie war das?

    Nein, aber ein Haufen sind viele und es sind einfach nicht viele Rassen die komplett kaputt sind, 2-3 % vielleicht. Wenn man alle Rassen bei denen man ernsthaft etwas bemängeln kann nimmt, bewegen wir uns vielleicht bei 10 %, garantiert nicht über 20 %. Selbstverständlich ist jeder einzelne QZ-Hund der leiden muss zu viel und da es meist beliebte Rassen trifft ist die Anzahl der betroffenen Hunde auch relativ hoch, aber eben nicht die Anzahl der betroffenen Rassen.

    Und da ist es einfach unfair dem Großteil der Rassen gegenüber, wenn sie an diesen einzelnen Negativbeispielen gemessen werden. Und jegliche Behauptungen, dass ein Großteil der Rassen betroffen ist, ist schlicht falsch.

    Ich bin, wie oben gesagt, auch kein großer Fan des VDH, aber irgendwo muss man auch mal die Kirche im Dorf lassen.

    Das ist ja alles ganz toll, aber es hat nicht verhindert, dass ein Haufen Rassen mit diesen Regeln total runtergewirtschaftet wurden. Diese Rassezucht mit Fokus auf optische Merkmale und „nur die Besten in Zucht!“ hat einen enormen Schaden angerichtet. Da scheint auch kein Röntgen zu helfen, und mit dem Wissen um Genetik und Gesundheit kann es bei den Züchtern und Verbandsleuten einschlägiger Rassen ja nicht so weit her sein.

    Was genau sollen deine Fragen also nun weiterhelfen, das ist mir nicht ganz klar?

    Kommt natürlich etwas drauf an was man als "runterwirtschaften" betrachtet, aber ich komme nicht auf einen Haufen Rassen. Ich komme, wenn ich die wirklich heruntergewirtschafteten nehme, auf eine gute Handvoll von den ca. 350 im FCI. Selbst wenn man es etwas weiter fasst, komme ich vielleicht auf ein oder zwei Dutzend, aber immer noch ein eher kleiner Anteil der Rassen.

    Es sind doch eigentlich nur die FCI Gruppen 2, 4 und v.a. natürlich 9 die wirklich stark belastet sind und es sehenden Auge noch abwärts geht, und auch da nicht alle Rassen.

    Wegen einzelnen schwarzen Schafen verdammt man nicht die gesamte Gruppe.

    Also ich hab hier noch nie nachgefragt und auch nicht vermehrt gelesen, dass meistens die "Vermehrer"-Welpen Probleme machen und Welpen aus seriöser Zucht keine Probleme bereiten.

    Dann achte mal drauf. Und nicht was die Leute sagen, wo sie ihn her haben, sondern wo sie ihn wirklich her haben. (Das Wort Züchter wird ja gerne für jeden Welpenproduzenten verwendet.)

    Was mir auffällt ist, dass es immer sehr ähnliche Probleme sind. Hilfe, der Welpe will ständig Kontakt zu mir. Hilfe, der kann noch gar nicht alleine bleiben. Hilfe, der schläft gar nicht 23,5 Stunden am Tag. Hilfe, ich hab mir einen HSH-/Hüte- / anderen Gebrauchshundwelpen geholt und jetzt ist das tatsächlich ein HSH-/Gebrauchshund :face_screaming_in_fear:

    Ich sehe ganz generell weniger das Problem in verbandsloser Züchter vs. Verband und mehr so das Problem in grenzenloser uninformierter Selbstüberschätzung, wo "sieht niedlich/krass aus" schwerer wog als "kann ich das und will ich das leisten und was kommt da überhaupt auf mich zu"

    Joa, und wie viele seriöse Züchter von Arbeitshunden geben ihren Hund an Leute die weder wissen was sie sich holen, noch diese Eigenschaften bedienen können und wollen?

    Genau, so um die Null.

    q.e.d.

    Davon abgesehen sagte ich seriöse Zucht, nicht Verbandszucht. Ich habe schon ordentlich Bauschmerzen auch sehr bemühte Showzüchter bei Arbeitsrassen als seriös einzustufen, ich habe aber kein Problem damit zB einen guten Züchter im AAH (Altdeutsche Hütehunde, die ja nicht einmal als Rasse anerkannt sind) als seriös zu bezeichnen.