Ruby ist so ein Typ. Mega selbstbewusst, mega eigenständig, die würde am Liebsten ohne mich Gassi gehen. Also arbeite ich mit viel Bedürfnisbefriedigung und werde mit Kooperation belohnt wenns drauf ankommt.
Es gibt mehr Belohnungen als Spieli und Leckerli :) für Ruby zb sind das Umweltbelohnungen (schnüffeln, glotzen,...)
Das ist so ein Ding mit dem ich täglich konfrontiert werde, weil halt pos Training ständig immer nur mit "wir werfen fröhlich Kekse" gleichgesetzt wird. Aber es ist in meinen Augen vieeel komplexer (und ich hätte diese Art des Trainings nie kennengelernt wenn Strafe bei meinem Hund je zu irgendwas geführt hätte...)
Man kann einem Hund übrigens auch beibringen/drauf konditionierem draußen Kekse toll zu finden, gibt ja auch Hunde die haben zu Beginn kein Bock auf UO oder oder, da arbeitet man dann zuerst mal an der Motivation.
Damit arbeiten wir hier ja schon auch, nur eben nicht ausschließlich.
Ich meine, ich habe da was was ich dem Hund bieten kann was ihm über absolut alles geht. Und du kannst Gift drauf nehmen, dass ich das auch einsetze. Aber es gibt einfach Dinge bei denen diese Methode nicht funktioniert.
Und glaub mir, bei dem Typ Hund von dem wir hier reden kann/muss man an einiges machen, aber definitiv nicht die Motivation für ihren Job wecken. Da kotze ich heute noch über die MT-Gruppe die Argos nach ihrem unsicherer-TS-Hund-Schema-F gearbeitet hat und trotz meines Widerspruchs darauf bestanden hat mit dem Hund erstmal nur Motivation zu üben.... Joa....
Vielleicht hilft ein Beispiel das Problem zu erkennen, wenn man es nicht erlebt hat:
Ich habe hier, vor etwa einem Jahr im Freilauf-Thread ein Video gepostet von Argos direkt nach sehr, sehr naher Rehsichtung. Das Video beginnt mit einem liegenden Hund (weil Platz und liegen bleiben trotz mehrere Rehe, wenige Meter vor uns funktioniert hat), geht weiter mit einem Hund der der warmen Rehfährte hinterher will (aber sich rein verbal davon abhalten lässt) und läuft dann noch eine Weile mit einem Hund bei dem der Jagd-Modus eindeutig an ist, der aber weiterhin kontrollierbar bleibt... und daher auch weiterhin frei laufen darf. Er war damals so 1-1,5 Jahre alt, absolut hochpubertär und er lief wie immer frei. Warum lief er frei? Weil es ging. (So zum Thema nach langem Training konnten wir endlich... ne, nichts langes Training, ging super einfach, quasi ein Selbstläufer.)
Die Kommandos wie man sie bis zu diesem Zeitpunkt sieht sind rein positiv aufgebaut, ich fange da gerade erst an die auch negativ abzusichern, war da aber definitiv noch nicht weit. Nicht weil es nach damaligem Stand nötig war, sondern, weil mir schon klar war, dass das nicht so bleibt.
So, ich habe also das "Halt" also positiv aufgebaut, sehr konsequent auf die Einhaltung geachtet, aber mehr auch nicht, es hat wunderbar in dem was im privaten Bereich so als "Königsdisziplinen" (Wild, andere Hunde) funktioniert.
Perfekt oder? Positive Erziehung funktioniert auch bei Jagdgebrauchshunden ganz wunderbar! Jeder der was anderes sagt kennt sich nicht aus und es ist sogar noch einfacher als bei den gängigen Begleithunden wenn ich mir da die so anschaue was manche an Training usw. investieren müssen! Ja... ne...
Dann habe ich angefangen das sehr aversiv abzusichern. (Man könnte es grundlos nennen zu dem Zeitpunkt, man könnte es aber auch weitsichtig nennen.)
Tja, und jetzt durfte das kleine Riesenbaby seine erste Drückjagdsaison mitlaufen. Sprich er durfte jagen gehen. Stundenlang. Er sollte sogar, wurde aufgefordert. Nochmal und nachmal. Über Wochen hinweg. Hat dabei aber nie ein "Halt" bekommen müssen, also es ist nicht irgendwie ausgeleiert oder so.
Und... jaaa.... sagen wir so... ich kann ihn immernoch weitgehend frei laufen lassen. Wenn ich meine Standards an mich selbst auf ein eher normales Niveau runterschraube und riskiere, dass er eventuell mal kurz anhetzt. Und wenn ich bereit bin, beim Gassi nur auf den Hund zu schauen.
Was ich mit dem Beispiel sagen will: Unterschätz es nicht was für einen unglaublich riesigen Unterschied es macht, wenn ein Arbeitshund in seinem Job angefixt wird. Ich bewege mich schon länger in dem Bereich, ich dachte ich wüsste was auf mich zu kommt. Ne! Ich habe es immernoch unterschätzt.....
Mein Hund hat sich in wenigen Monaten massiv verändert seit er das erste Mal richtig ans Wild durfte. Also wirklich holy shit!!!
Das kann man einfach nicht mit einem Begleithund, auch wenn der bisschen stur ist oder durchaus auch mal Lust hätte irgendwo hinterher zu gehen. Da ist ein ganz anderer Wumms, eine ganz andere Intensität dahinter. Mein Hund will nicht mehr nur jagen gehen, er ist der Jäger, mit jeder einzelnen Zelle seines Körpers. Das ist es was er die letzten Monate gelernt hat. Das ist es, was er jetzt in jagdlichen Situationen ausstrahlt.
Da kommst du nicht mehr durch mit "Aber hey, das findest du doch auch toll". Ne, es existiert nichts anderes mehr. Klar, wenn wir nur privat Gassi gehen, oder daheim sind, findet er das auch wieder toll. Aber in der Situation, gibt es exakt eine einzige Sache auf dieser Welt die ihn interessiert. Beute machen. Der ist nicht im Tunnel, der wird weder doof, noch ist er nicht ansprechbar. Aber es gibt nur ein Ziel. Alles was ihn näher an das Ziel bringt ist super, aber nichts hält ihn davon ab. (Außer eben der Tatsache, dass er relativ gut verinnerlicht hat, dass ihm bei manchen Kommandos der Himmel auf den Kopf fällt, wenn er sie nicht befolgt.)
Da würde ICH persönlich Management nutzen. Leine dran usw. Situationen die noch zu schwer sind möglichst meiden (dass das nicht immer geht im richtigen Leben ist mir klar).
Jo, und wenn das keine Alternative ist, weil der Hund an der Leine seinen Job nicht machen kann?
Egal ob Sport oder Arbeit, wir reden hier ja davon, dass der Hund gerade eine Aufgabe hat und dabei kontrolliert werden muss. Ja, in manchen Situationen geht das über Leine... in anderen aber nicht. Dass Situation meiden keine Option ist, muss ich ja wohl nicht erwähnen.