Für jeden Hund muss ich haften, aber für's Kind nicht, fühlt sich für mich falsch an.
Kann ich verstehen, zumal ja sicher der ein oder andere schon die Erfahrung machen durfte, dass manche Eltern da äußerst schmerzfrei sind in der "Entfaltung" die sie ihren Kindern "erlauben".
Trotzdem ist es nicht falsch, unter folgendem Aspekt betrachtet:
Hunde sind ein privates Hobby, welches ein zusätzliches Gefahrenpotential für die Gesellschaft beinhaltet. Nur weil Hunde gesamtgesellschaftlich als der Gesellschaft zuträglich (nützlich, gewinnbringend nicht nur im monetären Sinne, z. B. Blindenhunde, Assistenzhunde, Gesellschaft für einsame Menschen oder auch einfach nur "Freudebringer") gelten, wird dieses abstrakte* Gefahrenpotential als hinnehmbar angesehen.
Kinder sind dagegen nicht nur ein natürlicher Bestandteil der menschlichen Gesellschaft, sie sind ein notwendiger Bestandteil (ohne Kinder würde die Menschheit aussterben), und ihnen wurde im Laufe der Jahrtausende ein besonderer Schutzstatus zugesprochen, eben gerade in Ländern mit einem hohen Anspruch an sozialdemokratische Grundlagen.
Dabei werden wissenschaftliche Erkenntnisse über den jeweiligen Entwicklungsstand berücksichtigt, und die damit verbundenen Fähigkeiten. Dass man hier die Last der Verantwortung nicht alleine den Eltern überlässt, sondern eine gesamtgesellschaftliche Rücksicht einfordert, ist tatsächlich ein Kennzeichen unserer Gesellschaft.
Aber: Eben damit das nicht ausufert, und den Weg freimacht für jegliche Rücksichtslosigkeit gegenüber Unbeteiligten, gibt es den Faktor "Aufsichtspflicht" bei Eltern. Inwieweit diese Pflicht verletzt wurde, ist dabei immer eine Einzelfallentscheidung.
Dass Eltern sich aber nicht mehr verantwortlich fühlen für Schäden, die ihr Kind verursacht hat, und dies abgetan wird mit diesem pauschalen Totschlagargument: "Das sind halt Kinder, die bauen nun mal Blödsinn!" ist ärgerlich, weil hier die Einsicht fehlt durch erzieherisches Einwirken auf Kinder eben genau diese Schäden zu vermeiden.
Fazit: Grundsätzlich ist es also richtig, wenn Kindern ein höherer Schutz vor Konsequenzen für Fehler zugesprochen wird, während Hundehalter grundsätzlich für jeden Fehler verantwortlich gemacht werden können.
Dass sich das nicht immer richtig anfühlt, kann ich aber verstehen.
*abstrakt - vergessen zu erklären, deshalb im Edit: Die rechtliche Grundlage, mit der Hundehaltung erlaubt wird, beinhaltet den Fakt dass es durchaus möglich ist, Hunde so halten zu können dass sich diese abstrakte Gefahr eben nicht realisiert. Das sieht in der Realität bei dem ein oder anderen Hundehalter sicher anders aus ...
, worüber nicht nur im Hundehalter-Nerv-Thread berichtet wird.
Ändert aber nichts an dem Grundsatz der Möglichkeit einer Hundehaltung ohne Gefahr für die Umwelt.
Erst wenn sich eine Gefahr durch die Hundehaltung verwirklicht hat, wird im Einzelfall entschieden, inwieweit die Geschädigten MIT an der Verursachung des Schadens beteiligt waren, und ob der Hundehalter zumindest teilweise von seiner Haftungspflicht befreit werden kann.