Wenn man jetzt klassisch davon ausgeht, das der Marker eher etwas positives markiert und eine hochwertige Belohnung ankündigt, wäre die Angst da, das das Signal einem sekundären Verstärker gleichkommt.
Das verstehe ich jetzt nicht - welches Signal wird zum sekundären Verstärker? Der Marker oder mein Signal für den positiven Abbruch?
So wie du es beschreibst, wird hier der Marker zum sekundären Verstärker, weil er die Funktion hat die hochwertige Belohnung anzukündigen.
Ein Marker ist kein sekundärer Verstärker (auch wenn er beim klassischen Clickertraining zunächst erst mal mit der Kombination "Click = es gibt Leckerchen" konditioniert wird, um überhaupt eine Konditionierung auf diesen Reiz zu erzeugen, wird er bei richtiger Anwendung zu der Mitteilung für den Hund: "Das was du da machst ist gut". Im weiteren Verlauf kann dann daraus ein: "Das ist gut, mach so weiter" daraus entwickelt werden.)
Der Clicker (Marker) ist ein Kommunikationsmittel mit dem Hund, welches zur Formung von Verhalten genutzt wird.
Hund trifft wieder anderen Hund > letztes Mal gab es für's Pöbeln Kekse > Hund pöbelt wieder da lohnendes Verhalten. Wenn man in ruhiges Verhalten normal reinmarkiert, die Angst das der Hund eventuell abwiegt, denn der positive Abbruch (der ein unerwünschtes Verhalten vorraussetzt) wurde deutlich wertiger belohnt.
Auch hier habe ich Verständnisprobleme: Du hast also Angst, dass du dir den normalen Marker kaputt machst, weil der Hund lernen würde: "Wenn ich das unerwünschte Verhalten zeige, bekomme ich noch bessere Belohnung - deshalb ignoriere ich den Marker und pöbel erst mal los!"?
Dann lässt du folgende Mittel bei meinem Aufbau des positiven Abbruchs außer acht:
Überraschung und starke positive Emotion, die konträr der beim Hund vorhandenen negativen Emotion wirkt.
Wie wirkt Überraschung lernpsychologisch?
Überraschendes wird schneller und tiefer im Gedächtnis verankert, als nicht-überraschende Informationen.
Diese Überraschung verknüpfe ich mit einer sehr starken positiven Emotion.
Das Sahnehäubchen auf diesem Glücksgefühl ist dann noch die Superbelohnung, die das schon vorhandene Glücksgefühl vertieft (verstärkt).
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Was ist Konditionierung?
Eine Reiz-Reiz- oder Reiz-Verhalten-Verknüpfung (Assoziation).
Dabei wird diese Verknüpfung so lange geübt, bis sie zuverlässig (=reflexartig) auftritt.
Ein Boxer lernt, Schlägen auszuweichen oder diese abzublocken.
Ein Tennisspieler lernt, nicht mehr in den Ball zu rennen, sondern die Arm- und Schlägerlänge mit einzuberechnen.
Ein Autofahrer lernt, das Auto zu fahren und gleichzeitig die Umgebung zu beachten.
Was ich nie verstehen werde: Bei Problemverhalten von Hunden scheint die Meinung vorzuherrschen, dass die Lerngesetze nur in Verbindung mit negativen Reizen gelten und wirken.
Positiv konditionierten Problemlösungen scheint man die Wirksamkeit abzusprechen.
Mit einer Konditionierung erarbeite ich mir einen Reflex auf einen Reiz. Punkt.
Beim positiven Abbruch mache ich mir dabei den Effekt der Überraschung zunutze, um eine sofortige, schnellere und tiefere Verankerung des dadurch ausgelösten Reflexes zu erreichen. Der Vorteil: Ich schaffe mir damit sofort eine positive Basis, die der Hund MIR gegenüber hat. Diese KANN ich nutzen, um daran eine Alternative zu knüpfen, die im weiteren Verlauf verhindert dass das zuvor abgebrochene, unerwünschte Verhalten wieder aufgenommen und fortgeführt wird.
Was meinst du mit dem emotionsneutralem Marker?
Die meisten Menschen transportieren mit ihrer Stimme Emotionen (barsch, freundlich, ängstlich, befehlend). Da Emotionen stark ein Handeln beeinflussen, ist das im Hundetraining oft unerwünscht.
Um dieses emotionalen Faktor auszuschalten, und damit den sachlichen Inhalt einer Information (des Signals) zu betonen, werden Medien wie Clicker oder auch die Pfeife eingesetzt.
Die zu Beginn genutzte Verknüpfung des Clicker-Signals mit der Gabe eines Leckerchens dient dazu, der INFORMATION des Click-Signals eine positiven Aspekt zu geben.
Ich kenne nicht viele die mit dem Clicker arbeiten. Dafür habe ich schon ganz oft gehört/gelesen, dass man sich über das Arbeiten mit dem Clicker von Leckerchen abhängig macht. Ja, da ist tatsächlich passiert, dass der Clicker zum sekundären Verstärker wird und nur die Belohnung (das Leckerchen) ANKÜNDIGT.
Bei einigen Videos von Montagsmodell sieht man allerdings, wie der Clicker als primärer Verstärker eingesetzt wird. Natürlich weiß auch der Terrorkrümel (Sandor), dass es im Anschluss eine Belohnung gibt. Es geht aber deutlich mehr um die Kooperation zwischen Hund und Mensch, bei der der Clicker ein ganz wichtiges Kommunikationsmittel geworden ist - dessen Einsatz sagt dem Krümel nämlich, ob er sich auf dem richtigen Weg befindet.
Eines sollte klar sein: Ein Abbruch ist ein Notfallmanagement. Aus einem Abbruch alleine lernt ein Hund nichts. Möglicherweise zieht er seine eigenen Schlüsse, wenn ein Verhalten immer und immer wieder abgebrochen wird. Vielleicht erkennt er, dass dieses Verhalten unerwünscht ist, und lässt es irgendwann dauerhaft. Vielleicht bildet er auch eine eigene Verhaltenskette, basierend auf seine eigenen Gedanken.
Wenn ich will dass ein Hund ein anderes, wünschenswerteres Verhalten zeigt, welches ich nicht mehr gezwungen bin abzubrechen - dann muss ich mir überlegen, wie ich ihm dieses Verhalten nahebringen kann.
Das hat aber dann nichts mehr mit dem Abbruch zu tun, sondern mit den Lerninhalten die ich daran anschließe.