Beiträge von Hundundmehr

    Alles schon geschrieben, mehrfach...


    Man hat den Eindruck, es wird eh nicht gelesen.

    ??????????


    Damit hast du mir, glaub ich, gerade ein bisschen die Augen geöffnet. Die Tatsache hab ich bisher unterschätzt.

    Okay, ihr habt mir einige Tipps gegeben, vielen Dank dafür!


    Ich hoffe, ich kann sie zielführend umsetzen :tropf:

    Dieses "von sich aus sich der Gefahr nähern" verwirrt mich.

    Tatsächlich sehe ich das Verhalten deines Hund jetzt nicht zwingend als Indiz dafür an, dass er den Menschen unter "Gefahr" einordnet.

    Was ich vermute: Dein Hund hat diese Situationen schon zum Teil "ritualisiert", und das bedeutet, er bellt und weicht wieder zurück und geht hin und bellt und weicht wieder zurück ... etc., einfach, weil er diese Verhaltenskette so gelernt hat.

    Um dieses Erlernte wieder zu löschen und so zu modulieren, dass es für deinen Hund besser und auch klarer ist, brauchst du für deinen Hund das, was Irish Terrier hier schrieb:

    Was Deine Hund braucht ist eine klare Linie und Berechenbarkeit Deiner Person und Deinen Handlungen. Bietest Du das nicht bist Du nicht verlässlich/ souverän und der Hund traut Deiner kompetenten Führung nicht. Ergo führt der HUnd Euch dann, auf seine Weise und das kann unschön werden.

    Klare Linie und Berechenbarkeit heißt für dich: In erster Linie darfst du, sobald dein Hund mit dabei ist, nicht ihm selber die Entscheidung überlassen, wie er mit dieser Situation (der Kontaktaufnahme von dir zu einem anderen Menschen) umgeht.

    Sobald er dabei ist, gehört IHM deine Aufmerksamkeit, eben auch in Situationen, wo es zunächst gar nicht um ihn geht.

    Die "Nummer" ist dabei die Kontaktaufnahme von dir zu einem anderen Menschen, während dein Hund einfach irgendwo rumschlenderte.

    Du weißt doch jetzt aber, dass dein Hund mit sehr großer Wahrscheinlichkeit mitgeht - eben weil er terriertypisch seinen Menschen nicht alleine lässt.

    Besser wäre gewesen, deinen Hund anzusprechen, ihn zu dir zu holen - und dann erst gemeinsam mit ihm (im leichten Bogen) näher zu diesem Menschen zu gehen.

    Damit ist dein Handeln für ihn klar.

    Das wird in den nächsten Monaten erst mal mühsam für dich sein, denn sobald dein Hund mit dabei ist, kannst du bei allem was du tust nicht nur für dich denken, sondern immer für dich UND deinen Hund. Zumal durch die bevorstehende Läufigkeit und die Pubertät noch mal die Hormone gehörig durcheinander geschüttelt werden.

    Umsicht, eine gehörige Portion Geduld, Freundlichkeit, Nachsichtigkeit ... und: Habe ich es schon erwähnt - VIIIIEEEEL Geduld sind jetzt von dir gefordert!

    Impulskontrolle und Frustationstoleranz üben wir täglich (zu viel?)

    Du hattest die Übungen dazu näher ausgeführt: Ball rollen, Leckerlie und Zergelspielzeug werfen und den Hund dann auf die Freigabe warten lassen.

    So Übungen finde ich prinzipiell gut und richtig.

    Ich persönlich "mische" hier aber auch immer mal wieder, lasse den Hund also auch einfach mal hinterherpreschen, ohne auf eine vorherige Freigabe warten zu müssen.

    Sowas macht nämlich einfach nur Spaß - und der soll ja auch nicht zu kurz kommen.

    Neben diesem Spaßfaktor nutze ich solche Übungen gerne zum "Herunterfahren", mal am Beispiel: Erst wird gezergelt dass die Fetzen fliegen - dann fahre ich runter und werfe das Teil - was dann erst nach Freigabe geholt werden darf.

    Da muss man am Anfang ein wenig "basteln", also herausfinden, was ich für den Hund jeweils als Hilfestellung brauche, damit er aufgrund des vorherigen Hochgepuscht-Seins auch tatsächlich wartet (im Zweifelsfalle eben anleinen), und nicht losrennen kann.

    Das Warten lernen verknüpfe ich gerne mit einem SINN, der für den Hund erkennbar und nachvollziehbar ist. Diese Mitteilung: "Bevor ich dich jetzt gleich losschicke, PASSIERT noch irgend etwas anderes." verschiebt die Erwartungshaltung auf die Freigabe hin zu einer Erwartungshaltung: "Was passiert jetzt erst noch?".

    die frontal auf uns zukommen (nicht vorbeilaufen, sondern dann stehen bleiben und das typische runter beugen fabrizieren, oder auch manche, mit denen ich mich dann unterhalte)

    Ganz einfach: Lass diese Menschen nicht frontal auf dich zukommen - gehe selber einen kleinen Bogen! Da reichen oft nur 20cm - eben so, dass ich beim Entgegenkommen nicht auf der gleichen "Linie" wie der andere Mensch bin. Konfrontation kommt von frontal - und wenn ich will dass mein Hund nicht in eine Konfrontation gerät, lebe ich ihm das vor.

    Zum "typischen Runterbeugen": Es gibt Hunde, die lernen sehr leicht diese eigentlich bedrohliche Geste als völlig unbedrohlich wahr zu nehmen, wenn sie von einem Menschen gemacht wird.

    Es gibt aber auch Hunde, die das zwar auch erkennen - es bleibt aber dennoch ein Leben lang für sie unangenehm. Bei solchen Hunden schütze ich sie, soweit ich das kann, vor solchen "unliebsamen Handlungen" - denn dann ist es auch für den Hund leichter, das zumindest einen Moment auszuhalten, wenn es doch mal dazu kommt.

    Dieses "ja, aber der Hund muss doch..."...nee, der Hund muss das was Dir wichtig und sinnvoll erscheint. Nicht mehr und nicht weniger.

    :bindafür::bindafür::bindafür::bindafür::bindafür:

    Auch wenn diese Einstellung manchmal echt schwierig umzusetzen ist - aufgrund der unliebsamen Kommentare "lieber" Zeitgenossen - so ist das für mich das A und O in einer Beziehung zu MEINEN Tieren. Das schließt natürlich ein, keine Zumutung für meine Umwelt zu werden - aber ob ich meinen Hund durch ein Signal "Platz!" stoppen kann, oder mit einem freudigen "Fleischwuuuuurst!!!" sicher zu mir bringe, ist doch völlig egal.

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    Last not least: Dieses leidige Thema "Hund rennt zur Türe" ... ich verstehe nie den Aufstand, der darum gemacht wird (obwohl ich durchaus Verständnis und auch Mitgefühl für die Probleme habe, die sich für Mensch und Hund daraus ergeben können).

    Der Hund WOHNT mit uns zusammen, es ist auch SEINE Wohnung, in der er mit uns als Gemeinschaft lebt - und natürlich ist er neugierig, wer da kommt!

    Wenn die Probleme schon fortgeschritten sind, vornehmlich also schon dann, wenn der Hund meint einen "Job" zu haben, und selber entscheidet, welchen Besuch er reinlassen will in die heiligen Hallen, und welchen nicht - ja DANN ist sicher ein deutlicheres Training nötig, wie das Abliegen auf einem Platz wo er den Besuch erst mal NICHT sehen kann, evtl. mit dortigem Anbinden; Oder auch die "Zwischenablagerung" in einem anderen Zimmer, mit verschlossener Türe oder auch Türgitter.

    Ist das aber noch nicht der Fall, würde ich nach einer Anbindemöglichkeit im Eingangsbereich suchen (evtl. dafür einen Haken an der Wand anbringen, mit einer entsprechenden Leine/Anbindemöglichkeit), mich beim Hund bedanken, dass er den Besuch gemeldet hat, ihn dort kurz anbinden - und mich DANN selber um denjenigen kümmern, der bis dahin vor der verschlossenen Tür warten musste.

    Dabei behandel ich JEDEN Besucher freundlich - auch wenn es der nervige Vertreter ist, dem ich in keinem Fall etwas abkaufen will und mich auch auf kein Gespräch einlassen will.

    Besucher die ich reinlasse, gebe ich dann ganz klare Anweisungen (z. B. reinkommen aber dann an der Türe warten, bis ich meinen Hund an die Leine nehme und ihn gemeinsam mit dem Besuch führe - hier kommt es immer darauf an, was der HUND braucht!) zu derem Verhalten.

    So lernt der Hund dass es die Aufgabe des Menschen ist, Besuch zu empfangen.

    Äääähm - das brauchst Du mir nicht sagen, das ist mir durchaus klar :???: :ka:

    Anscheinend nicht, denn die Aussage von dir ist: "Er wird in eine Form gepresst, in die er nicht passt."

    Das Dilemma bei diesem Hund ist doch, niemals gelernt haben zu dürfen, wo seine "Natur" (Schutz- und Wehrmotivation) angebracht ist, und wo nicht.

    Genau das KÖNNEN diese Hunde nämlich eigentlich ganz hervorragend. Zumindest die Cane Corso, die ich bisher kennen lernen durfte (wobei ich bisher nur welche im Freilauf kennen lernen konnte. Andere Cane Corso mit anderen Haltungsbedingungen kenne ich persönlich gar nicht. Wie sich ein solcher Hund aber entwickeln KANN, zeigt ja das Video. Was aber nicht nur diese Rasse betrifft.)

    Jemanden unter Druck in eine Form pressen zu wollen, in die er nicht passt, ist Gewalt

    Du beziehst dich da auf den Cane Corso im Eingangsvideo, und dazu sage ich dir nur noch diese zwei Aspekte:

    1. Diesem Hund ist schon deutlich vorher Gewalt an der Seele angetan worden - und zwar durch die Halter, die (wohl eher unwissentlich) erst diese Entwicklung des Hundes ermöglicht haben

    2. Gibt keine Genetik der Welt vor, dass jemand Alles und Jeden als vermeintliche Bedrohung erkennt und vertreibt. Das was der Cane Corso dort zeigt, hatte seinen Ursprung in einem ganz normalen Entwicklungsverhalten mit ungefähr 8 Monaten. Diese "Form" wäre im Zusammenleben mit Menschen, die wissen welchen Hund sie mit einem Cane Corso haben, erst gar nicht entstanden.

    Erkläre das mal einem Hund und hoffe auf ausreichend Kognition durch Deine Erklärung.

    Ja, das ist eine besondere Herausforderung bei Hunden.

    Ist aber sicher kein Grund, nicht dennoch nach einem Weg zu suchen, um genau das zu erreichen.

    Deshalb mache ich lieber Korrekturen, soll heißen: Ein Hund macht etwas falsch, und es gibt keine Strafe (zumindest nicht willentlich von mir), sondern ich mache das Gleiche noch mal, aber diesmal richtig. Dazu muss ich oft überlegen, welche Faktoren ich jetzt evtl. etwas ändern muss, um zu dem gewünschten Erfolg zu kommen. Etwas Kreativität ist dabei hilfreich.

    Aber zurück zum Menschen, er fühlte sich sicherlich immer noch bestraft (er wurde ja auch bestraft), egal, wie Du das auch begründest.

    Schade dass du nicht dabei warst. So musst du mir glauben: Nein, der Junge hat es WIRKLICH genau so verstanden, wie ich es auch genau so gemeint habe.

    Grundvoraussetzung war gegenseitiges Vertrauen, im Besonderen eben auch darauf, dass ich sie (die Kinder) nicht anlüge.

    EDIT: Und Nein, es war KEINE Strafe, sondern eine Hilfe zu dessen Schutz.

    Weitab die meisten möchten nur noch raus aus diesem hochnotpeinlichen Strafszenario und segnen alleine deswegen schon alles ab ...

    Das ist allerdings eine Erfahrung, die ich mit dir teile - und zwar Erwachsene betreffend.

    Kinder finde ich da wesentlich einfacher, ehrlicher, direkter.

    Nur weil ich mir nicht klar mache, dass was ich tue jemanden verletzt, ist es trotzdem die Tat eines (Gewalt-) Täters.

    Ach ja?

    Folgendes Szenario:

    Ein Paar sitzt im Außenbereich eines Lokals und wartet auf seine Bestellung.

    Plötzlich hält ein Kleinbus vor dem Lokal, und es kommt eine kleine Gruppe von Menschen mit dem Trisomie 21 Syndrom mit ein paar Begleitern in das Lokal, und setzt sich an einen Nachbartisch bei dem Paar.

    Das Paar fühlt sich dadurch gestört, verlangt den Wirt zu sprechen und erwartet, dass dieser die Gruppe entfernt.

    Der Wirt verweigert dies, das Paar fühlt sich gezwungen diese Situation entweder auszuhalten, oder aber dem Zwang (der Machtausübung) des Wirtes zu weichen und geht, ohne auf die Bestellung zu warten.

    Gemäß eurer Definition ist das, was die Gruppe oder der Wirt auf das Paar ausüben, GEWALT.

    Und wenn man sich gedanklich innerhalb der Lerntheorie bewegt (muss man ja nicht), dann ist das einzige Kriterium, dafür was Belohnung und was Strafe ist, die Wirkung auf den Empfänger.

    Bleiben wir doch mal bei den Lerntheorien, und wechseln vom Behaviorismus zum Kognitivismus - Lernen aus Einsicht.

    Dazu ein Beispiel aus meinem (früheren) Berufsleben:

    In einer meiner Tanzklassen gab es einen etwas verhaltensoriginellen Jungen (ca. 9 Jahre alt). Im Sitzkreis hat er es immer nach kurzer Zeit geschafft, für Unruhe zu sorgen.
    Die ganzen Ermahnungen, die vorprogrammiert waren, hingen mir selber nach einiger Zeit zum Halse raus.

    Dann kam mir eines Tages, nachdem er wieder mal als erheblicher Störfaktor glänzte, die Idee, ihn auf die an der Seite stehende Holzbank zu setzen.

    Er ging betreten dort hin.

    Als er da saß habe ich ihn gefragt, ob er wüsste warum ich ihn da hin setze.

    Er meinte: "Ja, als Strafe, weil ich wieder gestört habe."

    Ich habe ihm dann Folgendes erklärt - und auch genau so gemeint: "Ja, du sitzt da weil du mal wieder gestört hast. Es nervt einfach, und hält uns auf, wir verlieren dabei Zeit für die schönen Dinge, die wir eigentlich noch machen wollen.

    Mich nervt aber auch, dass ich dich dann immer ermahnen/mit dir meckern muss. Ich will das nicht, ich mag gar nicht mit dir schimpfen. Du sitzt jetzt da auf der Bank, weil du dort niemanden stören KANNST - und ich brauche nicht mehr meckern. Du sitzt also dort, weil ich dich schützen will - davor, dass du andere störst, und davor, dass ich dann mit dir meckern muss. Verstehst du das? Deshalb kommst du auch einfach wenn wir gleich mit Tanzen weiter machen, wieder zu uns und machst mit. Du musst mich nicht um Erlaubnis fragen, du bist nicht ausgeschlossen."

    Er HAT es verstanden.

    Meine Intention war wichtig - und es war wichtig, dass er diese Intention versteht.

    Spoiler anzeigen

    Erwähnenswert: 2 oder 3 Wochen später ist er VON SICH AUS nach kurzer Zeit aus dem Sitzkreis aufgestanden und zur Bank gegangen. Ich habe ihn lächelnd gefragt, was er da macht, und seine Antwort war: "Ich kann mich da besser konzentrieren, und dann störe ich auch keinen."

    Von daher spielt die Intention mit rein, aber darüber, was strafend wirkt, entscheidet am Ende immer nur der Empfänger.

    Ob etwas eine Strafe IST, oder ob es so WIRKT - das sind zwei unterschiedliche Aspekte.

    Ob etwas Gewalt IST, oder ob es so WIRKT - auch das sind zwei unterschiedliche Aspekte.

    Eine von mir durchgeführte Handlung macht mich noch lange nicht zu einem Gewalttäter, nur weil der Empfänger dies als Gewalt EMPFINDET.

    Ich wäre auch ziemlich fuchtig geworden wegen des fehlenden Maulkorbs.

    Den Aspekt: "Das Galgöchen KANN unbedarft sein" finde ich aber sehr wichtig.

    Allerdings würde ich mich auch nicht - genau wie du auch - jetzt auf den Aspekt "Glück" verlassen; Dazu hast du schon viel zu viel Arbeit in das Galgöchen reingesteckt, um dir das mit "Pech" wieder kaputt zu machen.

    Auch der Aspekt "Galgöchen WOLLTE mit" zeigt ja, welche enorme Entwicklung er gemacht hat.

    Vielleicht lässt sich das ja in den Alltag ein wenig mit einbauen - aber wie, dazu habe ich derzeit auch keine Idee :ops: