Beiträge von Hundundmehr

    Hinsichtlich Selektion auf bestimmte Merkmale halte ich so ziemlich alles für möglich.

    Wenn man verkürzte Schnauzen, Riesenwuchs, Zwergform züchten kann - warum sollte das dann vor einer Verstärkung von Aggressionsverhalten oder auch Beutefangverhalten Halt machen?

    Das beste und anschaulichste Beispiel, welche unterschiedlichen und vor Allem vielfältigen Veränderungen bei der Selektion auf EIN Merkmal bewirkt werden können, ist das Silberfuchsexperiment

    Haustiergene im zahmen Fuchs

    Dass sich mir bei manchen dieser "Selektionsziele" die Nackenhaare zu Berge stellen, und ich diese vom MENSCHEN gewollten Ziele als krank empfinde, übertrage ich zumindest dennoch nicht gleich auf eine komplette Rasse.

    Manche Rassen werden gerne und häufiger genutzt für bestimmte Selektionsziele.

    Ich "pfeif" übrigens auf diese Beißstatistiken, egal wie gut und fundiert sie gemacht sind.

    Sie haben nämlich immer die Wirkung, pauschalisierend einer gesamten Rasse einen Stempel zu verpassen.

    Dafür schaue ich mir lieber den einzelnen Hund UND dessen Ontogenese an, wozu natürlich auch rassetypische genetische Dispositionen gehören.

    Genau - es geht um Konsequenz deinerseits.

    Diese fehlte bisher zu stark, oder war - zumindest für deinen Hund - sogar gar nicht vorhanden.

    Das war dann die Lücke, in der seine genetische Disposition Raum gefunden hat.

    Im Grunde ist Domino ja ein entspannter Hund, er muss nur lernen, dass er selbst keine Entscheidungen zu treffen hat.

    "dass er selbst KEINE Entscheidungen zu treffen hat" - das liest sich für mich jetzt allerdings sehr hart. Meinst du damit vielleicht eher doch, er soll wissen, dass deine Entscheidungen seine im Zweifelsfalle "toppen"?

    So, wie ich es verstehe, geht es in dem Ansatz hauptsächlich darum, dass der Hund akzeptiert, dass Situationen von der TE geregelt werden und nicht von ihm selbst. Das kann ja nur gut sein, egal ob das mit dem Arbeitsplatz nun noch klappen wird oder nicht.

    Genau. Zwar wird hierzu derzeit das Mittel der Dominanz genutzt, aber der Fokus liegt jetzt erst mal auf deiner Konsequenz deinem Hund gegenüber.

    Damit du dich dabei nicht verzettelst, wird dies zunächst "im kleinen Rahmen" etabliert.

    Es wird dich und deinen generellen Umgang mit deinem Hund verändern. Du wirst selbstbestimmter werden, und dich nicht mehr von deinem Hund bestimmen lassen.

    Dieser Weg ist keine Einbahnstraße, denn es geht um gegenseitigen Respekt.

    Mach dir nichts vor - das Kissentraining dient in erster Linie dem Sinn, dich gegenüber deinem Hund DURCHZUSETZEN - genauso wie das Couch- und Bettverbot dazu dient.

    Du hast von dem Trainer EINE! ganz klare, genau umrissene Trainingsaufgabe bekommen, die konsequent durchgesetzt werden soll. Konsequenz heißt in deinem Fall: Geduldig, also immer wieder und wieder und wieder - bis dein Hund lernt: Du gibst da NICHT NACH.

    Dass (wenn, falls) dein Hund dabei lernt, das Kissen als Ruheort/Rückzugsort/Ablageort auf Anweisung von dir anzunehmen, dann ist das ein wünschenswerter Nebeneffekt.

    Wobei die Wahrscheinlichkeit, dies so lernen zu können recht hoch sein dürfte - das ist einfache Konditionierung, die dabei "mitläuft".

    Du hast aus Unwissenheit bei deinem Hund in der Vergangenheit sehr viel laufen lassen - und er hatte dadurch die Möglichkeit, aus seiner Sicht angemessene Verhaltensweisen zu entwickeln, die seiner genetische Disposition entsprechen.

    JETZT soll er erst mal ERFAHREN, dass auch du Entscheidungskompetenzen hast.

    Dies durch eine ganz klare, genau umrissene Trainingsaufgabe zu etablieren, ist sehr geschickt vom Trainer gewählt.

    Weiter so - du schaffst das! :bussi:

    Es wurden ja auch "Luxusprobleme" angesprochen.

    Wenn ich das mit dem Hintergrund der existenziellen Probleme betrachte, mit dem die Generationen vor mir (meine Oma war z. B. Jahrgang 1899) befasst waren - da blieb überhaupt kein Raum für irgendwelche tieferen Gedanken zu Erziehung von Kindern; Erst recht nicht für Erziehung von Hunden.

    Frust war mit Sicherheit vorhanden - er hatte nur keinen Raum, weil andere Sachen wichtiger waren. Kinder satt bekommen z. B.

    Sich mit einem Hund überhaupt befassen zu KÖNNEN - auch eine "luxuriöse Begleiterscheinung" der heutigen Zeit.

    Die Möglichkeiten, die sich heute und hier bieten, geben der Verantwortung andere Prioritäten.

    Eine wesentliche Priorität ist hier Empathie.

    Das ist ein Qualitätsgewinn, aber keine Verweichlichung.

    Aber Welpenblues klingt halt netter als Überforderung.

    Ist es doch aber auch?

    Schaut man sich das Wort "Überforderung" nämlich mal genauer an, dann birgt das (möglicherweise, als Botschaft) doch die Aussage: "Die Fähigkeiten und zur Verfügung stehenden Möglichkeiten reichen nicht aus, um ein Problem eigenständig zu bewältigen."

    Kommt DAS als Botschaft bei jemandem an, dann nährt das (auch möglicherweise) dessen Selbstzweifel - und das finde ich z. B. weder sinnvoll noch zielführend.

    Für mich ist es ein großer Unterschied, ob ich jemandem sage: "Du bist gerade einfach mit der Situation überfordert.", oder ob ich ihn virtuell "in den Arm nehme" und schreibe: "Hach ja - der "Welpenblues" - dieses Gefühl, zu scheitern/ungeeignet zu sein/die falsche Entscheidung getroffen zu haben kennen so einige andere auch. Damit stehst du nicht alleine. Wo drückt denn der Schuh?"

    Für MEIN Empfinden lade ich damit den Gesprächspartner zu einem Austausch ein - und das hat in dem Moment herzlich wenig mit Bagatellisierung zu tun, sondern mehr damit, denjenigen da abzuholen, wo er gerade steht.

    Meine Meinung.

    Ich sehe im "Welpenblues" auch kein Riesendrama oder Zeichen dafür, dass die ganze Menschheit am Leben scheitert. Die übertriebenen Reaktionen auf das "Phänomen" in der eigenen Wahrnehmungsblase scheint mir dramastischer als das Phänomen selbst.

    :bindafür:

    Welcher Bruchteil davon im DF oder sonstigen sozialen Medien aufschlägt und wie wenige davon tatsächlich "rumheulen" - eigentlich ein Witz.

    "Rumheulen" in Anführungszeichen - genau so empfinde ich das:

    Rumheulen kommt bei mir negativ an, hat auch (nicht nur!) die Intention von "Weichei", "stell dich nicht so an" etc. (Für MICH - das muss und wird wohl nicht jeder so empfinden, und auch nicht jeder, der "rumheulen" genutzt hat hier im Thread, hat das so negativ gemeint!).

    Bei Hund Nr. 1 hat mich die Oxytocin-Schwemme dermaßen durch die Welpenzeit getragen (ein HUND - ich habe endlich einen HUND :herzen1:), dass da irgendwelche negativen Momente gar keine Chance hatten, sich zu entfalten.

    Neben den beiden kleinen, aber höchst bedeutsamen Tatsachen, dass ich damals meine Züchterin als Ansprechpartnerin hatte (wenn auch telefonisch - aber das habe ich sehr oft genutzt, manchmal auch nur, um ihr von dem Welpen und unserem Leben mit ihm zu berichten. Gott hatte die Frau eine Geduld :cuinlove:) und dass ich keine, wirklich NULL Termine hatte in den ersten beiden Wochen. So konnte ich das Schlafdefizit über Tag mit Welpchen im Arm beim gemeinsamen Mittagsschlaf ausgleichen.

    Bei Hund Nr. 2 (das ist mein Vasco) sah das schon etwas anders aus. Zwar hatte ich auch da keinerlei Termine in den ersten beiden Wochen... aber der Alltag musste ja weiterlaufen, und ich bin nach einer Woche Schlafmangel auf dem Zahnfleisch gekrochen. Nach 1,5 Wochen habe ich dann meinen Männern (Mann und Sohn) die Ohren vollgeheult ... und die sind natürlich selbstverständlich abwechselnd eingesprungen bei der "Nachtwache" für den Welpen, so dass ich mal wieder eine Mütze Schlaf im eigenen Bett verbringen konnte. Hätte ich doch mal eher mein Maul aufgemacht ... :wallbash:

    Bei Hund Nr. 3 (das ist mein Amigo) hatte ich zwar auch Ringe unter den Augen, aber da wusste ich ja schon, wie schnell diese Zeit vorübergeht (und habe auch die "Nachtwachen" besser aufgeteilt ;))

    So Momente, in denen ich mich selbst in Frage stellte, hatte ich allerdings auch. Die gingen aber schnell vorbei.

    Dass das "Welpenblues" ist, habe ich erst später in Foren erfahren.

    So aus meinem eigenen Erleben betrachtet, wenn ich mir vorstelle dass da ein Mensch ist, der mit niemandem sonst reden kann (oder auch in seinem Umfeld mit diesem doch teilweise Gefühlschaos nicht ernst genommen wird) - dann habe ich schon zunächst einmal das Empfinden: Da ist ein Mensch in Not, und braucht erst mal jemandem der ihm zuhört und ernst nimmt.

    Manchmal hat sich das bei diesem Menschen schon sehr aufgeschaukelt, und er ist in einer Gemütsverfassung wo er denkt: Eigentlich müsste ich diesen Welpen doch LIEBEN - und ich bin nur noch genervt und hadere mit mir selbst und der Entscheidung, einen eigenen Hund zu haben...

    Manchmal, in ganz seltenen Fällen, steckt da auch eine persönliche Geschichte hinter, wo es angeraten ist sich professionelle Hilfe zu holen.

    Manchmal reicht aber auch eine Vitamin/Mineralienkur, um die eigenen Batterien wieder aufzuladen. Und ne Mütze Schlaf |)

    Ganz manchmal, wirklich sehr selten, ist es aber angeraten den Hund wieder abzugeben, einfach weil es wirklich nicht passt.

    Den Großteil der Welpenbluesgeschädigten empfinde ich aber als "voll normal" - da prallt eben die vormals sonnige Vorstellung von einem eigenen Hund auf das pralle, wuselige, verhaltensoriginelle Welpenleben ... und es ist eben etwas Anderes, ob mensch in der Theorie weiß, dass es anstrengend wird, oder ob man das dann praktisch zu fühlen bekommt.

    Zuhören, Mut machen, der ein oder andere praktische Tipp - für Menschen, die hierher ins DF gefunden haben weil sie (zunächst) erst mal keine andere Stelle gefunden haben, wo sie ihre Sorgen und Nöte lassen können, ist zumindest aus meiner Sicht der erste Schritt - und der reicht auch meistens.

    Nen Blues zu haben hat mit der Überforderung bei Hundehaltung nichts zu tun.

    Ich bringe hier aber mal ein, es gibt einen Unterschied zwischen "überfordert sein" und "sich überfordert fühlen".

    Gerade an den "Heultagen" ist mancher Mensch näher an dem Gedanken: "Habe ich es richtig gemacht, bin ich befähigt dazu - oder war es eine falsche Entscheidung?" deutlich näher als zu Zeiten, wo die "Seele in Balance" ist.

    Da fühlt mensch sich unfähig, weil da mal gerade der Blick auf das verstellt wird, was eigentlich gut bewältigt wird, und "kleine Problemchen" (in Anführungszeichen, weil jede/r Probleme eben auch unterschiedlich empfindet, auch tagesformabhängig) auf einmal wie ein großer, unüberwindbarer Berg vor einem zu stehen scheinen.