Beiträge von Hundundmehr

    Das Problem fängt meiner Meinung nach woanders an, nämlich in der Denkweise:

    Immer mal wieder treffe ich auf Menschen mit und gern auch ohne Hundeerfahrung, die sich ganz überzeugt davon zeigen , dass man ja auch mal "durchgreifen" müsse...

    wenn dann in Zusammenhang mit dem "Durchgreifen" diese Aspekte genannt werden:


    ...und es nur artgerecht und natürlich sei, den Hund auf den Boden zu drücken, lautstark zurechtzuweisen, lange zu schimpfen, dass der Mensch das Alpha-Tier sein und dominieren muss etc.

    Natürlich muss ich "durchgreifen" - die Frage ist nur: Wann (ist es überhaupt notwendig/sinnvoll) und Wie (welche Art Chef will ich sein).

    "Durchgreifen" als grundsätzlich schlecht darzustellen, ist ein Weg der am Verständnis für ein soziales Miteinander vorbei führt.

    Wenn ich Menschen, die ein "Durchgreifen" wie oben beschrieben anwenden, erreichen will, dann muss ich sie dazu bringen, ihre eigene Motivation anzusehen und in Frage zu stellen.

    Da habe ich auch schon häufig die Erfahrung gemacht, dass dies gar nicht gewünscht ist von diesen Menschen. Vor Allem deshalb, weil sich dieser Umgang nicht nur auf den Hund beschränkt, sondern allgemein auf den sozialen Umgang auch mit Menschen.

    Literatur zu dieser Thematik ... :???:

    Sehr erhellend fand ich "Affe trifft Wolf" von Bloch/Radinger, ein teilweise recht humoristischer Blick auf zwei unterschiedliche Spezies, der viel von den Missverständnissen erklärt, die in der Hund-Mensch-Beziehung auftreten.

    Ein überaus hundefreundlicher, und dabei sehr realistischer Blick zeigt sich in dem Buch von Miklosi "Hunde - Evolution, Kognition und Verhalten". Er betrachtet Hundeverhalten immer im Zusammenhang mit Menschen/der Menschenwelt, und ist der Ansicht, über die Evolution der Hunde die Evolution des Menschen besser begreifen zu können. Damit ist er nicht alleine, und auch nicht der Erste -worauf er auch hinweist.

    Im Grunde genommen geht es um die grundsätzliche Einstellung des Menschen gegenüber (s)einem Hund: Lebe ich damit Macht aus, und nutze die menschlichen Fähigkeiten dazu, den Hund zu einem nach meinen Wünschen funktionierenden Lebewesen zu formen, welches mir überall da wo ich es will Untertan zu sein hat - oder begreife ich den Hund als denkendes und fühlendes Lebewesen, der als Partner auf vier Pfoten an meiner Seite steht?

    Nach wie vor mein Favorit, um Hunde zu begreifen: Aldington "Von der Seele des Hundes".

    Ist aber keine leicht verdauliche Kost, aber: Obwohl Ende der 80er erschienen, sind viele der dort gesammelten Erkenntnisse auch heute noch gültig. Einige wenige davon wurden noch weiter erforscht, und es gibt genauere Informationen dazu. Der Grund: Viele der dort aufgeführten Erkenntnisse wurden mit Methoden erforscht, die heute nicht mehr zulässig sind (Pawlow und Scott and Fuller z. B.).

    Die heutige Kynologie nutzt aber diese Erkenntnisse, und baut ihre eigenen Forschungen darauf auf.

    Heute im Radio:

    "Das macht 69 Cent. Möchten Sie Ihren Kassenbon?"

    "Nein."

    "Ich frage Sie noch einmal: Möchten Sie Ihren Kassenbon?"

    ""Nein, den brauche ich nicht."

    "Ich frage Sie ein letztes Mal: Nehmen Sie Ihren Kassenbon?"

    "Nein, den können Sie wegschmeißen."

    Per Durchsage über Lautsprecher: "Kasse 2 an Zentrale, bitte SEK benachrichtigen, hier will jemand seinen Kassenbon nicht!" und zum Kunden gewandt: "Das Gebäude wird jetzt vom SEK umstellt, weil Sie durch die Annahmeverweigerung des gesetzlich vorgeschriebenen Kassenbons eine Straftat begehen."

    "Dann geben Sie mir verdammt noch mal diesen verdammten Kassenbon...!"

    "Möchten Sie auch die Treuepunkte?"


    :ugly:

    Deshalb ängstigt mich diese wachsende Übermacht der Boulevardschmierblätter in den letzten beiden Jahrzehnten so sehr.

    Nun ja - irgendwie muss ja mitgehalten werden mit den "sozialen Netzwerken" des www....


    Und das ist was mich an den modernen Medien so ankotzt und weshalb ich den Job endgültig geschmissen habe.

    Denn habe ich keine Fakten, dann halte ich als Journalist die Finger still und ziehe mir nicht erfundene Schlagzeilen aus der Nase, um als erster möglichst viele Clicks mit dem Vorfall abgreifen zu können und Leser anzulocken.

    Das ist konsequent. Die Courage hat nicht jeder.

    Irgendwie habe ich den Eindruck, diese Entwicklung der Medien ist nichts weiter als eine zeitgenössiche Umsetzung dessen, was früher "Brot und Spiele" im ollen Rom war ...

    Insofern ist die Aussage des Experten schon wieder relativierend und für mich objektiv eher positiv als negativ.

    Genau so sehe ich das auch.

    Gerade mit Blick auf die bluttriefende Schlagzeile...

    Mir tut der Mann wirklich leid, und gerade deshalb halte ich gegen die falsche Wiedergabe der angeblichen "Diagnose" des Hundetrainers so gegen.

    Dieser Mann wird sich zeitlebens Vorwürfe machen, neben den existenziellen Aspekten, die sich auch ohne diese Verbreitung in den Medien schon stellt (umso schlimmer, das nun als reißerische Schlagzeile dort wieder zu finden).

    Ich frage mich, wie ich persönlich damit umgehen würde, wenn einer meiner geliebten Hunde, denen ich absolut vertraue, völlig aus dem Nichts mir gegenüber brachial die Zähne einsetzen würde. Damit meine ich nicht Situationen, in denen eine Verletzung als Collateralschaden (bei einer Auseinandersetzung zwischen zwei Hunden beispielsweise) vorkommen KÖNNTE, sondern Aggression mir gegenüber aus dem Nichts heraus.

    Ich wäre am Boden zerstört.

    Wie schlimm muss es dann sein, wenn dadurch auch noch ein geliebter Mensch zu Tode kommt?

    Unfassbar.

    Behauptet die Polizei - ohne jedwede Form von Beweisen.

    Nunja - wenn jemand bei einem Toten der ein Messer in der Brust hat, aufgefunden wird, dann ermittelt die Polizei auch erst mal wegen Mord, und hat die dort vorgefundene Person als ersten Tatverdächtigen im Blick.

    Dass trotz des ersten Anscheins noch weitere Fakten ermittelt werden müssen, ist ja auch Aufgabe der Polizei.

    Aber die Fakten vor Ort müssen erst einmal so genommen werden wie sie sind.

    Wobei die unterschiedliche Berichterstattung im vorliegenden Fall nicht gerade einer objektiven Betrachtung zuträglich ist - einerseits wird von nicht näher erläuterten Bisswunden gesprochen, andererseits "nur" von Prellungen.

    Meine Aussage ist doch eigentlich nur: Nix genaues weiß man, also abwarten. Mehr gibts dazu nicht zu sagen.

    Wenn es dir darum geht - warum schreibst du dann das:


    Am besten finde ich im Artikel den Kommentar des Hundeexperten, von wegen der Hund hätte wahrscheinlich einen Tumor und ist schmerzbedingt aggressiv.

    Aha. Da besitzt ja jemand anscheinend eine Wahrsagekugel :skeptisch:

    Du machst dich über diesen Hundetrainer lustig, indem du ihm eine Aussage unterstellst, die er nicht gemacht hat. Er hat weder einen Tumor diagnostiziert, noch als wahrscheinlich bezeichnet.

    Das ist DEINE Auslegung, die nicht den dem Artikel zu entnehmenden Fakten entspricht.

    Ganz einfach.

    btw.: Genau damit nimmt er den Spekulationen, die du in deinem Vorpost angerissen hast, den Wind aus den Segeln.

    Wenn das schon Diskreditierung und nicht nur Kritik ist... :ka:

    Es ist Diskreditierung, weil du ihm eine Aussage unterschiebst, die er nicht gemacht hat.

    Seine Vermutung, eine durch Schmerz ausgelöste Aggression als Ursache anzusehen, kannst du ja fraglich finden.

    Finde ich auch, eben weil es nur eine Vermutung sein kann, so ohne bisherige Obduktion.

    Allerdings ist diese Vermutung dienlich hinsichtlich einer Obduktion des HUNDES - und diese ist ja nicht immer zwangsläufig der Fall.

    Außerdem ist diese Vermutung noch - aus meiner Sicht - die "harmloseste" Erklärung.

    Was dieses tragische Unglück nicht minder tragisch sein lässt.

    Aber zum Verarbeiten für die Angehörigen wichtig sein könnte.

    Also ich kann da keinen Tumor diagnostizieren

    Ich auch nicht. Der Hundetrainer hat als Beispiel für eine mögliche Schmerzaggression einen Tumor GENANNT, nicht diagnostiziert.

    Du siehst da eine Glaskugel die nicht vorhanden ist.

    Was mich nicht stören würde, wenn du mit dieser Falschauslegung der Aussage des HT nicht selbigen diskreditieren würdest.

    Absolutes Novum: das Galgöchen ist mich angesprungen. Dieser Hund darf das.

    Vor lauter Brathuhngier hat es - im schröcklichen Draußen befindlich - alle 2,5 Dinge abgespult, die es schon kann. Platz. Auf ne Bank springen. Es handtouchte sensationell und es sprang mir mit den Pfoten in den Bauch in "Mach mal schneller" Manier.

    Ich war begeistert.

    :herzen1:

    :bussi:

    Mittlerweile komm ich mir gar nicht mehr komisch vor, wenn mich nicht interessiert, was zig Polizisten vor unserer Haustür tun, sondern die höflich bitte, sie mögen sich bitte anders hinstellen und zwar alle auf eine Seite und noch 2 Schritte zurück, damit sich der Hund vorbei traut. Vielen Dank und schönen Tag noch!

    :shocked: Wie bist DU denn drauf!!!

    xD Wie geil!

    Beim Galgöchen frage ich mich manchmal, ob seine Schmusigkeit zum Teil nicht auch "falsch" ist. Also schon, dass es Berührungen genießt, es dürft wirklich sehr körperlich sein, aber dass das zu einem Teil auch ne erlernte Sache nach 14 Monaten Refugio ist. Und da auch viel Erdulden mit rein spielt.

    Insofern begrüße ich es, wenn es jetzt anfängt, sich auch mal nicht in Pose zu werfen oder weg zu gehen, wenn es keine Lust hat. Es arscht sich immer noch heran. Aber es haut sich einem nicht mehr ständig auf den Schoß oder präsentiert den Nacktbauch. Es lernt womöglich gerade auch, dass es manche Dinge gar nicht immer mögen muss und trotzdem nix passiert.

    Ist zwar nur Spekulatius, aber mal eine andere Sicht, als Möglichkeit:

    Vielleicht genießt das Galgöchen ja diese Körperlichkeit tatsächlich, weil das Berühren von einer vertrauten Person ihm Sicherheit gibt - nur braucht es möglicherweise diese Art der Sicherheit gar nicht mehr in dem Maße wie zuvor?

    Dazu passt auch die Entwicklung, sich eben auch entziehen zu dürfen wenn es mal nicht mag.

    :denker:

    Aber neue ungewohnte Reize sind problematisch. Mittlerweile hat sie gelernt, nicht mehr in blinde Panik zu verfallen, sondern Hilfe bei uns zu suchen. Aber es sind dann prompt nur noch drei Erbsen im Hundehirn vorhanden und die klackern erstmal kräftig los. Für eine wirkliche Verarbeitung würde es viel Wiederholungen, Ruhe und Regelmäßigkeit brauchen.


    Und daran wird sich, denke ich, auch nicht mehr viel ändern. Wir stärken ihr Selbstbewusstsein und ihre Selbsterfahrungen, wo es geht und üben, aber sie zieht doch mehr Sicherheit aus ihrer Umgebung als aus sich selbst.

    Sowas tut einem als Mensch auch ein bisschen weh, ne? :streichel:

    Ich halte mich bei sowas immer an der Erkenntnis fest: Jede kleine Verbesserung ist es wert, es zu versuchen - eben weil es auch eine kleine Verbesserung für den Hund ist.

    @pinkelpinscher Deinen Berichten nach hat das Galgöchen mittlerweile schon mehr Löffelchen zur Verfügung, als bei der Ankunft. Ich bin wie du der Ansicht: Kein Angsthund, aber eben sehr gefordert (und manchmal auch überfordert) durch die vielen unbekannten Reize, die sein "neues Leben" eben für ihn mitbringen.

    Es entwickelt sich aber rasant, auch wenn es ein Zickzackkurs zu sein scheint.

    Am besten finde ich im Artikel den Kommentar des Hundeexperten, von wegen der Hund hätte wahrscheinlich einen Tumor und ist schmerzbedingt aggressiv.

    Aha. Da besitzt ja jemand anscheinend eine Wahrsagekugel :skeptisch:

    Das sagt er doch gar nicht!

    Er sagt, aufgrund der BISHERIGEN Informationen würde er von einer schmerzbedingten Aggression ausgehen. Das könnte BEISPIELSWEISE durch einen Tumor verursacht werden.

    Etwas, vor dem ich übrigens auch Angst habe - dass mein Hund nicht mehr MEIN Hund ist...

    Der Mann tut mir sehr leid.