Beiträge von Hundundmehr

    @Blessvoss Ich denke, wir haben hier unterschiedliche Vorstellungen bei dem Wort "Kampfmaschine". Finde ich jetzt aber nicht schlimm, weil ich deine Ausführungen verstehe - und Terrier allgemein nicht als "Kampfmaschinen" in dem Sinne verstehe, wie ich diesen Ausdruck nutze.

    Phonhaus Epigenetik kann sowohl sehr kurzfristige als auch langfristige Merkmalsausprägungen hervorbringen.

    Für Mitleser:

    Sehr laienhaft beschrieben (und anders kann ich es auch nicht, weil ich da selber Laie bin) werden mit Epigenetik Erbvorgänge beschrieben, die nicht über die Genetik erklärbar sind.

    Ein sehr einleuchtendes Beispiel dafür ist der Schmetterling:

    Dieser entwickelt sich aus der Raupe, und sowohl im Stadium der Raupe als auch im Stadium des Schmetterling ist die DNA IDENTISCH.

    Die Gene werden während dieser Umwandlung aber anders "codiert" - und ergeben diese völlig unterschiedlichen Ergebnisse Raupe und Schmetterling.

    Der Schmetterling ist hier ein Beispiel für langfristig verankerte epigenetische Vorgänge.

    Kurzfristig wäre z. B.: Eine Zuchthündin und ein Zuchtrüde wurden verpaart, mit u. A. Augenmerk auf wenig Ängstlichkeit.

    Diese Zuchthündin erlebt während der Trächtigkeit ein traumatisches Ereignis, welches bei ihr Angstzustände bewirkte.

    Bei den Welpen stellt sich heraus, das diese sehr viel Ängstlichkeit zeigen - was bei der Verpaarung eigentlich hätte ausgeschlossen sein müssen.

    Die Möglichkeit der Zucht ist Segen und Fluch zugleich - weil sie dem Menschen die Möglichkeit gibt, Wesen nach seiner Vorstellung zu schaffen.

    Dass gerade der Haushund durch seine Nähe zum Menschen als Instrument zum Ausgleich "menschlicher Defizite" genutzt werden kann, ist ein Fluch des Haushundes.

    Wobei ich hier nicht über "menschliche Defizite" diskutieren möchte.

    man hat die gewählt, denen das am ehesten entgegenkommt...... züchterische Selektion halt.......

    "denen das am ehesten entgegenkommt" bezieht sich bei deiner Äußerung auf die Hunde.

    Ich verändere deine Aussage mal so:

    "Man hat die (Hunde) gewählt, deren Veranlagungen den Vorstellungen des Menschen am Meisten entgegenkommt ... züchterische Selektion halt...."

    Den Hunden kommt es sicher nicht "entgegen", wenn sie sich in der Pit gegenseitig zerfleischen. Dem Menschen schon.

    Verstehst du, wie ich das meine?

    Ein Gedanke, der mir immer wieder im Kopf rumschwirrt:

    Würde eventuell eine ältere, seriöse Zweithündin helfen? (Natürlich sorgfältig ausgewählt) An der sich Tyson (und auch ich) orientieren kann?

    Geld, Zeit und Liebe für einen Zweithund wären vorhanden.

    Oder ist das eine blöde Idee?

    Ich halte das für eine blöde Idee, aus den gleichen Gründen wie flying-paws es schon geschrieben hat. Die Gefahr, dass sich dann deine Probleme verdoppeln könnten, lässt sich einfach nicht ausschließen.

    Du hast doch zumindest EINE Hündin in deinem Bekanntenkreis, mit der Tyson sich gut versteht - vielleicht kannst du hier mal darauf schauen, ob ihr mehr gemeinsame Spaziergänge machen könnt?

    Tierverhaltensmedizin und Adressen - in welchem Land wohnst du?

    Für die BRD hatte ich dir einen link des GTVMT eingestellt, da brauchst du nur auf die Adressenliste zu klicken, um alle dem angeschlossenen Tierärzte nach PLZ geordnet zu finden.

    Zu den Medikamenten: Es gibt natürlich viele frei verkäufliche Produkte zu kaufen, die z. B. Tryptophan verstärkt beeinhalten. Futtermittelzusätze z. B.

    Tryptophan ist eine Vorstufe des Serotonin, welches als "Glückshormon" bezeichnet wird und den Parasympathikus stärkt. Der Parasympathikus ist der Gegenspieler des Sympathikus, und dieser Sympathikus ist der Teil des vegetativen (nicht willentlich beeinflussbaren) Nervensystems, der für die Aufregung bei deinem Hund sorgt.

    Das Ausmaß für das Verhalten deines Hundes bei solchen Rückfällen scheint so groß zu sein, dass hier tatsächlich ein Rückschritt befürchtet werden muss.

    Normalerweise sind bei mittel- und langfristigen Verhaltensänderungen Rückfälle normal und leiten eine anschließende Festigung der schon erreichten Verhaltensänderung ein.

    In deinem Fall sehe ich allerdings eine große Gefahr, dass deine schon erreichten Fortschritte tatsächlich zunichte gemacht werden durch solche Rückfälle.

    Ich halte den Plan, jetzt erst mal für viel Ruhe zu sorgen und wieder bei 0 anzufangen, für deinen Hund richtig.

    Weil Tyson aber so stark reagiert, und eben auch anhaltend, und auch du wieder viel von deiner Sicherheit eingebüßt hast, fände ich es jetzt mehr als nur hilfreich, wenn dir ein Profi an der Seite steht, der dir mit einem Plan im Hier und Jetzt hilft, und das - wenn nötig - auch medizinisch unterstützt.

    Von einem "Herumexperimentieren" mit irgendwelchen frei verkäuflichen Zusatzfuttermitteln oder "Hormonpräparaten" rate ich allerdings ab. Die Zeit, die durch diese Experimente verlorengeht, kann durchaus dazu führen, dass sich dieser Rückfall so verfestigt, dass deine ganzen bisherigen Bemühungen völlig umsonst sind.

    Was du derzeit tun kannst: Lasst mal beide eure Seele baumeln - schöne Kuscheleinheiten auf dem Sofa, längere massierende Streicheleinheiten für deinen Hund, ohne Zeitdruck und mit einem "Ohmmmm" im Hirn, längere Kausnacks wie Ochsenziemer, Rinderohren oder sonstige Kauartikel, oder auch ein mit einer leckeren Sauerei gefüllter Kong, gutes, ausreichendes Futter, welches ein Sättigungsgefühl hervorruft, Schlender-Spaziergänge in Gebieten, die frei von diesen negative Reaktionen auslösenden Reizen für deinen Hund sind.

    Kommt beide mal wieder zum Atmen, und zur Ruhe :bussi:

    Hm - du hattest meine ich einen Maulkorb erwähnt?

    Mach ihn wieder drauf, für deine eigene Sicherheit und dein eigenes sicheres Gefühl.

    Gibt es eine HundeRASSE, bei der durch die Genetik festgelegt ist, dass die Individuen dieser Rasse Kampfmaschinen sind?

    Oder wird nicht eher durch Epigenetik eine (mehr oder weniger) einheitliche Phänotypisierung erzeugt, deren Ergebnis den Phänotyp Kampfhund ergibt?

    Meines Wissens nach gibt es keine Kampfhundrassen - aber sehr wohl Rassen, die aufgrund ihrer rassetypischen Merkmalsausprägungen dafür geeignet sind

    - durch gezielte Selektion besondere Merkmalsausprägungen zu zeigen, die den Phänotyp "Kampfhund" erfüllen

    - durch gezielte Entwicklung (ich mag es nicht Erziehung nennen) diese ausgeprägten Merkmale in der gewünschten Qualität eines Kampfhundes zu bilden

    Ich werfe mal die Möglichkeit ein, hier unter Beratung und Hilfestellung einer professionellen Tier-Verhaltenstherapeutin (Tierärzte mit Ausbildung/Spezialisierung auf Verhalten) evtl. eine Zeit lang mit Medikamenten zu arbeiten, die das parasympathische Nervensystem aufbauen und stärken.

    In Deutschland ist das der GTVMT http://www.gtvmt.de/literatur/

    Solche Tierverhaltensmedizinischen Vereinigungen gibt es aber auch in anderen Ländern.

    Das ist die Krux, wenn ein Hund solche Situationen nicht in der Welpen- und Junghundezeit grundlegend lernt. Du hast gezeigt, dass durch Training viel zu erreichen ist, aber das Fundament fehlt bei solchen Hunden einfach. Das ist keine Kritik!, sondern einfach der Hinweis, warum das alles bei einer Störung wieder zusammenfällt.

    Das halte ich auch für sehr wahrscheinlich als Ursache für diesen dramatischen Rückfall.

    Hier können geeignete medizinische Mittel helfen, die Wirkung solcher Vorfälle zu mildern, bzw. besser zu verarbeiten.

    Das führt dazu, die Defizite im Fundament besser auszugleichen, und sich diesem Fundament zumindest mehr anzunähern.

    Ich denke mal, dass es hierzulande (zum Glück) keine Hunde mehr gibt, die in einem Pit kämpfen müssen

    Das bezweifel ich allerdings auch ... :( :

    Kranke Sadisten die ihr Vergnügen am gegenseitigen Abschlachten ihnen ausgelieferter Lebewesen finden, und ihr krankes Ego damit aufpolieren, wird es immer geben.

    Nur die verschlossenen Türen, hinter denen das stattfindet, werden besser gesichert.

    Wenn man offen zugibt, wo die Gefahren/Problematiken bei einer Rasse legen, dann ist man ein Nestbeschmutzer?

    Ja, leider gibt es immer genügend, die einen als "Nestbeschmutzer" bezeichnen, sobald man über Probleme spricht, die die anderen gerne hinter verschlossenen Türen behalten würden ... :ka:

    Ist doch überall so...

    @frauchen07 "Nestbeschmutzung", weil pinkelpinscher als Selbst-Windhundehalterin von dieser gefährlichen Tendenz der Windhunde-Gruppendynamik, die in Beutefangverhalten (wohl gerade auch bei kleinen) Artgenossen umschlagen kann, spricht.

    Aber das Beschädigen wollen kommt meiner Ansicht nach trotzdem eher aus dem Jagdverhalten.


    Wenn man sich historisch anschaut, wofür die Bullrassen gezüchtet wurden, dann ist das erst mal ein jagdlicher Einsatz. Und zwar der letzte Teil der Jagdsequenz.

    Oder aus dem Fortpflanzungsverhalten, endgültiges Ausschalten des Rivalen.

    Oder aus der Wehrmotivation.

    Oder aus einem überhöhten Maß an Angriffsbereitschaft (Aggressionspotenzial).

    Siehst du das jetzt als Widerspruch von mir?

    Ist nicht so gemeint, du erwähnst ja selber im weiteren post die Möglichkeit der Überlagerungen.

    Wichtig bei deinem Ansatz ist doch: Zu WISSEN, dass es bei bestimmten Hunden ein genetisch verankertes Jagdverhaltenspotenzial gibt, eben mit dem besonderen Fokus auf die Endsequenzen der Beutefangverhaltenskette.

    Dass hier mit Unverstand gefährliche Entwicklungen mit deutlich größerer Wahrscheinlichkeit entstehen können, zeigt ja das Beispiel des Hundes von der Arche.

    Da gibt es übrigens deutliche Parallelen zu den Ausführungen von Feddersen-Petersen bei ihrem Gutachten zu den Hunden, die damals den kleinen Jungen Volkan in Hamburg auf dem Schulgelände getötet haben...

    Die Wahrscheinlichkeit zu einem Gefahrenpotenzial wird nur noch umso größer, wenn noch andere Merkmale wie "großes Aggressionspotenzial", "großes Wehrpotenzial", "große Artgenossenrivalität" und auch "großes Territorialpotenzial" dazu kommen, und miteinander vermengt werden.

    All das zu berücksichtigen bei der Haltung und Erziehung eines Hundes mit Fokus auf Umweltkompatibilität erfordert bei manchen Hunden mehr als "Liebe, Bauchgefühl und die Tatsache, dass man selber Erziehung genossen hat".

    Da braucht es einfach mehr Verstand - und das Wissen um Besonderheiten.

    Dabei rede ich jetzt nicht von der Masse an Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen genau "so einen Hund" WOLLEN. Ohne Rücksicht auf die Konsequenzen für diesen Hund, und ohne Rücksicht auf die gesamte Umwelt.

    Aber liege ich denn so daneben, wenn ich denke, dass locker an der Leine laufen auch ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit fordert?

    Nein, natürlich liegst du damit nicht falsch; Du hast es ja auch anhand deines Beispieles wenn du mit deinem Mann unterwegs bist, sehr gut beschrieben.

    Der Hund benötigt einfach nur im Hinterkopf: Ich bin jetzt durch die Leine mit meinem Menschen gekoppelt, das muss ich berücksichtigen.

    Mehrhund hat es schon deutlich gesagt: "Bei Fuß" und Leineführigkeit sind zwei völlig verschiedene Dinge. Leider wird das von vielen im Alltag nicht unterschieden - und der Hund wird dadurch überfordert und auch zu sehr eingeengt.

    Wobei es hier aber auch zu berücksichtigen gilt, dass es durchaus (auch rassetypisch) Unterschiede bei der Ausführung gibt. Es gibt Hunde, die "himmeln" von sich aus ihren Menschen gerne an, und zeigen diesen "Blick zum Halter" aus eigener Motivation heraus deutlich häufiger als andere Hunde.

    Diese Hunde sind NICHT das Maß für das, was Leinenführigkeit tatsächlich bedeutet: Rücksichtnahme darauf, dass man bei seinen Bewegungen noch für ein anderes Lebewesen mitdenken muss.

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    Obwohl schon beim Welpen mein Hauptaugenmerk auf "funktionierender Freilauf" liegt, habe ich natürlich auch immer mal wieder kurze Momente an der Leine genutzt, um den Welpen an die Leine zu gewöhnen.

    War der Welpe an der Leine, dann bin ich IMMER mit dem Welpen MIT GEGANGEN; D.h., ich habe den Welpen die Leine nicht als Einschränkung erleben lassen, sondern bin ihm auf seinen Erkundungstouren so gefolgt, dass die Leine nicht auf Spannung geriet.

    Dabei entstanden immer automatisch auch Situationen, wo es mal leichten, nicht ruckhaften! Zug auf der Leine gab, und es ging erst dann weiter, wenn kein Zug auf der Leine war. Dazu habe ICH den Abstand verkürzt.

    Hatte das Ergebnis, dass meine Hunde heute WARTEN, bis ich weitergehe oder wieder den Anschluss habe - ziehen tun sie mich nicht.

    Ich ziehe sie allerdings auch nicht an der Leine weiter, sonder spreche sie an und warte mit meinem Weitergehen bis sie sich in Bewegung setzen.

    So ein Leinen-Gewöhnungstraining hat in der Regel nie länger als 2-3 Minuten gedauert.