Und nicht Zeus
Jep, war eine Hündin ... und das war auch schon in 2011, also doch ziemlich lange her ...
Ich muss mal nach Ginko oder Ginseng oder so schauen ... von wegen Gedächtnis mal auf Vordermann bringen, oder so ...
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Und nicht Zeus
Jep, war eine Hündin ... und das war auch schon in 2011, also doch ziemlich lange her ...
Ich muss mal nach Ginko oder Ginseng oder so schauen ... von wegen Gedächtnis mal auf Vordermann bringen, oder so ...
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Das Video mit dem Rottweiler und dem Huhn war aber Michael Grewe und nicht Thomas Baumann, nur zur Richtigstellung.
sorry, und danke für die Richtigsstellung!
Ergänzung: ja, mit meiner Vermutung dass es eine Vorgeschichte zu Zeus gab, liege ich wohl richtig.
Es war nicht das erste Mal, dass Zeus sich losgerissen und dabei Schaden angerichtet hat, und die Art und Weise des Umgangs durch die Halterin, die sich sehr uneinsichtig zeigte, hat wohl zu diesen Kontroversen geführt.
Das haben wir damals episch und kontrovers diskutiert
Aber ich weiß nicht mehr wo? Ich denke, hier im Thread
Ich erinnere mich schwach... gab es da nicht schon mal im Vorfeld eine ähnliche Geschichte, weshalb es zu den Kontroversen kam? Wo Zeus schon mal auffällig wurde weil er nicht gehalten werden konnte? Wo wir uns über die Uneinsichtigkeit der Halter/Halterin aufregten?
Ich fische gerade in einer sehr trüben Suppe, erinnere mich nicht mehr wirklich ![]()
Zumindest so wie es jetzt in dem Video dargestellt wird, war diese Tötungsanordnung ja reine Willkür der Behörde, und hatte nicht Hand und Fuß, weshalb Zeus jetzt zu Recht wieder zu seinen Besitzern zurück darf. Edit: Was bei mir das Gefühl von Einseitigkeit hervorruft, nur mal als Anmerkung.
Außerdem fiel mir sofort ein Video ein, wo Thomas Baumann auf einer Bank in einer schönen Grünanlage sitzend ein Interview gab, mit einem liegenden Rottweiler zu Füßen, über dessen erfolgreiche "Resozialisierung" er gerade berichtete - und in diesem Video war dann zu sehen, dass der Rottweiler plötzlich aufsprang und einem Huhn hinterherjagte, und nicht mehr abrufbar war...
Ob das dieser Zeus war, ist jetzt aber nur eine sehr waghalsige Vermutung von mir.
Nochmal Edit: Thomas Baumann und dieses Video fiel mir deshalb spontan ein, weil in den Berichten sein Name als einer der Sachverständigen genannt wurde, die für Zeus gesprochen und sich gegen eine Tötung ausgesprochen haben (sollen).
Die Hündin war unsicher, was ich nicht verwunderlich finde für das Alter, und weil sie 3 kalibrigen, "gestandenen" Rüden begegnete.
Was wäre passiert, wenn ich meine 3 auf einmal, ungemanaged hingelassen hätte?
Hätte ich machen können, meine 3 sind lieb, "die tun nix", und es wäre niemand sichtbar zu Schaden gekommen.
Nicht sichtbar wäre dann aber die Schiene des emotionalen Furchtverhaltens, kynologisch als Aversionsverhalten bezeichnet, abgelaufen.
Dermaßen konfrontiert mit meinen 3 Hunden auf einen Schlag wäre diese unsichere Hündin eingeschüchtert gewesen, und Einschüchterung zählt zur Emotion Furcht. Jedes Säugergehirn hat ein genetisch vorgefertigtes Verhaltensmuster, als Antwort auf furchteinflössende äußere Einflüsse, und die sind: Flucht, Erstarren und Wehr.
Erstarren zeigt sich oft in sehr devotem Verhalten, dieses auf den Rücken schmeißen und den Bauch zeigen gehört dazu. Also kein wünschenswertes Verhalten.
Genauso wenig wünschenswert wie Fersengeld geben und abhauen - zumal hier dazu kommt, dass ein Hund der das macht die Erfahrung macht, dass er selber für seinen Schutz sorgen muss, weil sein Halter ihm keinen bietet.
Abwehrverhalten ist absolut verständlich, wenn ein Hund sich von 3 Rüden gleichzeitig bedrängt fühlt - und dieses Gefühl kommt (leider oftmals) schon auf, wenn sich 3 auf einen Streich annähern. Wünschenswert ist so ein Gefühl des Sich-Verteidigen-Müssens aber auch nicht.
Wichtiger ist aber noch die Erfahrung, die ein Hund, der einfach einer solchen Situation überlassen wird, für sich daraus mitnimmt: Dieses Erlebte ist sofort wieder präsent, wenn irgendwann später wieder mal mehrere Hunde entgegenkommen.
Dann wundert es zumindest mich nicht, wenn so mancher Hund schon auf Distanz ein "wildes Gebären und Kläffen" zeigt, wenn andere Hunde nur am Horizont auftauchen.
Meiner Erfahrung nach fällt vielen Hundehalter sowas gar nicht auf.
Auch bei der Hündin bin ich mir nicht sicher, ob deren zu Anfang gezeigte Unsicherheit möglicherweise das Ergebnis einschlägiger Vorerfahrungen ist.
Hier der detaillierte Ablauf, vielleicht wird es ja für den ein oder anderen dadurch etwas plastischer, vorstellbarer, was ich meine:
Die Menschen kamen mir mit Hund entgegen.
Meine Ersteinschätzung: Schlanker, annähernd gleich großer Hund wie meine, aber deutlich leichter, neugierig, aber unsicher, evtl. sogar ängstlich.
Da waren wir noch ca. 30m entfernt, die Halter machten keine Anstalten den Hund anzuleinen. Absolut üblich in diesem Bereich, wir haben dort fast ausschließlich Kontakte zu frei laufenden Hunden.
Mein erstes Fazit: Meine 3 doch recht kalibrigen Hunde sind zu viel auf einmal für diesen Hund. Entsprechend mein erstes Management: Hunde bei mir gehalten, die Halter gefragt ob ich anleinen soll.
Sollte ich nicht, Kontakt war ok.
Nächstes Management meinerseits: Geregelte Kontaktaufnahme, die ich im weiteren Verlauf noch weiter verfeinerte: Ich ließ erst EINEN Hund - meinen ältesten, Vasco, der ein wirklich feines, sehr virtuoses Verhaltensspektrum aufweist, welches er sehr subtil einsetzt, immer mit dem Ziel auf konfliktarmen, freundlichen Umgang - zu diesem Hund hin.
Vasco ging hin, blieb auf Abstand, der Hund näherte sich, war sichtlich freundlich-neugierig, traute sich aber nicht so wirklich an Vasco heran (Der wartete tatsächlich darauf, dass dieser Hund den letzten Schritt zu ihm hin machte). Der Blick des Hundes ging ständig zu meinen anderen beiden Hunden, und gerade Leif, signalisierte begierliches "ich will dich auch kennenlernen".
Die 5-6m Abstand, und dass ich Leif fest und bei mir hielt, reichtem dem anderen Hund nicht, um sich sicher genug zu fühlen, den Kontakt mit Vasco aufzunehmen.
Ich bin mit Leif umgedreht und auf mehr Abstand gegangen - und noch während ich dabei war, traute der Hund sich den letzten Schritt zu Vasco zu machen.
Dieser Kontaktaufnahme ließ ich erst mal Zeit, derweil ich meinen Leif - neben dem ich kniete - um Geduld und Warten bat (er kann Warten, aber seine Geduld ist noch ... ausbauwürdig, und ich mach das lieber mit Vorbrustkraulen, besänftigenden Worten ... und einem Leckerchen, das ihn aber nicht sonderlich in so Situationen interessiert ... aber immerhin, er wartet gemeinsam mit mir, ohne zu bellen oder sich sonst irgendwie unwirsch zu verhalten oder gar in irgendwas reinzusteigern ... also das wird
).
Als das erste Kennenlernen zwischen Vasco und der - wie ich mittlerweile von den Haltern erfahren hatte - Hündin abgewickelt war, und diese ihr Interesse nun den anderen zuwandte, habe ich Vasco gebeten zu mir zu kommen, um dann Leif die Erlaubnis zur Kontaktaufnahme zu geben.
Der machte dann einen schnellen Satz Richtung Hündin, blieb aber auf 2m Abstand stehen, um Abzuwarten, bis die Hündin zu ihm kam, was sie dann auch machte. Den Satz hatte ich genauso bei Leif erwartet (finde ich junghundtypisch, und ist auch typisch speziell für Leif), wie das anschließende auf Abstand bleiben und warten, bis der andere Hund den ersten Schritt zur Kontaktaufnahme macht. So isser - und mir gefällt das gut, so in seiner Gesamtentwicklung.
Den Kontakt zu meinem Amigo hat die Hündin dann "mal eben nebenbei" gemacht. Amigo hat freundlich kurz zurück geschnüffelt, sich aber nicht weiter für die Hündin interessiert.
Dafür hat sie sich dann lieber näher mit Leif befasst - spielerisch, es gab gegenseitige Vorderkörpertiefstellungen, ganz kurze Jagssequenzen, auf die Leif aber nur wenig einstieg, weil die Hündin da noch Unsicherheit zeigte (ja, das kann mein Leif schon lesen und entsprechend angemessen agieren
).
Warum ich das so und nicht anders habe ablaufen lassen, habe ich ja vor dem Spoiler erklärt ![]()
Zumindest habe ich so der - noch vorhandenen - Neugier der Hündin einen sicheren Raum verschafft.
Für alle eine positive Erfahrung - bei meinem Leif konnte ich das Warten-Können weiter ausbauen, die Hündin konnte ihre freundliche Neugier ausleben, und deutlich sichtbar ihre Unsicherheit ablegen.
So - fertisch!
Zum eigentlichen Thema; Da geht es ja um die These, nicht die ersten Lebenswochen sind entscheidend, sondern die Junghundphase.
Das stimmt so nicht, weil hier einige unterschiedliche Aspekte durcheinandergeworfen werden, die getrennt betrachtet werden müssen:
Meine Erfahrung geht also eher dahin, daß Hunde in ihrer Jugend nachhaltig "versaut" wurden, nicht als Welpen, nicht als bereits gefestigte ausgewachsene Hunde.
Dem stimme ich soweit zu.
Dem daraus gezogenen Schluss allerdings nicht:
Meine Vermutung wäre, daß man vieles aus den ersten Wochen ausbügeln kann, daß gefestigte Hunde vieles wegstecken können und dagegen die Junghundphase eine sehr kritische Phase ist, in der viel richtig oder falsch gemacht werden kann was dann prägend für den Hund ist.
Bestimmte Fehler in der Aufzucht können nicht ausgebügelt werden, und dabei handelt es sich um Deprivationsschäden.
Unter den Begriffen Deprivation und Deprivationssyndrom sind mehrere Krankheitsbilder zusammengefasst, die allerdings eines gemein haben: Reizentzug.
Unter dem Deprivationssyndrom bei einem Hund mit reizarmer Aufzucht versteht man eine Fehlentwicklung /Mangelentwicklung im Gehirn.
Dazu muss man wissen, dass - genau wie beim Menschen - das Gehirn eines Hundes bei der Geburt noch unvollständig entwickelt ist. Sowohl die Sinne, als auch die sozialen Fähigkeiten sind bei der Geburt im Gehirn zwar angelegt, benötigen aber für deren Entwicklung äußere Reize.
Fehlen diese, gesamt oder auch in einzelnen Bereichen, werden Nervenzellen im Gehirn nicht entwickelt, es entstehen keine Verbindungen zu anderen Nervenzellen, sie werden verworfen (sterben ab).
Das lässt sich nicht reparieren.
Mittlerweile weiß man aber aus der Neurologie, dass das Gehirn ein ganz fantastischer Organismus ist, der so manche Fehlentwicklung/traumatische Einwirkung über "andere Kanäle" überbrücken und so zum Teil oder gar ganz ersetzen kann. Das macht man sich z. B. bei Schlaganfallpatienten zunutze.
Ein bekanntes Deprivationssyndrom ist z. B. die mangelnde Lernfähigkeit: Einem Hund bringt man immer und immer wieder etwas bei - und beim nächsten Mal fängt man wieder bei Null an.
Das ist auch nicht immer durch Deprivation verursacht, sondern kann auch genetische Ursachen haben.
Aber auch die Bewegungsmöglichkeiten müssen der Entwicklung der Welpen angepasst werden; Sind sie in der ersten Zeit noch sehr wenig mobil und müssen durch räumliche Einengung davor geschützt werden, sich zu weit von ihren Geschwistern und dem Muttertier zu entfernen, so muss mit wachsendem Alter auch die Bewegungsmöglichkeit und auch die Umwelterfahrung entsprechend ausgeweitet werden, um sowohl Mobilität als auch die anderen Sinne zu fordern und zu Fördern. Ohne das entwickelt sich nichts, und das Gehirn "verkümmert" in diesen Bereichen. Auch das ist größtenteils irreversibel.
Gerade im sozialen Bereich zeigen sich Defizite bei einem Reizentzug von sozialen Kontakten (Stichwort: Kaspar-Hauser-Syndrom) durch fehlende Fähigkeiten im sozialen Miteinander.
Der soziale Umgang mit der Mutter und die Interaktionen mit Geschwistern sind deshalb sehr wichtig für den Welpen, damit dieser Bereich im Gehirn entwickelt WIRD.
Ein Einzelwelpe, dessen Mutter bei der Geburt stirbt, und statt dessen in liebevoller, fürsorglicher Handaufzucht durch Menschen aufgezogen wird, erfährt aber auch das soziale Miteinander, welches wichtig für seine Hirnentwicklung ist.
Ich denke mir immer meinen Teil, wenn mir jemand als Grund für seinen verhaltensoriginellen Hund eine "Schlechte Aufzucht" angibt, weil der "im Stall auf einem Hof" aufgewachsen, und deshalb "depriviert" ist .... ich habe dann immer so Bilder im Kopf von einer Hündin in einer schön warm mit Stroh ausgepolsterten Box, wo die Welpen rumkraxeln, und dann mit wachsender Mobilität einen Stall erkunden (mit Kühen, oder Pferden, oder Schweinen, mit deren Geruch und Geräuschen), dann auf dem Hof rumlaufen, immer mal wieder die Versorgung (und auch streichelnden Hände) von Menschen erfahren, die Traktorengeräusche hören und auch sehen, wo das herkommt und was diese Geräusche macht, den ersten Mäusen und auch Katzen begegnen ...
Da stelle ich die (oft selbstgestellte) "Diagnose" eines durch Reizentzug an einem aufzuchtbedingten Deprivationsschaden leidenden Hund doch sehr in Frage ...
Da bereitet mir mehr Sorge die Frage nach der Auswahl der Elterntiere, ob bei denen die gesundheitlichen und auch charakterlichen Eigenschaften so sorgfältig geprüft wurden, wie ich es mir für eine verantwortungsvolle Zucht vorstelle.
Zumeist hat man ja bei diesem Hintergrund doch nur "mal eben einen Rüden drüberhüpfen lassen", weil es grad passte ...
Dieses, durch einen Mangel an notwendigen Reizen zur Hirnentwicklung verursachte Deprivationssyndrom ist nicht zu verwechseln mit dem - besser unter dem Begriff "Hospitalisierungssyndrom" bezeichnete - Deprivationssyndrom, welches durch Isolation verursacht wird, und auch in späteren Lebensjahren auftreten kann.
Auch hier wird durch den dauerhaften Entzug von Reizen eine Veränderung im Gehirn bewirkt, ähnlich der Wirkung von traumatischen Ereignissen. Nur dass diese Veränderung sich über einen längeren Zeitraum entwickelt, während traumatische Ereignisse "nahezu unmittelbar eine Blockade von bis dahin üblichen, normalen Verarbeitungswegen im Gehirn" verursachen (in Anführungszeichen, weil das eine sehr laienhafte Beschreibung dessen ist, was Traumata im Gehirn verursachen, und auch nur unzulänglich das Leiden für Betroffene beschreiben kann).
Damit zum Junghund.
Ein in Wallung befindliches Hormonsystem ist kennzeichnend für diese Entwicklungsphase des Hundes. Besonders starkem "Hormonchaos" ist der Junghund in der Pubertät ausgesetzt, und wie er dann welche Umweltreize verarbeitet, ist oftmals von der Tagesform des Hundes abhängig - und die kann an besonders schlimmen Tagen auch mehrfach wechseln ...
Ja, dann kann unglaublich viel schiefgehen, und wenn der Hund in dieser Phase nicht besonders sorgfältig beobachtet und behandelt wird, "prägen" sich Erfahrungen und Erlebnisse "fürs Leben" ein.
Oft erlebe ich dann Menschen, die einfach nur genervt sind von dieser Phase und sich wünschen, sie wäre bald vorbei.
Ja, es ist nervig und unglaublich anstrengend, wenn man einen Hund, den man bis dahin als verlässlich im Einschätzen seines Verhaltens und auch umgänglich und gut händelbar erlebt hat, auf einmal gar nicht mehr so verlässlich und händelbar ist.
Hunde benötigen aber in dieser Phase keinen genervten Menschen, der diese Phase aussitzt und darauf wartet, dass diese Phase endlich vorbei geht.
Sie benötigen einen "Fels in der Brandung", einen immer verlässlichen, mit Gleichmut, Nachsicht und liebevoller Konsequenz agierenden Menschen, der ihnen Halt und Orientierung gibt, ein sicherer Hafen ist wenn sie Schutz suchen oder brauchen, der im Blick hat was dieser Hund in dieser Phase verarbeiten und leisten kann - und ihn davor bewahrt, Fehler zu machen die weitreichende Konsequenzen für das weitere Leben dieses Hundes haben könnten.
Sonst können für einen altersentsprechend noch ungefestigten Hund bestimmte Ereignisse prägend fürs Leben sein, und einen entsprechend hohen, unbequemen oder gar stark einschränkenden Umgang in der Haltung/dem Umgang für den Rest des Lebens nach sich ziehen.
Zusammenfassend:
Scheinbare Aufzuchtdefizite im Welpenalter halte ich eher seltener für die Ursache von Verhaltensauffälligkeiten im weiteren Verlauf des Lebens eines Hundes.
Hier ist eher der Umgang mit diesem Welpen verantwortlich, welche Erfahrungen er durch den Besitzerwechsel und damit verbundenem Umfeldwechsel macht.
Ein Hund, der auf einem Bauernhof aufgezogen wurde, ist nicht depriviert aufgrund der Tatsache, dass er keine typischen Großstadtumweltreize in seiner Welpenzeit kennenlernen durfte. Er wird schlicht reizüberflutet durch unkundige Halter, die ihn diesen für den Welpen bisher unbekannten Großstadtumweltreizen ungefiltert aussetzen. Auch das macht etwas mit dem Gehirn eines Welpen, denn bei einer Reizüberflutung hat das Gehirn keine Möglichkeit, einzelne Reize genügend zu verarbeiten, und das Gehirn legt sich dann eigene, nicht beeinflussbare "Umgangsweisen" mit diesen Reizen zurecht, die nur schwer wieder zu beeinflussen sind, wenn sie sich einmal etabliert haben.
Beim Junghund werden dagegen oftmals Fehler gemacht, die sich lebenslang auswirken, und schwer wieder zu korrigieren sind.
Passend dazu eine Begegnung, die ich erst gestern hatte:
Eine unsichere Junghündin, 21 Monate alt, kam uns mit ihren Menschen entgegen, Kontakt war erlaubt. Ich habe die Begegnung so gemanaged, dass die Hündin meine Hunde einzeln kennenlernen durfte, eine detaillierte Beschreibung des Ablaufs findet ihr im Spoiler.
Wichtiger ist der Grund: ... und den gibt es im nächsten post, weil ich jetzt zum ersten Mal beim Abschicken die Mitteilung bekam: Deine Nachricht ist zu lang ... ![]()
Meine zweite Hündin hat einen Deprivationsschaden. Der ist wahrscheinlich bereits vor der 8. Woche entstanden. Und er geht auch nicht mehr weg, mit dem müssen wir und sie leben. Und sie ist in ihren ersten zwei Lebensjahren - nachdem sie auf der Straße aufgegriffen wurde - erst im Shelter gewesen, da beinah verhungert, dann nach Deutschland verfrachtet worden, wo sie in dauernder Angst gelebt hat
Woher stammt denn die Annahme, daß hier die ersten 8 Wochen schlecht gelaufen sind? Bekannt ist doch eigentlich nur, daß sie mit grob 2 Jahren auf der Straße war?
Da hast du vom Text her etwas falsch verstanden - sie war nicht 2 jahre auf der Straße und ist dann aufgegriffen worden, sondern ist auf der Straße aufgegriffen worden (wohl sehr jung) und hat ihre ersten 2 Lebensjahre in einem Shelter verbracht.
Ein Deprivationsschaden in den ersten 8 Lebenswochen wird vermutet, da sie diese Welpenzeit aber wohl vor dem Ergreifen und Verbringen in ein Shelter "auf der Straße" verbracht hat, kann dies nicht mit Sicherheit gesagt werden.
Hof und Zwinger zwar, aber die Hunde wurden sehr gut behandelt und sind kleine selbstbewusste Hunde gewesen, als sie in die Welt gezogen sind.
Also keine Konfrontation mit Umweltreizen,
"Keine Konfrontation mit Umweltreizen" ist eine der typischen Fehlannahmen, aus denen dann mögliche Deprivationsdiagnosen abgeleitet werden.
Natürlich bietet ein Hof unglaublich viele Umweltreize, die das Hirn in seiner Entwicklung anregen. Es ist Deprivation, wenn Hündin und Welpen während (fast) der gesamten Aufzuchtzeit in einem dunklen Verschlag, ohne Beschäftigungs- und Bewegungsmöglichkeit, aufwachsen.
Dass man gerade in der Pubertät einiges verbocken kann und einem Dinge entgleiten können, steht auf einem anderen Blatt - zumindest für mich. Dass eine isolierte Haltung in keinem Lebensalter ok ist, ebenfalls.
Direkt zwei sehr wichtige Aspekte, denen ich uneingeschränkt zustimme.
Aspekt 1: Der Junghund, der absolut entwicklungstypisch einem sturmgepeitschten Hormoncocktail ausgesetzt ist, auf den weder er noch der Mensch Einfluss hat, ist besonders anfällig für ein "Verbocken für den Rest des Lebens".
Das Einzige, worauf der Mensch hier Einfluss ausüben kann, sind die Umwelt- und Umfeldbedingungen, denen ein Junghund in dieser sensiblen Phase ausgesetzt ist - und hier gilt als Faustregel: Fehler im Verhalten einkalkulieren, und das Umfeld so aussuchen, dass Fehler keine nachhaltigen Folgen haben, und ausreichend Pausen/Ruhe/Erholungszeiten geben, damit der Jungspund Erlebnisse/Erfahrungen auch verarbeiten kann.
Die eigenen Ansprüche in der Zeit auf ein Mindestmaß zurückschrauben, und sich auf das Wesentliche bei seinen eigenen Ansprüchen an den Jungspund beschränken, ist auch sehr hilfreich - für das eigene Nervenkostüm, und damit auch für die Entwicklung des Jungspundes.
In keiner anderen Lebensphase tritt das Phänomen der "Das hat er ja noch nie gemacht"-Erfahrungen so stark auf wie in dieser.
Aspekt 2: Eine isolierte Haltung wirkt sich in jedem Lebensalter negativ aus. Wobei genau hingesehen werden muss, ob tatsächlich eine Isolation vorliegt oder nicht.
Wird z. B. ein operierter Hund, der im Anschluss an die Operation über einen längeren Zeitraum nur wenig bewegt werden darf, für diese Zeit einfach ausgesperrt, dann wird er isoliert, und empfindet das auch so.
Wird er von anderen Hunden in dieser Zeit getrennt, aber von seinen Menschen versorgt und bekommt Beschäftigung und Zuwendung, dann ist er zwar von den anderen Hunden und seinem gewohnten Leben isoliert, wird aber entsprechend betreut und erfährt so nicht eine Isolation an sich. Wobei aber auch hier ein Hospitalisierungssyndrom entstehen kann, als eine Sonderform der Deprivation.
Gerade im Internet gefunden:
Hundekot aufsammeln im Herbst: Alles was warm ist in die Tüte packen - wenn es piks, den Igel bitte wieder freilassen...
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Töten oder Tötungsabsicht ist noch mal ein anderes Gefährdungspotential für die Allgemeinheit als ein Hund der "nur" beschädigt, aber nicht mit der Absicht zu töten.
Es gab mal einen Bericht öffentlich einzusehen von Feddersen-Petersen, wo sie ein Gutachten zu einem auffällig gewordenen Hund erstellen sollte. Der Hund hatte wohl "zugelangt", F.-P. kam in ihrem Gutachten zu dem Schluss, dass der Hund über eine außerordentlich hohe Hemmung verfügte, die ihn nicht potentiell zu einer erhöhten Gefahr für die Umwelt machte.
Dabei fällt mir eine Eigenart meines ersten Hundes Marco ein, und eine kleine Geschichte dazu:
Bei besonders kleinen Kleinkindern (noch unter 2 Jahren, noch nicht so stabil auf den Beinen) hat er sich hingelegt, wenn diese ihn Streicheln durften.
Ein mal hat ein kleines Kind das dann als Aufforderung angesehen ... sich dazu zu legen, Kopf auf den Bauch von Marco, Gesicht ins Fell gekuschelt, mit einer Hand irgendwo am Hals rumgekrault
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