Beiträge von Hundundmehr

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    Bei der vereinsinternen Wesensfeststellung ist mein João der Richterin mit den Vorderpfoten auf den Schoß gesprungen; Sie hat ihn da ausgiebig durchgekrault, kurz ins Maul geschaut und anschließend als "freundlich, unbefangen und menschen-zugewandt, aber nicht aufdringlich" beurteilt.

    João hatte auf ihre Stimme reagiert - sie hat sich freundlich mit mir unterhalten, dabei aber immer wieder den vor ihr stehenden João angeschaut, und der hat das als Aufforderung zur Kontaktaufnahme angesehen...xD

    Bei mir gäbe es ein knappes positives Feedback (bei mir ein "Gut" ohne besondere emotionale Betonung), evtl.dann noch ein "Bleib" - und dann würde ich erst mal das machen was ich machen will, und wofür sie auf der Decke bleiben muss.

    Erst wenn ich fertig bin, gehe ich hin, gebe/mache etwas sehr lohnenswertes für den Hund, und gebe ihn dann aus dem Kommando frei.

    Ich mache also das Warten auf der Decke lohnenswert für den Hund.

    Ja, ich baue damit natürlich eine Erwartungshaltung des Hundes mir gegenüber auf.

    Er erwartet von mir etwas Positives.

    Auf Dauer resultiert daraus aber zumindest aus meiner Erfahrung die Grundeinstellung bei meinen Hunden, dass es nie zu ihrem Schaden ist, wenn sie ein Kommando von mir befolgen.

    Du könntest auf genau diese Art auch einen Klicker als Strafankündigung etablieren.

    Ja, kannst du.

    Ich kannte mal eine Trainerin (virtuell), die vehement aversive Methoden verteidigte (Tatsächlich nach dem Motto: Solche Hunde brauchen das!).

    Sie meinte, sie hätte es ja "positiv" versucht, mit einem Klicker.

    Es gab damals ein Video von ihr und ihrer Hündin, wo sie dieses Klickertraining zeigte.

    Der Hund bekam jedes Mal bei einem unerwünschten Verhalten von seiner Halterin eine äußerst derbe Kopfnuss - derweil in einer Entfernung von ca 20m die Helferin irgendwie wie blöd (einen gezielten Einsatz konnte man da tatsächlich nicht erkennen) mit einem Klicker rumklickerte.

    Die Trainerin war übrigens felsenfest davon überzeugt, sie hätte da ja "positives Training" gemacht - weil sie ja einen Klicker genutzt hat.

    Du gehst davon aus, dass eine aversive Absicherung eines Signals bedeutet, mittels Reizverknüpfung mit einem heftigem Schreckreiz, Widerwillen erzeugenden Reiz oder Schmerz das vorher neutrale Signal so zu verknüpfen, dass es beim Tier künftig unwillkürlich ausgeprägtes Meideverhalten auslöst. Und willst auf die Gefahr hinweisen, dass das unter Umständen nicht mal zum gewünschten Erfolg führt, weil durch die biologischen Mechanismen zur Bewältigung von extremen Stress vorherige Lernerfahrungen ausgelöscht werden können.

    Zum ersten Satz: Nein, es bedarf nicht zwingend eines heftigen Reizes zum Verknüpfen. Ausgeprägtes Meideverhalten muss es auch nicht sein - es reicht doch z. B. ein Unterlassen (wie das Aufnehmen von Fressbarem vom Boden beim Spaziergang) oder Abwenden (vom Fressbarem auf dem Boden).

    Zum zweiten Satz: Klar gibt es auch Gefahren, aber das ist überhaupt nicht mein Hauptanliegen.

    Mir geht es darum, zu erkennen was aversive Reize bewirken, und für sich selbst überlegen, ob man das will.

    Wir können im Leben keine aversiven Reize komplett ausmerzen.

    Aber will ich diese oft einsetzen - oder nicht doch überlegen, welche Alternativen es gibt/geben könnte, die dem Hund als denkendes und fühlendes Lebewesen gerechter werden.

    Wenn ich aber gar nicht weiß, was beim Einsatz aversiver Reize im Hirn des Hundes abläuft, dann kann ich es auch nicht reflektieren.

    Kennst du dich mit Aversionstherapie aus ( Phonhaus )?

    Diese basiert genau auf diesem Aversionsmechanismus, welcher über das ZNS (also nicht willentlich steuerbar) aktiviert wird, eben weil aversive Reize direkt an das Angstzentrum (umgangssprachlicher Ausdruck für die Amygdala) weitergeleitet werden.

    Eigentlich ist das tatsächlich eine Art "Button", um den Hund zum funktionieren zu bekommen.

    Über die Gefahren lasse ich mich hier nicht aus, das führt zu weit.

    Nur ein Beispiel dazu: Es gibt Hunde, die meiden nicht - die greifen an. Denjenigen, von dem diese Gefahr ausgeht.

    Echt jetzt?

    Ist das nicht das typische Schwarz-Weiß-Denken, wenn du schreibst, "entweder reagiert das ZNS heftig oder gar nicht"?

    Wäre ein Organismus überhaupt überlebensfähig, wenn dessen ZNS so reagieren würde?

    du hast offensichtlich überhaupt nicht verstanden, worüber ich geschrieben habe.

    Du weißt offenbar überhaupt nichts über die Aufgaben des Zentralen Nervensystems (ZNS).

    Das Zentrale Nervensystem sammelt und verarbeitet alle sensorischen Reize und leitet sie an die entsprechenden Stellen im Gehirn.

    Aversiv wirkende Reize werden ohne Umweg direkt an den Mandelkernkomplex weitergeleitet, und zwar den Teil, der bei Gefahr = Furcht aktiv werden soll - weil von diesem dann die nötigen Gefahrenabwehrmechanismen in Gang gesetzt werden.

    das hier klingt halt ganz anders als das was du jetzt sagst

    Klingt für dich anders, ist aber das Gleiche

    beschreibst Du das Zischen als bedingten Reiz,

    Nein? In diesem Fall werden 2 aversive Reize angewendet.

    Erhöht erfahrungsgemäß den Erfolg dieser Maßnahme.

    MMN ("die Hundeflüsterin" im ZDF) nutzte das "Kscht!" z. B., um Hunde an der Aufnahme von Dingen am Boden abzutrainieren.

    HTS nutzt ein (ich meine) "Hey" mit dem Stups mit dem Finger in die Flanke, um ein Abbruchsignal zu etablieren.

    Und ich hatte es so verstanden, daß es ohne Konditionierung Angst auslöst.

    Es gibt Reize, die über die Evolution im Gehirn als "Gefahr" verankert wurden.

    Gibt Schnittmengen

    Ja, die gibt es.

    Können wir uns darauf einigen?

    Na entweder konditionierst du den Zischlaut als aversiven Reiz - oder er ist von Natur aus angelegt!


    Wenn der erst aufkonditioniert werden muss, macht die Schlangentheorie keinen Sinn - denn dann wäre der Hund tot, bevor das passiert ist

    Es ging um das (plötzliche) "Kscht" in Verbindung mit einem plötzlichen Stups in die Seite.

    Sorry, ich ging davon aus dass hier Videos, in denen diese Methode zum Etablieren eines sicheren Abbruchsignals allgemein bekannt sind.

    Beides sind Schreckreize (plötzliches Zischen und plötzliches Stupsen).

    Es führt zu einem Abbruch dessen, was der Hund gerade tun will.

    Im weiteren Verlauf braucht es nur noch das "Kscht", um den Hund auch auf Distanz zum Abbruch zu bringen.

    Wenn ich einen Reiz als Schreckreiz einsetze, brauche ich nix "vorzukonditionieren" - der Schreck alleine reicht.

    Wie viele hier nutzen auch mal eine scharfes "Hey" ("Ey" oder ähnliches), wenn ihr nicht schnell genug an den Hund rankommt?