Was es für mich zusätzlich so schwer macht: Tiere halten unglaublich lange uns zuliebe durch. Sie fressen noch ein paar Bissen, heben noch einmal den Kopf, wackeln noch einmal durchs Wohnzimmer, uns zuliebe. Nicht, weil es ihnen gut geht, sondern aus Bindung. Und sie können und wollen uns nicht sagen, wie weh es wirklich tut. Es ist unfassbar, wie viel Schmerz Tiere verbergen können, bevor man überhaupt etwas sieht.
Es muss anber nicht zwingend sein, dass sie es "nur uns zuliebe tun".
Bei meinem Vasco wusste ich, dass es zu Ende geht.
Am Tag vor seinem Tod wollte ich ihm einen längeren Spaziergang nicht mehr zumuten, und machte mich fertig um einen schönen, großen Einzelspaziergang mit unserem jüngeren Hund zu machen.
Ich stand an der Tür, hatte Schuhe und Jacke an und die Leine von Leifur in der Hand - und da stand dann Vasco.
Er sah mich mit einem Blick an, der mir deutlich sagte: "Ich will mit!" - also habe ich auch ihn angeleint, umdisponiert, und eine eigentlich recht kurze Runde mit beiden Hunden gemacht, die aber deutlich länger ausfiel trotz der kürzeren Strecke, weil wir sie ganz und gar Vasco anpassten, der in Ruhe schnüffelte, markierte (in der Hocke, Bein heben ging seit wenigen Tagen wohl nicht mehr), noch ein paar andere Hunde kontaktierte (ruhig und kurz - aber andere Hunde waren schon immer seine Leidenschaft), und dann ging es wieder nach Hause.
Es war sein letzter "großer" Mittagsspaziergang, aber da wusste ich es noch nicht ... am nächsten Tag hat er noch die kurze Morgenrunde mit meinem Mann mitgemacht, und ist danach nicht mehr aufgestanden, die Hinterhand machte nicht mehr mit.
Da er auch das Fressen verweigerte (er hatten am Abend zuvor noch mit normalem Appetit seine komplette Mahlzeit gefressen) wusste ich: Jetzt ist es soweit.
Am Abend ist dann der TA nach seiner Sprechstunde zu uns gekommen, und er ist friedlich in seinem Zuhause eingeschlafen.
Leifur hatten wir während der Euthanasierung gemeinsam mit meinem Mann in einem anderen Zimmer - das hat sonst unser Sohn gemacht, aber dieser hatte eine ganz besondere Verbindung zu unserem Vasco, und so sind diesmal er und ich bei der Euthanasierung dabei geblieben.
Meine Schwägerin ist aus Berufung Palliativpflegerin im mobilen Einsatz, es ist sehr interessant, sich mit ihr über ihre Arbeit auszutauschen.
Sowas hätte ich mir bei meiner Bekannten damals gewünscht...
aber dieser langsame jahrelange Abbau, gegen den man sich mit Physiotherapie, mit immer neuer Medikamentenanpassung, mit Fitness und Trainings und Therapie auch wehrt, macht mich mürbe.
Muss man das als "Wehren" sehen?
Ich sehe darin eine Möglichkeit, die Auswirkungen dieses unausweichlichen Abbaus zu mildern, und dadurch mehr Lebensqualität für den Hund zu erreichen.
Wenn man möchte, daß der Hund zu Hause gehen kann, muss man das. (also Tage vorher einen Termin ausmachen)
Nicht zwingend.
Bei zweien meiner Hunde ist meine Tierärztin am gleichen Tag gekommen.
Beim dritten Hund - Vasco - war sie in Urlaub, und ich hatte vorher mit ihr besprochen, was ich machen kann wenn der "Fall des Falles" eintrifft, wenn sie in Urlaub ist.
Sie hat mit einem Kollegen gesprochen, mit dem sie des Öfteren zusammenarbeitet, und dieser hat sich bereit erklärt zu kommen, sollte Vasco während ihres Urlaubs euthanasiert werden müssen.
So ist das leider auch eingetroffen, und auch dieser Arzt kam noch am gleichen Tag, nach seiner Sprechstunde, zu uns.
Das macht sicher nicht jeder Tierarzt - aber sicher viele von denen, die auch noch Hausbesuche machen.
Man weiss einfach, xyz ist das letzte Mal etc. und nimmt es vermutlich anders/bewusster wahr.
Oh ja - und dieses Wissen, "Das ist jetzt das letzte Mal", bleibt verdammt lange im Gedächtnis haften...
Nichts davon möchte ich missen, so viele Erinnerungen sind da, und sie sind wertvoll, die traurigen genauso wie die guten, denn: Ich habe geliebt, und meine Tiere haben diese Liebe gespürt, im Guten wie im Schlechten.
Bisher hatte ich das Glück, alle meine Hunde mit dieser Liebe gehen zu lassen, bis zu ihrem letzten Atemzug.
Auch wenn es sehr weh tut.