Auch ich musste schon sehr oft die Entscheidung treffen, ein Tier gehen zu lassen. Eine Entscheidungshilfe für mich war dabei immer, mir vorzustellen, wie es weitergehen würde für das Tier, wenn ich nichts unternähme.
Deshalb ist dieser Satz von Mehrhund enorm gut formuliert:
Aber DU, entscheidest nicht, dass der Hund stirbt, du entscheidest nur wie er sterben darf.
Ich frage mich dabei immer, wie das Tier sterben würde, wenn ich sie nicht einschläfern lassen würde und wie gross die Lebensqualität noch ist.
Hier ein paar Beispiele:
- Meerschweinchen mit Arthrose: Sie bewegen sich weniger, sitzen in der Ecke, fressen nicht mehr und verhungern... eine langsame Verschlechterung, die ich mit Schmerzmitteln noch etwas aufhalten kann. Dank Schmerzmittel hat das Schweinchen Lebensqualität und ist noch im Rudel integriert. Es kommt NICHT zu einem plötzlichen schweren Leiden, ich kann also in Ruhe den Zeitpunkt bestimmen, sie gehen zu lassen.
Aktuell stehe ich grad auch vor dieser Entscheidung, ein Meerschweinchen mit schwerer Kiefergelenks-Arthrose. Auf Schmerzmittel spricht sie sehr gut an, sie wurde wieder munter und mischt sich "unters Volk", hat also Lebensqualität und frisst noch. Also gönne ich ihr noch ein paar Tage oder Wochen.
- schwere Herzkrankheit beim Hund (meine Vicky): Ihre defekte Mitralklappe konnte lange Zeit in Schach gehalten werden mit Medikamenten. Plötzliche Verschlechterung, Mitralklappe zu 2/3 abgerissen, die Lunge füllte sich langsam mit Wasser. Entwässerung nützt dabei natürlich nur kurz, weil sie sich unweigerlich wieder füllt. Der vollständige Abriss der Herzklappe wäre nicht langsam erfolgt, sondern plötzlich, also keine Chance, rechtzeitig zu reagieren.
Vicky wäre unter grossem Leiden qualvoll gestorben, bzw. erstickt.
Meine Entscheidung: Ich liess Vicky nach der Ultraschall-Diagnose einschläfern, obwohl sie von aussen gesehen noch wie "das blühende Leben" aussah. Damit wollte ich ihr ein qualvolles Ende ersparen, da so ein Notfall mitten in der Nacht oder wenn sie alleine zu Hause gewesen wäre, hätte passieren können. Solch einen qualvollen Tod wollte ich ihr ersparen.
- FrauSnuggles: Schwerkranke Hündin, die mit künstlichem Durchfall (inkl. Bauchweh) leben muss, ein plötzlicher Darmverschluss ist zu befürchten. Die Hündin weiss nichts von ihrem Damokles-Schwert und freut sich ihres Lebens. Ihr Tod ohne Euthanasie wäre aber sehr qualvoll, ein plötzlicher Darmverschluss (den niemand vorher sagen kann) ist enorm schmerzhaft und ein absoluter Notfall!
Sie müsste also unter grossen Schmerzen leiden, noch zum Tierarzt oder zur Notfall-Klinik transportiert werden, bis sie dann endlich (womöglich mitten in der Nacht) eingeschläfert und somit erlöst werden kann.
In solch einem Fall würde ich nicht zögern, die alte Hündin gehen zu lassen, bevor sie ein Häuflein Elend wird...
Alles Gute und viel Kraft!