Hallo liebe Apollo
Was ihr erlebt habt tut mir von ganzem Herzen leid 
Ich hab mir einiges herausgepickt und schreibe mal drauflos, okay?
Wir sind total am Ende. Wir sind totale Hundemenschen und wollen nicht, dass unsere Tochter jetzt ein Leben lang Angst vor Hunden hat. Ein Leben ohne Hund ist für uns alle unvorstellbar.
Ich verstehe total in welchem Gefühlschaos ihr euch gerade befindet. Ihr habt euch alles ganz anders vorgestellt, ihr mögt Schäferhunde, und ihr hattet mit eurem vorherigen Hund so eine schöne Zeit.
Apollo ist nicht unser erster Hund. Wir hatten bis vor einem Jahr einen anderen Schäferhund, den wir leider wegen Krebs gehen lassen mussten. Dieser Hund war einfach der perfekte Familienhund, der beste Freund unserer Kinder, unser Beschützer, unser bester Freund. Daher war klar, dass es wieder ein Schäferhund werden muss.
Ihr hattet Glück, so ein Goldstück zu erwischen. Jeder Hund ist anders, jeder Hund hat seine eigene Geschichte. Euer vorheriger Hund war ein Lamm, das muss man einfach so sagen. Und das ist okay, es gibt solche Hunde, die sich so fest binden, so treu sind, dass sie alles mit sich machen lassen. Das ist eine große Ausnahme und ein Glück.
Unsere Tochter musste ins Krankenhaus, weil sie schrecklich im Gesicht geblutet hat. Zum Glück(!) hat er das Auge verfehlt und sie wird keine bleibenden, körperlichen Schäden davon tragen. Aber Narben werden wohl bleiben. Es ist einfach schrecklich. Unserer Kleine hat seitdem furchtbare Angst vor dem Hund. Wir können den Hund nur mehr wegsperren, weil wir Angst haben, dass er nochmal zubeißt.
...und hier komme ich an den Punkt, wo ich ganz klar sagen muss, gebt ihn sofort ab.
Kein Kind sollte in Angst aufwachsen müssen. Sich zu Hause, dem Ort, wo es sich geborgen und sicher fühlen sollte, nicht mehr beschützt fühlen können.
Dieser Hund ist anders. Er ist nicht die Reinkarnation eures verstorbenen Hundes, er hat seine eigene Geschichte und seine eigenen Erfahrungen. Seine Zündschnur ist scheinbar kürzer, und das im Weg herumliegen in der Nähe von euch kann verschiedene, nicht freundliche Motivationen gehabt haben, das muss keine Anhänglichkeit sein.
Meine Kinder sind ebenfalls mit einer Schäferhündin aufgewachsen. Diese Hündin war 3 und von Welpe an bei uns, als das erste Kind bei uns kam. Von Anfang an war klar, dass sie von sich aus niemals! nie! niemals nicht von sich aus dem Kontakt sucht zum Kind. Nicht, als ich als der Klinik heimkam, nicht, wenn ich gestillt habe, nicht, als das Kind laufen konnte. Nicht, als es mit Breze in der Hand durchs Haus gewackelt ist. Nicht, wenn es Kinderbesuch hatte. Der Hund lag immer abseits, nie im Geschehen. Ich hatte sie immer im Blick, und sie war toll. Hat die Kinder ignoriert, hat sich um sich selbst gekümmert, war zurückhaltend und freundlich.
Umgekehrt durften die Kinder nie an den Hund, wenn er gefressen hat oder geruht. Der Hund wurde nie von den Kindern "miterzogen". Die Bezugsperson und zuständig für den Hund war allein ich. Die Schlafzimmer der Kinder waren tabu für den Hund, so dass die Kinder ungestört spielen konnten. Der Hund wurde nicht bedrängt und nicht umarmt oder bespielt, lag aber auch nie im Weg mitten Geschehen herum.
Ich muss sagen, niemals würde ich mir einenTierheimhund mit 3 kleinen Kindern ins Haus holen. Man weiß einfach gar nichts über den Hund, da wäre mir das Risiko viel zu groß.
Und, ja, man muss seinem Familienhund ein Stück weit vertrauen können. Man kann nicht immer 100% überall dabei sein, man muss dem Hund auch mal den Rücken kehren können, ohne dass man Angst haben muss, dass jemand zu Schaden kommt. Dafür ist euer Rüde wohl nicht der richtige.
Deshalb plädiere ich dafür, ihn abzugeben bzw. zurückzugeben ins Tierheim.
Was wir wissen wollen ist, ob das jetzt bedeutet, dass wir Apollo abgeben müssen, oder ob sowas ein einmaliger Vorfall sein kann? Ist unser Hund gefährlich, muss er vielleicht eingeschläfert werden?
Das kann euch niemand sagen. Es kann aber wieder passieren, wenn der Hund sich wieder in einer ähnlichen Situation findet und diese wieder durch Zuschnappen lösen möchte. Grund, sein Leben zu beenden ist das nicht. Aber ein Grund, ihn abzugeben, weil es mit euch als Familie, ganz speziell, in dieser Konstellation, nicht passt.
Im Grunde ist das Vertrauen im Eimer, und euer verletztes Kind ängstigt sich vor dem Hund. Ich persönlich würde das Ganze mit der Familie besprechen, den Kindern den Grund zu erklären, nämlich dass der Hund nicht an der richtigen Stelle ist bei euch und es einfach nicht passt. So wäre meine Wahl.
Ich wünsche euch von Herzen alles Gute und gute Besserung für eure Tochter 