Wenn man davon ausgeht, dass Homöopathie wirkt, warum nutzt man es dann nicht immer? Wenn man glaubt, dass Homöopathie eigentlich doch nicht wirklich so viel bringt, dass man es bei ernsten Dingen nutzen würde, wieso nutzt man es dann überhaupt?
Also, ich bin kein Homöopath, aber so wie ich es verstehe, soll Homöopathie dem Körper einen Anstoß geben, sich selbst zu heilen. Das geht natürlich am besten, wenn ein ungutes Prozess noch am Anfang steht und nicht schon voll ausgebrochen ist.
Deshalb setze ich meine Mittel (das sind übrigens auch oft Sprays oder Tinkturen) sofort ein, wenn ich merke, dass was nicht stimmt. Ich kombiniere auch mit pflanzlichen Tees oder Präparaten, wenn ich merke, es langt nicht. Oft kann ich so einen Infekt noch abfangen.
Beispiel: ich verkühle mich, bekomme Kopfweh vom Wind und friere. Ich könnte jetzt Aconitum nehmen als erste Hilfe. Danach geht es mir ist insofern besser, dass mir wieder warm wird und ich am nächsten Tag fit statt erkältet bin. Vergesse ich es aber, habe ich tags drauf Ohrenweh oder Schnupfen. Dann hab ich ein Komplexmittel von Hevert und ein Kolloid von Spenglersan, das bei Schnupfen im Vordergrund schnell hilft, oder Bryonia, wenn die Ohrenschmerzen im Vordergrund stehen.
Nehme ich gar nichts oder ist der Infekt sehr schlimm, bekomme ich Husten und Erkältung. Dann nehme ich zb zusätzlich Angocin, das ist pflanzlich, und lutsche Cystus Tabletten, die sind auch pflanzlich.
Hilft das alles nicht schnell, gehe ich zum Arzt.
Das obige hat zur Folge, dass ich sehr sehr selten beim Arzt bin, weil ich viele Infekte im Entstehen schon abfangen kann. Ich bin auch selten richtig fett krank. Ich liege so der Solidargemeinschaft weniger auf der Tasche, bezahle meine Homöopathie selbst und sehe keinen Nachteil für irgendwen, wenn ich das so handhabe.
Beim Hund und bei den Kindern bin ich schneller beim Arzt. Ich geb zwar auch Globuli, wenn die Hunde Durchfall haben, dazu Heilerde und Kohletabletten, fange aber auch schonmal an, Kot einzusammeln, um testen und ggf mit "Chemie" behandeln zu lassen.
Nochmal zu der Anfangsfrage:
Wenn man glaubt, dass Homöopathie eigentlich doch nicht wirklich so viel bringt, dass man es bei ernsten Dingen nutzen würde, wieso nutzt man es dann überhaupt?
Der Herzinfarkt oder Schlaganfall steht am Ende einer unter Umständen jahrzehntelangen Kette an Entgleisungen im System des Körpers. Dass da keine leichten "Anstöße" helfen, ist für mich eigentlich klar.
Man sagt, so lange die Krankheit kommt, so lang dauert es, bis sie geht.
Und, unser Körper ist keine Maschine, die man mit Medikamenten repariert, um sie wieder benutzen zu können.
Vieles, zb das Immunsystem oder das Hormonsystem und wie es wirkt, ist noch gar nicht ausreichend erforscht. Deshalb denke ich auch, dass man nicht alle Erfahrungen, die Menschen mit dem Gebrauch von Homöopathie machen, einfach so einordnen kann in "war halt nur Placebo" oder "wirkt nicht", weil jeder Körper ein eigenes Universum ist. Manche Menschen mit den gleichen Symptomen reagieren sogar unterschiedlich auf das gleiche homöopathische Mittel. Dem einen hilfts, dem anderen vielleicht nicht oder seine Beschwerden verschlimmern sich vielleicht sogar, deshalb sind auch vergleichende Studien so schwierig.
Die Art und Weise, wie und wo Homöopathie ansetzt oder nicht wirkt, ist vielleicht jetzt noch unklar, aber das heißt nicht, dass es nicht irgendwann herausgefunden werden kann.