Ich war immer der Meinung, mein Hund hat mich nicht anzuknurren. Ich hatte lange den Gedankengang, dass ich alle Aktionen des Hundes kontrollieren müsste, damit er einwandfrei "funktioniert" und in meinen Augen gut erzogen war. Den Herrn anknurren gehörte für mich zu einem No-Go.
Tatsächlich angeknurrt wurde ich eigentlich nur einmal von einem meiner Hunde vor etlichen Jahren, als ich ihn nach einem Essensklau durch die Wohnung verfolgt hatte und ihn in die Enge getrieben hatte, das hat mich damals so geschockt, dass ich sofort weggegangen bin und sowas auch nie mehr gemacht habe. Der hatte sich im hintersten Eck unterworfen, lag auf dem Rücken und hat dann ganz leise gegrollt. Das hat mich wirklich gegruselt, und ich war einfach zu weit gegangen.
Und der Senior, der knurrt grundsätzlich wirklich viel, weil er sehr empfindlich ist bei Berührung, besonders beim Kämmen oder Krallenschneiden und wenn Kinder oder andere Hunde sich ihm nähern. Beim TA übrigens hat er noch nie geknurrt ![]()
Anfangs, als der Senior hier eingezogen ist, vor über 3 Jahren, war ich noch auf dem Dampfer, dass er eben die Klappe zu halten hat und mich hinlangen lassen muss, wo ich will. Da hat er auch öfter bei Kämmen geschnappt, ich hab geschimpft, es war unentspannt und es war einfach ein Chaos beim Bürsten.
Inzwischen mache ich es so, wie Sunti es beschreibt.
Ich nehme sein Knurren zur Kenntnis, sage ihm das auch, habe einen tröstenden Tonfall, wenn ich mit ihm rede, wie gemein ich gerade zu ihm bin und wie toll er mitarbeitet. Ich schimpfe nicht mehr, sondern sage ihm, dass ich weiß, wie unangenehm das jetzt für ihn ist, und dass ich es versuche, so angenehm wie möglich zu machen. Seitdem ist es eher ein Winseln und Jammern, aber kein Drohen mehr, was er äußert.
Meine Große und meine DSH - Hündin davor haben aber tatsächlich kein einziges Mal in ihrem ganzen Leben einen Menschen angeknurrt, weder mich noch jemand anders. War scheinbar nie notwendig, oder sie hatten einen langen Geduldsfaden, oder es war Typsache ![]()
Wenn der Senior droht, werde ich sofort hellhörig. Einmal saß er unter dem Tisch, als wir bei Freunden eingeladen waren. Trotz deutlicher Worte meinerseits an die Kinder dort kroch ein Junge unter dem Tisch zu Sammy hin, um ihn zu streicheln. Ich hörte es knurren, hab unter den Tisch geschaut und den Jungen dort entdeckt und dann auch weg komplementiert. Ich hätte es sonst ohne Knurren gar nicht mitbekommen und war froh drum, denn der Senior hätte auch zulangen können.
Auch den Welpen knurrt er an, wenn es ihm zu viel wird. Dann weiß ich, es ist jetzt höchste Zeit, dazwischen zu gehen.
Also, Fazit: inzwischen fällt mir kein Zacken mehr aus meiner Rudelführerkrone und sehe ich nicht mehr meine komplette Erziehung in Gefahr, weil mich einmal mein Hund anknurrt, weil für ihn was unangenehm ist oder er mir Bescheid gibt, wenn ihn was stört. Ich nehme es zur Kenntnis und reagiere darauf.
Es nimmt sich aber auch keiner meiner Hunde heraus, mich mit fetten Drohungen irgendwie einzuschüchtern, weil unser Verhältnis grundsätzlich einfach total okay und intakt ist. Meine Hunde wissen, ich höre ihnen zu, und sie mir. So gefällt es mir viel besser und fühlt sich einfach auch besser an.