Endlich hab ich Zeit, hier auch was zu schreiben ✍🤓
welche Grundüberzeugungen hinter diesen Aspekten stehen, also ob man so etwas wie eine "Erziehungsphilosophie" hat
Wenn ich etwas von meinen Hunden gelernt habe im Laufe der Zeit, dann ist das, dass jeder Hund anders ist und jede starre Philosophie irgendwann an ihre Grenzen stößt.
Ich bin mit Hunden aufgewachsen und hab im Laufe der Zeit verschiedene Vereine, Schulen und Kurse besucht. Natürlich hab ich auch immer schon viel gelesen, besonders in der Zeit, wenn ich einen "Problemhund" hatte.
Als wir gerade einen Podencomix hatten, der mich komplett an meine Grenzen gebracht hat, da unheimlich intelligent und sehr unkooperativ, wenn es um meine Wünsche ging, habe ich ein Buch über Natural Dogmanship gelesen.
Einiges war mir total einleuchtend, und dieses Buch hat irgendwie das erste Mal einen kleinen Ausschnitt gezeigt, wie mein Hund (Jagdhund) so tickt und wie ich mir das zunutze machen kann.
Heute bin ich davon wieder weg und habe meinen eigenen Weg gefunden, aber damals hat mir diese Art des Trainings sehr viel geholfen (auch, wenn wir ihn dann trotzdem abgeben mussten aufgrund anderer familiärer Unstände).
Eine Zeitlang habe ich mich für die Methode von CM interessiert, der Senior kam 9jährig zu uns und war nach dessen Prinzipien gedrillt worden vom Vorbesitzer. An ihm habe ich leider gesehen, wie schädlich ein falsch verstandenes Bild von Dominanz und Rudelführerschaft ist und wie sehr das Verhältnis zwischen Hund und Mensch verarmt und leidet, wenn man die Beziehung zum Hund ausschließlich über Kontrolle definiert. Das wollte ich für mich und meine Hunde nicht und lehne es ab.
Die Worte Dominanz, Rudelführer, Chef, Führer etc. waren für mich damals, bevor ich mich im DF angemeldet hatte, nicht negativ behaftet. Es gibt ja auch unter Menschen gute Chefs und schlechte, fähige und unfähige. Ich hab meine Beziehung zu meinen Hunden sehr hierarchisch gesehen, mit mir oben an der Spitze und meine Hunde folgen mir. Ich hab schon einiges mit Blick auf die Hierarchie auf eine bestimmte Art gehandhabt, weil ich wollte, dass der Hund mich als Führungspersönlichkeit wahrnimmt. Und, ich wollte ein guter und vertrauenswürdiger Leader sein.
Heute denke ich, je mehr und je verzweifelter ein Mensch sich an eine Art Fahrplan halten muss, um von seinem Hund als Institution wahrgenommen zu werden, umso unsicherer ist er im Grunde genommen selbst, vielleicht war das auch bei mir so.
Das hat dann eher mit Training zu tun weil Hunde ja schnell lernen. Der Mensch freut sich, supi, mein Hund sieht mich als Chef, weil er mich als erstes durch die Tür lässt, aber der Hund hat halt gelernt, dass er einen Rüffel kriegt, wenn er vorn läuft, und wenn das dem Menschen so wichtig ist, dann soll halt der vorn laufen. So in etwa stell ich mir das heute vor.
Heute jedenfalls ist mir das alles gar nicht mehr so wichtig wie früher. Natürlich ist mir ein gut erzogener Hund wichtig, ich möchte, dass meine Hunde mich ins Restaurant genauso begleiten können wie in die Stadt und in den Urlaub und möglichst unauffällig mitlaufen und sich niemand an ihnen stört oder belästigt fühlt. Das erreiche ich mit Erziehung und Üben und viel positiver Verstärkung und auch der negativen Rückmeldung, wenn was Doofes gemacht wird.
Meine Beziehung zu meinen Hunden hat sich in der letzten Zeit nochmals vertieft, weil ich nicht hinter jedem Move, den der Hund macht, Dominanz sehe, die es zu unterbinden gilt. So dürfen meine beiden auf die Couch (und müssen diese verlassen, wenn ich es sage), dürfen auf meinem Schoß Platz nehmen und auch so ziemlich viel, und es gibt eigentlich kaum Konflikte, weil irgendwie alles geklärt und okay und friedlich ist.
Heute reizen mich diejenigen Hunde viel mehr, die nicht zu allem "Ja und amen" sagen, wahrscheinlich sitzen deshalb hier zwei Terrier. Klar sind die manchmal vielleicht speziell, aber besonders der Jungspund hat mich bisher immer nur positiv überrascht.
Dem braucht man nicht mit Dominanz und Drohgebärden kommen, dann bist du komplett unten durch. Kann ich immer mal sehen, wenn wir Besuch haben, der meint, dem Hund irgendwie blöd zu kommen. Der wird ignoriert und gemieden.
Aber motivierst du ihn zu irgendwas tollem, sind diese Hunde so unglaublich leistungsbereit und voller Hingabe.
Genau diese Hingabe hätte ich früher vielleicht nicht in dieser Form erreicht mit den Mitteln, die ich kannte. Insofern auch mal ein großes Danke an alle, deren hilfreiche Beiträge ich seit über 3 Jahren lesen und ausprobieren kann

Wenn wir unterwegs sind, stößt besonders der Senior immer mal an seine Grenzen. Er mag es nicht, von fremden Hunden fixiert oder angemacht zu werden, oder er mag nicht von Fremden gestreichelt werden. Früher hätte ich gesagt, das muss sich ändern, das muss ich unterbinden, weil ich der Chef bin.
Inzwischen sage ich, der Hund teilt mir mit, wenn ihn was stört, und klar muss er auch einfach mal durch Situationen durch, aber er hat eben auch seine eigene Persönlichkeit, die ihn ausmacht. Und ich kann das auch so hinnehmen und mein Training drum herum bauen. Natürlich nur, wenn es niemanden anders belästigt oder stört. Kläffen zb geht natürlich nicht, auch, wenn er der Typ dafür wäre, und das wird dann auch konsequent unterbunden.
Manchmal sind auch einfach alle Löffelchen aufgebraucht und der Geduldsfaden besonders kurz, ich funktioniere doch auch nicht immer perfekt. Das hat dann nichts mit Untergraben meiner Dominanz zu tun, sondern die Situation war halt einfach too much für den Hund. Nächstes Mal arbeite ich daran, den Hund früher rauszubringen. Deshalb halte ich auch nichts davon, Fehler zu provozieren, um den Hund dann zurechtweisen zu können. Ich wünsche mir Zusammenarbeit und ein enges Vertrauensverhältnis, und das erreiche ich nur über viele schöne gemeinsame Momente, wo man zusammen tolle Dinge erlebt und Probleme zusammen löst.
meine Aufgabe dafür zu sorgen, dass eine tragfähige Kommunikations- und Beziehungsbasis zwischen Hund und Mensch gelegt wird

Viele Menschen sind viel zu fixiert darauf, ihrem Hund etwas mitzuteilen, finde ich.
Dem Hund zuhören, was er gerade leisten kann (Alter, Erziehungsstand, körperliche Einschränkungen, Stress, ein Zuviel an Sinneseindrücken) und was er braucht oder worauf er gerade Lust hätte (geht natürlich nicht immer, aber ich kann es vielleicht trotzdem in meine Überlegungen mit einbeziehen wenn mein Hund eine Wasserratte ist oder nicht gern in die Stadt geht oder ein erhöhtes Ruhebedürnis hat) finde ich mindestens genauso wichtig.
Kommunikation ist ja keine Einbahnstraße.
So bekomme ich (hoffentlich) am Ende einen Hund, der sich verstanden fühlt und gern mit mir zusammenarbeitet. So macht Hundehaltung am Ende richtig Spaß, finde ich (wenn die anderen nicht wären
)
Ende der Predigt
