Ich möchte gern diesen Beitrag nochmal hochholen:
Das sagt übrigens der Deutsche Tierschutzbund zu Leinenruck und co. (S. 6 - 7, „Aus Tierschutzsicht abzulehnende Trainingsmethoden“):
https://www.tierschutzbund.de/fileadmin/user…it_dem_Hund.pdf
Die genannten Studien solltet ihr euch auf jeden Fall auch mal anschauen.
Ich wünsche euch alles Gute!
...und aus der genannten Quelle zitieren:
Zitat
bauen moderne Erziehungskonzepte auf die Erkenntnis, dass Hunde leichter und nachhaltiger lernen, wenn sie nicht „untergeordnet“, sondern für das erwünschte Verhalten belohnt werden. Ständiges Reglementieren und Kommandieren schadet der Bindung vom Hund zum Menschen
und lässt den Vierbeiner im schlimmsten Fall gar nicht oder nur aus Unterwürfig-
keit, gar Angst gehorchen.
Hunde, die aus Angst oder Resignation gehorchen, sind keine verlässlichen Partner, sondern im Zweifelsfall tickende Zeitbomben (Feddersen-Petersen 1989; Schneider und Ketter 2016). Angst führt zudem zur Lernblockade (Del Amo und Theby 2011).
(Fettdruck von mir)
Mir fällt ebenfalls bei der Schilderung des "Trainingsplanes" auf, dass sehr viel körperlich gearbeitet wird (wurde schon darüber geschrieben). Ich hab früher selbst so trainiert, und es macht einfach so null Spaß und frustet Mensch und Hund. Ich spreche nicht von angebrachter Korrektur, sondern von folgender Problematik:
Wenn du schreibst, der Hund wird nicht angeschaut und nicht angesprochen, und auch nicht belohnt, dann nimmst du aus deinem Werkzeugkasten die allerwichtigsten Werkzeuge einfach ohne Not heraus.
Du sagst, es hätte bei der Leinenführigkeit nichts gebracht, als ihr gelobt und Leckerli gegeben habt. Nun, vielleicht war euer Timing falsch, oder ihr habt euch nicht interessant genug gemacht, oder es ihm abgewöhnt. Es hat ja einen Grund, warum euer Hund euch nicht anschaut.
Wenn ihr die Richtung ändert, und der Hund kriegt das erst durch den Leinenruck mit, dann hat er offensichtlich vorher nicht nach euch geschaut, sondern woanders hin. Natürlich kann ein Hund nicht die ganze Zeit nur zu seinem Halter schauen, das ist bei einem Junghund eh von der Konzentration her nicht drin, aber er sollte schon im Kopf auch immer ein kleines Eckchen frei haben, wo er bei seinem Menschen bleibt und reagiert, wenn der ihn anspricht und was von ihm will.
Wenn also euer Hund euch schon so wenig beachtet, dann verwendet ihr den Leinenruck, um ihn zum Mitkommen und Reagieren zu bewegen. Er wird nicht etwa angesprochen und dann gelobt, wenn er guckt, er wird nicht mit Fingerzeig an die Seite geleitet, ihm wird keine Bestätigung in Form von Lob oder Leckerli angeboten.
Das, was ihr da versucht zu erreichen, ist ein Roboter. Das hat mit einer funktionierenden und auf gegenseitigem Respekt und Zuneigung basierendem Mensch/Hund-Team nichts mehr zu tun.
Hunde können sehr, sehr viele Kommandos und gesprochene Signale abspeichern und umsetzen. Daher würde ich gucken, dass ihr eine wohlwollende Einstellung dem Hund gegenüber entwickelt und mehr mit ihm sprecht anstelle dem öden Training im Viereck.
Dann würde ich nach Vorzeichen suchen, die anzeigen, jetzt gleich packt der Hund zu. Das kann eine Veränderung im Ausdruck der Augen sein, ein Senken des Kopfes. Die Situationen, wo das Festbeißen stattfindet, würde ich genauestens untersuchen. Was passiert direkt davor? Kann man den Hund vorher verbal wegschicken? Und zwar nicht körperlich, sondern man kann einem Hund beibringen, auf Fingerzeig wegzugehen. Kann man dem Hund ein Kommando geben, zum Beispiel ein Sitz oder Platz auf Distanz? Das muss man vorher natürlich üben, und dann bitte in kurzen Einheiten, ein oder zwei mal und bestätigen mit Leckerli oder wenigstens Stimme, direkt bevor man wieder auflöst.
Ich würde alles bestätigen und loben, wo der Hund freiwillig oder auf freundliche Anweisung weggeht von der Frau. Ich würde auch im Umgang aufpassen, dass er die Frau nicht begrenzt oder kontrolliert, also ihr ständig auf den Füße liegt, auf der Couch an sie heranwanzt oder ihr im Weg herumwuselt.
Und schlussendlich, Rituale helfen, wie BieBoss es schon geschrieben hat. Kommt die Frau heim, geht der Hund auf den Platz oder Körbchen, bis er Freigabe bekommt. Es gibt keine überschwänglichen Verabschiedungen oder Begrüßungen, sondern Frauchen geht aus dem Haus und kommt wieder, so wie früh die Sonne aufgeht und abends untergeht. Kein Grund, sich aufzuregen.
Und bitte sucht euch einen Trainer, der nicht nach den Methoden von Annodunnemals trainiert. Nicht gegen den Hund, sondern mit ihm. Das macht euch und dem Hund mehr Spaß und wird euch auf Dauer viel Ärger und Frust ersparen. Und überlegt euch, ob ihr euch nicht zweierlei Halsband zulegt, wenn es zum Trainieren unbedingt ein Kettenhalsband sein muss. Eins für den Alltag und eins zum Training. Wobei ich Kette auch nicht so toll finde.
Alles Gute! 