Bin fertig mit "Über Menschen".
Ich mag ja die Art, wie Juli Zeh erzählt. Vieles, was ihrer Figur "Dora" im Frühling/Sommer 2020 so durch dem Kopf geht, hab ich gefühlsmäßig genauso erlebt. Dieses Gefühl, von allem überwältigt und weggeschwemmt zu werden. Nicht zu wissen, was auf uns zukommt. Den Vögeln im Lockdown beim Nestbau zuzugucken und das Gefühl zu haben, dass alles um einen herum irgendwie total surreal ist, dass man Teil von was komplett Verrücktem geworden ist und niemand kennt sich mehr aus. Die Hilflosigkeit, die Ohnmacht.
Mir selbst ist "Dora" dann doch ein bisschen zu passiv. Sie lässt viel geschehen und agiert wenig selbst. Am Ende hab ich aber trotzdem eine Tränen verdrückt. Sie beschreibt auch die Trauer ihrer Hauptfigur so wunderbar und eindringlich, dass ich mich selbst an eigene Momente voll Trauer erinnert habe, wo ich genauso das Gefühl hatte, von einem großen schwarzen Loch verschlungen zu werden. Wo man denkt, dass es unmöglich ein Leben ohne die geliebte Person geben kann und man trotzdem weitermachen muss.
Für mich war das Buch aus der Warte also sehr vielschichtig. Und als ich dann im Klappentext gelesen hab, dass Juli Zeh jetzt in Brandenburg als Richterin am Verfassungsgericht berufen wurde, ist mir schier die Kinnlade runtergefallen. Krass, was diese Frau alles geregelt kriegt ![]()