Man darf halt auch nicht vergessen, dass ein Hund auch ein individuelles Lebewesen ist.
Beispiel, meine Leonbergerhündin. Die war wirklich ein Hund aus dem Rassenkatalog. Sanft, null Wachtrieb, ruhig, hat den ganzen Tag gepennt. Rückruf saß, bis auf Wild, das direkt vor ihrer Nase durchstartete, wirklich immer sehr gut. Blieb in meiner Nähe und lief im Freilauf nirgendwo hin, wenn sie keine Freigabe hatte. Konnte man überall mitnehmen. Nie aufdringlich. Null Aggression.
Hundeschule war okay, leider kein Blitzmerker. "Höhere Aufgaben" waren ihr zu hoch. Einzig hat sie sich von Fremden nicht herumkommandieren lassen. Die wurden dann freundlich ignoriert. Stress mit anderem Hunden gab es nur, wenn sie angepöbelt wurde von kleinen Kläffern, das mochte sie nach einem Biss nicht. Ansonsten war sie ein super Hund. Und ich wollte nur deshalb keinen Leo mehr, weil ihr viel zu früher Tod mir schier das Herz gebrochen hat.
Klar kann man jetzt in den Raum stellen, sie war so, weil sie von Anfang an gut erzogen und trainiert worden ist. Ich wusste ja von Anfang an, dass sie +/-50 Kilo wird. Gab also keine Couch, Leinenführigkeit war Thema Nummer eins, anspringen verboten. So wie sie bei uns war, hätte man sie jedem in die Hand drücken können. Nur ne Katze hätte nicht auftauchen dürfen...
Jagdtrieb war leider so ab 5, 6 Jahre ein Thema.
Beim Jungspund hat uns, das denke ich jedenfalls, Corona einen fetten Strich durch die Aufzucht gemacht. Nichts mit anfängertauglich. Diesen Hund werde ich immer eng begleiten müssen. Läuft mit ihm super, man kann echt viel mit ihm machen, aber er braucht immer die Sicherheit, dass ich da bin und ihn durch unübersichtliche Situationen lotse.
In der Rassebeschreibung steht, Wheaten bleiben nicht gern allein. Damit hat Jack null Probleme, wenn man es "richtig" anpackt, sprich ihn daheim nirgendwo parkt, wo er den Gehsteig überwachen kann. Dann ruht er tatsächlich im Kennel und pennt.
Sprich, manchmal hat man halt auch den individuellen Hund und entsprechend Glück oder Pech. Wobei ich mir schon öfter gedacht habe, dass ich froh bin, dass Jack nicht mein erster Hund ist und meine Kinder schon groß. Als Ersthund wäre ich sicher überfordert gewesen. Mit dem, was ich an Erfahrung gesammelt habe und was ich hier im Forum gelernt habe und noch lerne, läuft es so gut, dass wir sehr gut zurecht kommen.
Kommt also schon auch auf die innere Einstellung an. Ob ich mit Marotten zurecht komme oder es der Weltuntergang für mich ist. Ob ich einen Plan habe und Hilfe, oder ob ich hilflos rumdoktere und den Hund dann möglichst schnell loshaben will/muss.
Das ist auch eine Frage, wie ich Hundehaltung an sich sehe, ist der Hund vollwertiges Familienmitglied mit Stärken und Schwächen, oder Accessoire oder Spielzeug für die Kinder, das zu funktionieren hat. Und, welche Ressourcen hab ich. Wie weit kann ich gehen, ab wann wird es zu hart für mich.
Überhaupt, ab wann "hab ich in die xxx gegriffen" (wie das Thema sagt)? Und was geht noch oder seh ich sogar nur als liebenswerte Macke? Ist ja auch individuell.
Oft lese ich einfach von Leuten, die das nötige Rüstzeug nicht haben. Das wurde unterschätzt, nun ist der Hund da. Dann muss man schnell lernen oder beizeiten einen Schlussstrich ziehen, bevor es hässlich wird. Oder man wurschtelt sich halt weiter so durch.
Es steht und fällt also auch mit dem Wissen, dem Bauchgefühl und dem Willen, sich weiterzuentwickeln.