Ich bin auch jemand, der inzwischen mit angezogener Handbremse im Gelände reitet und sofort Kopfkino bekommt, sobald das Pferd sich anspannt. Im Zweifel steig ich ab und führe, wenn ich die Situation gefühlt gar nicht im Sattel bewältige. Da ich auch viel Bodenarbeit mache, ist das für die Pferde und mich eine genauso gute Lösung, das Pferd an der Hand durch etwas durchzuführen.
Gestern bin ich auf dem Buben losgeritten, ein ganzes Stück Asphaltweg, und es war sehr windig und regnerisch. Und an einem Haus haben die Leute neue Terrassenmöbel bekommen, die mit einer wehenden, schwarzen Plane abgedeckt waren. Er stand wie erstarrt, hat versucht, sich zu drehen, und ist letzten Endes dann aber doch wunderbar weiter gegangen, als ich mit ihm gesprochen habe. Aber, mein Herz
. Ich seh mich dann immer schon unten liegen.
Ich kenne ihn noch nicht so gut, ich weiß, dass er eher ruhig ist, aber nicht 100% straßensicher, und wenn ihm was nicht passt, sagt die Besitzerin, erstarrt er und geht rückwärts oder macht einen Satz in den Graben
Damit könnte ich leben, aber in meinem Kopf eskaliert das dann immer gleich.
Bisher hat er noch nie was Blödes gemacht. Er ist unsicher, aber er bleibt immer stehen, guckt sich was an und geht dann mit Zureden von selber, ohne dass ich jetzt weiter Druck machen muss, weiter. Soweit, so gut.
Trotzdem, wenn er stehenbleibt und den Kopf erstmal hochreißt, geht bei mir ein Kopfkino vom Feinsten los. Ich muss mich da wirklich zwingen, an anderes zu denken. Dass ich gut sitze, die Zügel nicht zu eng nehme, meinen Hintern (
) entspanne, Beine lang, atmen... dann geht er auf Stimme schön weiter, überhaupt hört er wunderbar auf meine Stimme. Er lässt sich aus jeder Gangart auf ein leises "Easy" durchparieren, er war noch nie kopflos. Das ist alles nur in meinem eigenen Kopf drin.
Gestern der Ausritt war dann im weiteren Verlauf auch echt toll, wir sind viel getrabt, auch, dass er eventuellen Druck abbauen kann, sind paar mal galoppiert, und er neigt zwar zum Buckeln, aber da war absolut nichts, was ich bemängeln könnte. Ein absoluter Traum.
Aber Asphalt und guckiges Pferd ist für mich einfach negativ belegt (mit mir ist mal ein Pferd auf der Hauptdurchgabgsstraße eines Dorfes durchgegangen mit einem Mähdrescher hintendran. Wir wollten die Straße nur überqueren).
Und durch das Quartermädel hab ich halt auch die Erfahrung gemacht, dass du in der einen Sekunde noch entspannt lachend im Sattel sitzen kannst und das Pferd am langen Zügel hast, und im nächsten Moment liegst du runtergebuckelt im Dreck und kannst dich nicht mehr rühren und darfst auf den Sanker warten.
Ich reite übrigens nur noch mit Komperdell Weste und gutem Helm aus. Und stelle meinen Standort für die Dauer meines Ausritts über WA in meine Familiengruppe, so dass immer jeder weiß, wo ich bin, falls was passiert.