Für die eine Stunde oder zwei kann ich auch mal aushalten, dass es zwackt weil ich förmlicher angezogen bin 
Das find ich total befremdlich
.
Ich muss da durch und mich unwohl fühlen wenn es die Situation her gibt weil es von anderen als unangemessen empfunden werden könnte, wenn ich bequeme Klamotten trage...
Versteht mich nicht falsch, ich will da gar keinem auf die Füße treten und wenn es sein muss finde ich schon auch die Balance zwischen dem was die Gesellschaft vor gibt und wie ich mich noch wohlfühle. Die Gedankengänge sind mehr philosophischer Natur. Meine Schwiegermama ist "so eine gesellschaftliche Norm" und tut sich manchmal mit meinem Anblick sehr schwer weil ich grundsätzlich ungebügelt und mit zwei verschiedenen Socken aus dem Haus gehe. Für sie ist das ganz schwer zu ertragen weil "man das nicht macht". Warum man das nicht macht konnte sie mir noch nie richtig erklären, weil sie es nicht wirklich hinterfragt. Das geht für mich in dieselbe Richtung
. Es tut niemandem weh, ich fühle mich wohl und sauber gekleidet bin ich ebenfalls.
Naja, es ist ja immer ein Spagat zwischen dem, was die Gesellschaft erwartet und dem eigenen Wohlgefühl. Das fängt schon damit an, dass meine Kinder sich mit 10 Uhr Schulbeginn wesentlich wohler fühlen würden als um 8, weil sie dann nicht um 5:30 aufstehen müssten. Mein Mann würde sich wohler fühlen, wenn er seine Provisionen ohne Arbeitseinsatz erhalten würde und manche würden gern am liebsten unbekleidet herumlaufen, weil sie sich eingeengt fühlen von Kleidungsstücken...
Ich persönlich empfinde mich und mein eigenes Wohlbefinden nicht grundsätzlich als Maß aller Dinge. Ich nehme Rücksicht auf Unterschiede in der Weltanschauung, der Kultur, aufgrund des Alters, und mag gern mit fast allen gut auskommen. Mir bricht kein Zacken aus der Krone, mal zurückzustecken. Und, wenn wir ehrlich sind, wir alle sind umgeben von ungeschriebenen Regeln, Erwartungen und gesellschaftlichen "so macht man das halt". Manches hinterfrage ich, manches akzeptiere ich einfach als gegeben und manches finde ich so gut, dass ich es meinen Kindern so weitergebe. Denn, ein bisschen Rücksicht und, ja, halt eben auch Anstand macht das Zusammenleben grundsätzlich auch leichter und schöner.
Andererseits muss ich mich auch wohl fühlen, und ich bin beim Kleiderthema zb lieber overdressed als zu leger gekleidet. Vor kurzem war ich auf der Urnenbeisetzung eines Verwandten, der sich sein ganzes Leben nicht um mich und meine Familie gekümmert hatte. Nun, bei seiner Beerdigung, waren da weitere Verwandte von seiner Seite her, die ich persönlich gar nicht kannte. Ich bin auch in erster Linie dorthin mitgegangen, um eine weitere, mir sehr liebe direkte Verwandte von ihm zu unterstützen. Wir beide waren dann auch die einzigen, die recht konservativ, gedeckt und eher förmlich gekleidet waren. Der Rest kam in Jeans und Tshirt und eher Alltagskleidung, obwohl hochbetagt. Mir war es so rum allerdings lieber. Wir wurden beäugt und da bin ich lieber gut gekleidet 
Kleidung kann auch Distanz schaffen, einladen, ein LMAA in die Welt rausschreien oder ein "Beachte mich!!!" , Respekt oder "du bist mir egal", funktionell oder förmlich sein. Die Freiheit, die damit einhergeht, muss dann jeder für sich selbst nutzen und gucken, was für ihn persönlich passt.