"Man bekommt immer den Hund, den man verdient hat" - den Spruch habe ich zu hören bekommen.
Mich hat er dazu bewegt, zu überlegen, warum ich mir jeweils genau diesen Hund ausgesucht hatte. Mal waren es schwierige Hunde, mal einfache. Ich glaube also, dass man intuitiv schon eine bestimmte Art Hund von Anfang an attraktiver findet und auswählt.
Gleichzeitig hat die Aussage "Der Halter macht den Hund" eine Fußangel. Das würde nämlich bedeuten, wenn ich mich nur genug anstrenge und versuche, die perfekte Hundehalterin zu werden, auch mein Hund der perfekte Hund wird. Und da fängt es an, verkopft und irgendwo auch ungesund zu werden. "Wenn ich nur...hätte, dann wäre mein Hund..."
Verzweiflung, Trauer darüber, was nie erreicht werden wird, Unzufriedenheit mit sich selbst und dem Hund, Desillusionierung, aber auch Neid auf andere, wo es besser läuft, ist dann nicht mehr weit.
Ich persönlich fahre viel besser mit Akzeptanz. Ich bin ein unperfekter Mensch mit einem unperfekten Hund. Ich werde nie alles perfekt machen, und mein Hund auch nicht. Ich geb mein Bestes, und das ist gut genug.
Mein Hund hat zwar Macken, aber die haben andere Hunde auch. Wichtig ist, wie ich mit diesen Macken umgehe.
Souveränität, Ruhe, Selbstsicherheit, das sind Eigenschaften, die ich mir im Laufe meines Lebens angeeignet habe, auch mit Unterstützung. Die nutzen mir im Umgang mit meinem Hund ganz erheblich.
Gleichzeitig weiss ich, dass nichts so ist, wie es aussieht. Sprich, Urteilen über andere.
Ich schreib auch im "Nervige HH" Faden mit und denke mir manchmal meinen Teil. Aber der erwachsene Teil in mir weiss natürlich sehr wohl, dass es oft ganz anders ist in Wirklichkeit, als es auf mich wirkt.
Deshalb ist "Der Halter macht den Hund" im Grunde auch ein verdeckter Freifahrtschein, um andere ab- und sich selbst damit aufzuwerten. Denn "der Hund ist nur so, weil der Halter soundso ist", ist eine bequeme wie auch manchmal unfaire Schlussfolgerung. Vielleicht ist der Hund auch "so", in gutem wie weniger gutem Sinne, trotz dem dass der Halter bemüht oder eben uninteressiert ist.
Alles ist im Fluss und wenn es um Interaktionen zwischen Lebewesen geht, ist alles möglich. Ich hab jetzt den 8. eigenen Hund und jeder war ein Unikat. Und jedes Mal stelle ich mich neu ein und arbeite natürlich an mir und an ihm. Man entwickelt sich gemeinsam weiter.
Aber ob ich jetzt den Hund dazu gebraucht habe, um mich weiterzuentwickeln, oder er mich, das ist jetzt Philosophie
und es gibt letztlich keine universelle Antwort darauf, weil es so viele Halter/Hund Gespanne gibt wie unterschiedliche Beziehungen/Teams auf dieser Welt.