Habe "Schäfchen im Trockenen" abgeschlossen und bin zwiegespalten.
Resi hat einen Artikel geschrieben, in dem ihre Freunde nicht besonders gut wegkommen. Diese kündigen ihr die Freundschaft, Dumm nur, dass Resi und Sven mit ihren vier Kindern den alten Mietvertrag einer dieser Freunde übernommen haben, der ihnen jetzt geich mit gekündigt wird. Da sie finanziell bei weitem nicht so gut da stehen wie ihre Freunde, ist Wohnraum in der Berliner Innenstadt für sie nicht mehr bezahlbar; es ist nicht klar, wo es nun hingeht. Der Roman spielt in dem Zeitraum von ca. 3-4 Monaten nach der Kündigung, mit vielen gedanklichen Rückblicken.
Resis Gedankengänge sind zu Beginn ziemlich wirr, assoziativ und sarkastisch, was wohl ihrer Wut, oder eher Angepisstheit, Ausdruck verleihen soll. Es werden jede Menge Spruchweisheiten ("Wie man in den Wald hineinruft..." usw.) geäußert und in sehr kurzen Abschnitten mit dem eigenen Leben verknüpft.
Es wird nicht genau gesagt, was Resi in dem Artikel geschrieben hat. Ihre Freunde haben es als sich-lustig-machen aufgefasst - sie wollte die Missstände der Mittelschicht aufdecken. Aufzeigen, dass es sehr wohl noch Unterschiede gibt, die finanziellen Ursprungs sind, auch wenn augenscheinlich alle gleich sind. Dass 'Aufsteiger' wie ihre Eltern und auch sie nicht die gleichen Voraussetzungen haben wie Leute, die z.B. geerbt und in diesen Strukturen aufgewachsen sind. Ihre Freunde haben es allerdings lediglich so empfunden, als würde sie sich zum Opfer stilisieren und sie bloßstellen.
Obwohl Resi die Erzählerin ist und somit natürlich ihr Innerstes im Fokus steht, weiß man nicht, wer im Endeffekt im 'Recht' ist. Eigentlich geht es darum auch gar nicht - jede/r ist ja irgendwie im Recht, man kann jede/n irgendwie in seinen Handlungen verstehen.
Manchmal hatte ich das Gefühl, die Autorin wollte einfach gerne eine Sozialstudie schreiben und ihrer eigenen Wut Ausdruck verleihen. Besonders zu Beginn konnte ich der Handlung durch die Schreibweise etwas schwer folgen. Aber es gibt einige tolle, tiefgründige Stellen. Vielleicht aufgrund privater Erfahrungen, ich weiß es nicht, fand ich diese Stellen sehr genau beobachtet und realistisch.
Im Endeffekt würde ich den Roman weiterempfehlen. Er ist wirr, er ist wütend, durchweg gefärbt von der Enttäuschung der Protagonistin, aber realistisch und nicht einseitig. Ganz zu Beginn, auf der ersten Seite, sagt Resi: "es gibt keine Eindeutigkeit", und das wird im nachfolgenden Roman sehr deutlich.