Edit:... Und wenn es problemlos kompensierbar ist. Ethisch mag "kompensieren" blöd klingen aber macht es für den Hund einen Unterschied?
Ja, es ist ein Sinn weniger, den er zur Verfügung hat. Sicher macht das einen Unterschied für den Hund.
Edit:... Und wenn es problemlos kompensierbar ist. Ethisch mag "kompensieren" blöd klingen aber macht es für den Hund einen Unterschied?
Ja, es ist ein Sinn weniger, den er zur Verfügung hat. Sicher macht das einen Unterschied für den Hund.
Welche Funktion haben Vibrissen denn?
Meiner Kenntnis nach zur Orientierung in dunklem und/oder unwegsamen Gelände. In der Natur stelle ich mir da einen Wolf vor, der kilometerweit durch den dunklen Wald teilweise durch dichtes Gestrüpp läuft und sich mit Hilfe der Vibrissen da ohne Kratzer oder Steckenbleiben durchschlängeln muss.
Jetzt ist halt die Frage, ist das so notwendig bei unseren Haustieren.
Aus anatomischen Gründen können Hunde Gegenstände unter ihrem Maul nicht sehen, die müssen sie ertasten, unter anderem dafür dienen die Vibrissen. Ein Hund ohne Vibrissen mag etwa durch Schnüffeln kompensieren, aber das ist dann Kompensation.
Aber jetzt mal angenommen dass dabei rausgefunden wird, dass Hunde mit lockigem Fell/Trimmfell eine eingeschränkte Sinneswahrnehmung haben - egal ob man die Vibrissen abschneidet oder nicht - wegen ihres Fellwuchses. Wäre dann die Argumentation wirklich "Dann ist abschneiden okay, weil es ja eh schon durch die Zucht sinnlos geworden ist"? Oder müsste man dann nicht genau deswegen die Zucht überdenken? Gottseidank bin ich keine Tierethikerin, die sowas entscheiden muss, finde das wirklich schwierig.
Ich bin da ja sehr klar, die richtige Schlußfolgerung wäre nicht "Dann können die ja ab".
Die „natürliche“ Evolution ist beim Haushund teils seit Jahrhunderten durch menschliche Selektion unterbrochen. Bei jeder Rasse mittlerweile. Sie kann daher als Argument zur Beurteilung des Hunds nicht vollumfänglich herangezogen werden. Und die beim Pudel (meine einzige Erfahrung, daher einzige Referenz, gibt bestimmt noch andere) hat sie zu Vibrissen geführt, die nicht mehr so sind wie im Bauplan „Wolf“ vorgesehen. Also brauchen wir eine andere Referenz.
Bei allen anderen Caniden aber nicht, und das kann vollumfänglich als Argument zur Beurteilung des Hundes herangezogen werden. Da ist auch keine andere Referenz notwendig bis zum Beweis des Gegenteils.
Das Sinnesorgan wird nicht entfernt.
Doch, ein funktioneller Teil des Sinnesorgans wird entfernt.
übrigens ist das kein Gesetz sondern die Tierschutzhundeverordnung und die wurde bisher nicht durch Richter ausgelegt sondern durch Amtsveterinäre
Ich hatte mal ein Gerichtsurteil aus Österreich dazu verlinkt. Also doch, auch durch Richter.
Muss man erst beweisen, dass ein Sinnesorgan genutzt wird, bevor man verbietet, es zu entfernen?
Ich kann mir vorstellen das am Ende festgelegt werden muss, was ist das Sinnensorgan? Die Wurzel oder das tote Haar, das weiter leitet?
Das ist doch eindeutig, beides in Kombination.
Und mir ein überzeugendes Instrumentarium fehlt, meine Beobachtung und angenommene Kenntnis anhand erwiesener objektiv erhobener Fakten zu überprüfen. Außer diesem „Sie werden schon ihren Sinn haben …“ Was nicht nur in sich unbefriedigend ist, sondern auch keinerlei Aufschluss darüber liefert, wie dieser angenommene „Sinn“ im Vergleich zu anderen wichtigen Anforderungen zu gewichten ist.
Was ein wirklich sehr, sehr überzeugendes Argument ist, wenn man berücksichtigt, daß auch alle anderen Caniden Vibrissen haben. Wären sie nutzlos/überflüssig, wären sie evolutionstechnisch längst nicht mehr existent. Und wenn sie bei Füchsen, Wölfen, Bären, Schakalen, Hyänen, Mardern, Robben, also allen anderen hundeartigen vorhanden sind, wird Canis Lupus familiaris wohl kaum die einzige Spezies innerhalb der Familie sein, bei der sie keine Funktion erfüllen, die Wahrscheinlichkeit dafür ist bei der Sachlage doch sehr, sehr, sehr gering, da braucht man nicht mal mit Katzen, Mäusen o. ä. zu argumentieren. Es braucht deshalb auch keine Studie, die belegt, daß sie bei Hunden eine Funktion haben, sondern wenn eine, die belegt, daß sie keine Funktion erfüllen.
Ich weiß, will man hier nicht hören/lesen.
Davon ab gibt es nunmal viele Allergiker, die nur mit nicht-haarenden Hunden zurechtkommen. Und denen wächst ja bekanntlich auch das Haar an der Schnute. Ob man will oder nicht, es passt einfach in unsere moderne Gesellschaft: Ein Hund, der nicht haart, der nicht "hundelt" und der sich für Allergiker eignet und deswegen oft mitkommen kann, wo andere alleine schon aufgrund der Hygiene draußen bleiben müssen.
Das darf allerdings kein Grund sein. Es muß nicht jeder einen Hund halten können, der das gern möchte, es kann sich doch auch nicht jeder ein Pferd anschaffen. Das Tierwohl muß immer im Vordergrund stehen, nicht menschliche Bedürfnisse.
Ich finde die Entscheidung des VDH gut. Und damit bin ich jetzt wirklich raus, es ist alles gesagt.
Gleich mehrere.
In Österreich gibt es mittlerweile ein Urteil, daß das Abscheren der Tasthaare beim Pudel tierschutzwidrig ist.
https://www.tierhyg.vetmed.uni-muenchen.de/aktuelles/nach…hten/index.html
PDF Gutachten der LMU:
https://www.tierhyg.vetmed.uni-muenchen.de/download/doeri…rissen-hund.pdf
PDF Vorurteile und Antworten zur Problematik:
https://www.tierhyg.vetmed.uni-muenchen.de/download/vibri…le-mai-2022.pdf
Darin heißt es schon zu Beginn:
ZitatEs ist wissenschaftlich durch histologisch-anatomische Untersuchungen belegt, dass es sich beim Sinushaar/Follikel-Sinus-Komplex beim Haushund um ein funktionstüchtiges und sensibel innerviertes Sinnesorgan handelt.
Auch wozu Hunde Vibrissen brauchen ist bekannt.
Wer keine PDF runterladen möchte:
http://www.tierarztblog.com/2009/08/2tasts…unde-vibrissen/
Auch da übrigens wieder die 40% des verantwortlichen Gehirnabschnitts.
Wer es immer noch nicht sehen will, kann das gerne tun, Vibrissen sind für Hunde keinesfalls sinnlos. Am besten schon mal drauf einstellen, daß auch in Deutschland Urteile kommen könnten, daß das Abscheren der Tasthaare tierschutzwidrig ist. Ich finde die Entscheidung des VDH gut. Und damit bin ich jetzt wirklich raus, es ist alles gesagt.