Beiträge von Vrania

    Also wenn der Hund im normalen Umgang mit mir oder wenn wir was machen ständig gähnt und (je nach Hund) die Ohren zurücklegt und beschwichtigt, ist das nicht ein tolles Zeichen oder besonders höflich, sondern bedenklich. Wenn der Hund so viel Stress hat, wenn ich nur irgendwas von ihm will, liegt da sicher was im Argen. Und das sag ich als jemand mit extrem unsicherem Hund, dem man die Stimmung hervorragend an der Mimik ablesen kann.... Mir gegenüber beschwichtigt sie, wenn ich richtig Stress hab, aber nie einfach so. Da würde ich mich definitiv nicht drüber freuen.

    Was das andere angeht, wurde das meiste ja schon gesagt. Nur so viel, das mit der Kastration ist absoluter Quatsch. Nachdem du ja jetzt weißt, dass dein Hund noch in der Pubertät ist, sollte dir auch klar sein, dass eine Kastration im Moment echt das Letzte ist, was du brauchst.

    Edit: Grad wieder eingefallen, im ersten Post schreibst du ihr läuft ein paar Schritte, maßregelt und gebt dann Leckerli, wenn er wieder gut geht. Kann sein, dass das nur blöd formuliert war, aber klingt für mich, als würdet ihr das ziemlich ungünstig aufbauen. Ich empfehle nen anderen Trainer, auch nach dem anderen, was du schreibst.

    Dass manche Rassen einfach irgendwann ihr rassebedingtes Verhalten auspacken wie der genannte Akita (oder auch dass Jagdhunde "plötzlich" ihren Jagdtrieb entdecken oder Gebrauchshunde "plötzlich" wachen), würde mich persönlich nicht überraschen. Das ist ja nun nicht ungewöhnlich. Da liegt der Fehler wieder eindeutig beim Menschen, der nen Hund haben will, der was her macht, aber sich immer verhalten soll wie ein netter Junghund.

    Ich finde halt, du widersprichst dir da. Einerseits hat Erwachsenwerden nichts mit plötzlicher Verhaltensänderung zu tun, andererseits ist es normal, wenn die Hunde plötzlich rassetypische Verhaltensweisen zeigen?

    Klar ist es normal, wenn die Hunde "plötzlich" rassetypische Verhaltensweisen zeigen, weil sie eben erwachsen werden. Aber das IST doch eine Verhaltensänderung. Weil sich das Verhalten ändert. Das heißt ja nicht, dass es überraschend kommt. Wer sich halbwegs informiert hat, kennt die typischen Eigenschaften seiner Rasse und rechnet mit solchen Veränderungen. Und sieht normalerweise auch schon Vorzeichen dafür.

    Ich glaub wir sehen das grundsätzlich eh gleich und beschreiben das Ganze nur unterschiedlich.

    Es ist doch klar, dass ein Hund in den ersten 2-3 Jahren seines Lebens erwachsen wird und man das bei Hündinnen nicht selten an den ersten 3, 4 Läufigkeit sieht.
    Erwachsenwerden hat doch aber nichts mit Wesensveränderung zu tun. Es ist vollkommen logisch, dass der Hund nicht auf dem kognitiven Niveau eines 6, 7, 8 Monate alten Hundes stecken bleibt.

    Das wollte ich auch gar nicht sagen. Ich sprach ja auch von Verhaltensänderung en, nicht von WESENSänderungen. Aber genau darum geht es doch normalerweise (und auch in dem Akita Thread, auf den Bezug genommen wird), der Hund wird erwachsen und packt Rasse typische Verhaltensweisen aus. Ich würde nie sagen, dass das nicht normal ist, aber diese natürlichen Veränderungen kommen mitunter eben relativ zügig und quasi "plötzlich". Und ja, wenn der Hund von fiddlen (oder tatsächlich auch einfach freundlichem Junghundeverhalten, auch schon gesehen) auf verprügeln umschwenkt, ist das eine (plötzliche) Verhaltensänderung, auch wenn die vorher quasi schon abzusehen war.

    Wie gesagt, dass solche Entwicklungen völlig normal sind und nicht überraschend für einen kommen sollten (wenn man seinen Hund halbwegs kennt und beobachtet), würde ich nie bestreiten.

    Würde ich so nicht zu 100% unterschreiben. Ich denke schon, dass es Entwicklungssprünge gibt (bei Hündinnen eben oft in der Läufigkeit). Bei Enya war bzw ist es auf jeden Fall so, dass man jedes Mal gemerkt hat, wie sie erwachsener geworden ist. Nicht unbedingt von einem Tag auf den anderen, aber schon innerhalb von ein paar Tagen. Bei Murphy war es zum Beispiel vor ein paar Monaten tatsächlich von heute auf morgen so, dass er draußen konzentrierter wurde und sich nicht mehr so leicht ablenken lies... Klingt blöd, aber das war eine wirklich merkliche Veränderung ohne Anlass. Insofern denke ich schon, dass es grundsätzlich möglich ist, dass Verhaltensänderung durch Reifeprozesse in relativ kurzer Zeit stattfinden. Ansonsten stimme ich euch schon zu, Unverträglichkeiten, das Jagdinteresse oder auch Schutztrieb, werden sich in den allermeisten Fällen schon vorher durch diverse kleine Zeichen ankündigen, die Otto Normalhundehalter nicht sieht. Insofern kann mal bestimmt nicht davon reden, plötzlich einen "ganz anderen Hund" zu haben. Aber dass Veränderungen relativ schnell und teilweise heftiger oder in anderer Ausprägung als gedacht kommen, kommt definitiv vor.

    Die SL die ich kenne, sind alle etwas sehr stumpf und im Denken nicht ganz flott. Im bewegen auch nicht.

    Witzig, empfinde ich hier überhaupt nicht so. Ich kenne viele Retriever als Assistenzhunde, üblicherweise Showlinien und die sind definitiv motivierte, nette Hunde, die gut mitdenken, aber auch gut abschalten können. Aber ich glaube, das ist bei denen halt echt eine Frage der Haltung, der durchschnittliche Retrieverhalter ist glaub ich eher die Familie, die einen nebenbei Hund sucht, der außer 3 Mal täglich um den Block keine Bewegung bekommt und nicht gefördert wird. Die werden dann in der Tat fett und (sorry) dumpf im Schädel.

    Beim Dummytraining haben wir mehrere Retriever aus Showzucht, die sind alle motiviert und konzentriert bei der Sache und leben fürs Apportieren. Ein AL Labbi ist auch dabei, der ist deutlich ernsthafter, allerdings auch deutlich reservierter Menschen gegenüber. Auf Hunde würde er generell gerne verzichten. Und der ist echt immer auf 180, kann draußen gar nicht entspannen (was sicher auch an der unerfahrenen Ersthundehalterin liegt). Kann ein Einzelfall sein, ich kenne sonst persönlich nur einen anderen AL Labrador, der ähnlich ist. Für mich wärs ein toller Hund, aber es fühlt sich für mich fast wie eine andere Rasse an.

    Und dann sind da noch die beiden Assistenzhunde in Ausbildung bei meiner Hundetrainerin. Die beiden Goldies sind aus Dual Purpose Zucht mit arbeitenden Eltern. Ich bin echt schwer verliebt in die beiden. So motivierte Hunde, die einem alles recht machen wollen, durch nichts aus der Ruhe zu bringen sind und trotzdem richtig Dampf haben. Die würde ich sofort nehmen, auch wenn meine Vorliebe eigentlich in Richtung verrückte Hummel geht.

    Was allerdings die riesigen Showgoldies mit Watschelgang angeht, ich gehe regelmäßig mit einem spazieren und übe mit ihm so die Basics (Leinenfühigkeit etc). Der Kerl ist echt nett, aber eine Schlaftablette vor dem Herrn und er ist mit ca. 1 Jahr ein echter Riese. Der hat auch nen ganz merkwürdigen Eiergang, ist allerdings auch der Inbegriff eines Showgoldies, riesig, massig (nicht fett, eher dünn} und fast weiß :headbash: Den würde ich geschenkt nicht nehmen und der ist echt das Gegenteil von den Goldies bei uns im Dummytraining.

    Vermutlich gibt es unter den Showgoldies einfach auch eine riesige Bandbreite an Charakteren und Eigenschaften. Ich glaub da muss man sich einfach Züchter/Linien anschauen. Aber auf Teufel komm raus eine Arbeitslinie nehmen, wenn man eigentlich nur einen netten Hund für Spazierengehen und ein bisschen Dummytraining will, muss man sicher nicht. Wobei ich das jetzt aber auch nicht schlimm fände, ein Arbeitslinien Labbi ist kein Monster und auch kein Mali, der ist immer noch eher unter den problemloseren Hundetypen zu verorten. Allerdings sollte man sich schon überlegen, ob man wirklich Lust hat, dem Hund immer die Möglichkeit zum ernsthaften Arbeiten, auf welche Art auch immer, zu bieten. Und die meisten Retriever brennen halt fürs Dummytraining, ich würde keinen (schon gar nicht AL) halten wollen, wenn ich da nicht sicher dauerhaft Bock drauf hätte.


    Die Katze ist nicht auf den Hund gesprungen, sondern vorbei gelaufen. Und nein, das war auch kein Erschrecken, sondern ein reagieren auf das vorbeihuschen der Katze. Der Hund hat auch nicht nur abgeschnappt. Wie gesagt, ich halte das nicht für die Norm, ich behaupte nur, dass das Risiko mit einem Jagdhund größer ist. Und ja, du hast Recht, ein Restrisiko gibt es immer, wenn man Hund und Katze zusammen hält bzw zusammen allein lässt. Ich würde von meinen 3 Hunden allerdings nur einen guten Gewissens mit den Katzen allein lassen. Wenn man Hund und Katze hat, die sich wirklich mögen, statt sich nur zu tolerieren, ists natürlich nochmal was anderes und das Risiko geringer. Bei meinen wirds allerdings über gegenseitiges Ignorieren nie hinaus gehen (ich hab allerdings auch nur Tierschutz Hunde, die nicht als Welpe einzogen und vorher keine Katzen kannten).

    Ansonsten sehr informativ, was du schreibst.

    Also plötzliche Änderungen gab es bei Enya schon, im Sinne von Entwicklungsschüben. Die kamen tatsächlich bisher bei jeder Läufigkeit und mehr oder weniger von jetzt auf gleich. Was nicht heißt, dass ich mit diversen Entwicklungen nicht gerechnet hätte, sie kamen einfach zeitlich innerhalb von wenigen Tagen.

    In erster Linie wäre da die Verträglichkeit. Bis zur ersten Läufigkeit hat sie alle Hunde geliebt, danach war sie deutlich reservierter. Mit der nächsten Läufigkeit wurden Hunde dann ganz uninteressant, bis auf einige wenige Ausnahmen. Sie ist jetzt 2,5 und ich rechne eigentlich damit, dass sie eventuell auch noch unverträglich mit Hündinnen wird. Bisher findet sie Hunde nach dem Kennenlernen okay, lässt sie dann aber links liegen und hat durchaus Tendenzen eine kleine Zicke zu sein.

    Seit der vorletzten Läufigkeit ist sie plötzlich sehr kuschelig, das war vorher echt überhaupt nicht der Fall und das änderte sich auch mehr oder weniger von jetzt auf gleich.

    Bei Murphy merke ich deutliche Tendenzen, dass er irgendwann unverträglich mit Rüden werden könnte. Er spielt gerne den kleinen größenwahnsinnigen Macho, versucht zu begrenzen und würde mobben, wenn er darf. Deswegen arbeiten wir vor allem am Gehorsam bei Hundebegegnungen. Es würde mich kein Stück wundern, wenn er "plötzlich" anfängt richtig unverträglich zu werden. Bis dahin gibt's zu Übungszwecken weiterhin kontrollierte Kontakte mit ausgewählten Hunden, aber ich rechne jederzeit damit, dass sein noch spielerisches Verhalten in Mobbing oder Aggression kippt.