Beiträge von Vrania

    Das ist klar. Aber 10 Minuten und eine Stunde sind halt auch eine andere Größenordnung als 20 Minuten und 30 Minuten. Ich glaub auch nicht, dass man das Alleinbleiben minutenweise trainieren muss, aber im unteren Bereich würde ichs halt nicht zu schnell steigern. Wenn der Hund dann mal ne halbe Stunde oder Stunde alleine bleiben kann, spricht imo auch nichts dagegen, ihn relativ schnell länger allein zu lassen.

    Wie kommst du zu der Erkenntnis? Meine Hündin hatte letztes Jahr eine Phase, in der sie große Probleme hatte nur mit meinem Mann in der Wohnung zu sein. Für ein paar Minuten gings, war ich aber länger weg, fing sie an zu winseln und unruhig zu werden. Natürlich weiß sie nicht, dass 10 Minuten 10 Minuten sind, aber sie hat definitiv ein Gefühl für die Länge des Zeitraums.

    Ich verstehe durchaus, was ihr meint, finde das aber absolut nicht zutreffend.

    Meine Hunde hatten alle keine gute Vorgeschichte und haben im Prinzip in der ersten Präge- und Sozialisierungsphase nichts kennengelernt. Entsprechende Defizite hatten sie anfangs.

    Aber sie haben alle gelernt zu generalisieren und bewerten definitiv nicht jede Situation komplett neu. Generalisieren findet ja nicht nur im Bezug auf Menschen, Hunde, Situationen statt, sondern auch im Bezug auf abgefragt Verhaltensweisen. Also wenn mein Hund nicht nur Sitz macht, wenn er im leeren Wohnzimmer sitzt, sondern auch auf einem Holzblock, während es regnet und nebenbei ein Reh Tango tanzt, dann ist das Generalisierung. Und das kann jeder Hund lernen.

    In wie vielen verschiedenen Situationen man üben muss, DAS wird imo maßgeblich davon beeinflusst, wie die frühen Lernerfahrungen ausgesehen haben und wie leicht es dem Hund fällt, aber zu behaupten, dass der Hund das gar nicht mehr lernen kann, ist einfach Unsinn.

    Ich weiß, dass Martin Rütter das gerne behauptet, das macht es aber nicht wahrer. Sonst könnte ich mir Dinge wie Gegenkonditionierung und Desensibilisierung bei meinen Hunden einfach komplett sparen, weil sie das absolut nie auf ähnliche Situationen übertragen könnten. Und gerade bei Problem Hunden arbeitet man ja damit und das mit großem Erfolg. Irgendwann kommt man an den Punkt, an dem man nicht mehr bei jedem neuen Auslöser bei 0 anfängt.

    Das Beispiel mit dem angreifenden schwarzen Hund ist schön. Gerade unsichere Hunde mit mieser Vergangenheit neigen dazu, dann sofort alle schwarzen Hunde gefährlich zu finden. Aber bestimmt nicht, weil sie durch Sozialisierung so eine besondere gute Fähigkeit zum Generalisieren haben.

    Es stimmt einfach nicht, dass Hunde bei schlechter Sozialisierung gar nicht Generalisieren können. So nach dem Motto "gibt das Gehirn nicht her, sorry". Es mag einzelne Exemplare geben, auf die das eingeschränkt zutreffen mag, aber das ist definitiv nicht die Norm. Aber ich behaupte jeder Hund kann zumindest lernen Dinge zu generalisieren, wenn man das Training entsprechend aufbaut.

    Es wäre echt toll, wenn ihr euch mal abregt. Ich finds ganz ehrlich auch mehr als ätzend, die ganze Situation und ich würde normalerweise mehr als deutliche Worte benutzen.

    Aber die TE hat gerade alle Ratschläge angenommen und somit wurde die Situation potentiell für alle Beteiligten zum positivsten Ergebnis gewendet. Hätte die TE nach den ganzen persönlichen Angriffen (und ja, ich kann eure Reaktionen total verstehen), nach 10 Seiten aufgehört zu lesen, hätte sie vermutlich in 2 Wochen nen Husky vom Vermehrer bei sich sitzen und der Akita würde weiter im Garten wohnen.

    Ich verstehe total, dass man den persönlichen Frust zum Ausdruck bringen will, gibt ja Grund genug dazu, aber es hilft euch vielleicht ganz kurz mal, aber sicher nicht den Hunden. Manchmal hilft ein bisschen Impulskontrolle und Frustrationstoleranz, auch bei Frauchen. xD

    Ich habe ebenfalls Depressionen und Angststörungen und vor einigen Monaten war es so schlimm, dass die Hunde definitiv zu kurz gekommen sind. Dass ich das Ganze allerdings inzwischen überwunden habe und es mir wieder deutlich besser geht, verdanke ich in erster Linie meinen Hunden.

    Ja, in der schlimmsten Zeit war es eine Belastung, irgendwie die Hunde raus zu lassen, mich zu kümmern und überhaupt aufzustehen. Aber auf der anderen Seite konnte ich, sobald ich aus dem allerschlimmsten Loch raus war, so viel Motivation und Antrieb aus den Hunden ziehen.

    Ich weiß, wie unmöglich es einem in so einer Phase erscheint, Energie in Training zu investieren, ich hatte das große Glück, dass meine Hunde schon halbwegs alltagstauglich waren, als es anfing so schlimm zu werden. Insofern würde ich dir eher raten eine stundenweise Betreuungsmöglichkeit für deinen Hund zu suchen. Allein bleiben muss man kleinschrittig aufbauen und es dauert oft eine ganze Weile bis das gut klappt. Wenn du deinen Hund zum Therapeuten mitnehmen kannst, ist ja schon viel gewonnen und für andere Termine oder auch einfach um mal ein bisschen Zeit für dich zu haben, kannst du ja vielleicht einen Hundesitter suchen. Wenn es dir halbwegs geht, trainierst du parallel das Allein bleiben.

    Ich finds toll, dass du es nochmal mit deinem Hund versuchen willst, könnte allerdings auch verstehen, wenn du es in deiner Situation nicht mehr machbar findest. Ohne Unterstützung und mit einem Hund, der gar nicht allein bleiben kann, ist es schon schwierig. Wenn man merkt, dass man dem Hund und sich selbst nichts Gutes tut, wenn man ihn behält, ist eine Abgabe völlig legitim in meinen Augen.