Die Hundehaltung hat schöne und unschöne Seiten, die Anfänger (und Kinder) oft gar nicht so richtig abschätzen können. Wenn man da wirklich WILL, dann kann es toll und bereichernd sein. Ich habe einen Großpudel, also keine der "krassen" Gebrauchshunderassen.
Spazierengehen
Ich stehe morgens um halb 6 auf, gehe erstmal eine dreiviertelstunde Spazieren. Wenn es regnet, gehe ich auch um halb 6 spazieren. Und wenn bei uns in der Nacht ein halber Meter Neuschnee gefallen ist, auch. Spazierengehen mag ich grundsätzlich gerne, das ist bei Sonnenschein eine Freude für mich. Im Winter findet mein Morgenspaziergang aber grundsätzlich im Finsteren statt, das ist dann eher zäh. Auch Mittags geht mein Hund eine kurze Runde raus, wenn ich von der Arbeit komme. Abends fahren wir dann zum Stall, da kann er mitkommen und das verbinde ich auch mit der großen Abendrunde, etwa eine Stunde sind wir da unterwegs. Insgesamt wende ich täglich für den Hund also locker 2 Stunden auf, häufig mehr.
Hundesport
An zwei Tagen der Woche fahre ich auf den Hundeplatz. Gestern bin ich um 14:00 zuhause weggefahren, und um 16:30 habe ich den Platz wieder verlassen. Für Vereinsmitgliedschaft und Platzgebühr zahle ich 130€ im Jahr, dazu kommen dann noch Seminare (die man als noch eher unerfahrener Hundesportler durchaus besuchen sollte!), die jeweils so ab 100€ kosten. Dabei trainiere ich nur Unterordnung, also EINE der drei Sparten, die dein Mann trainieren möchte. Für Kinder ist es bei uns am Platz so langweilig, dass kaum jemand seine Kinder dauerhaft zum Training mitnimmt. Ausnahme ist eine Vereinskollegin, deren Tochter allerdings bereits mit 11 Jahren deutliche Trainer-Ambitionen zeigt. Das Training selbst halten viele Anfänger nicht lange durch. Alles muss kleinschrittig geschehen, es ist oft frustrierend und am Ende geht der Hund dann doch zwei Zentimeter zu weit vorne oder macht das Platz nicht schnell genug. Ich würde sagen, maximal 1 von 20 Personen die mit Training beginnen, bleiben auch über mehrere Jahre im Verein. Viele brechen spätestens nach der Begleithundeprüfung ab. Und bei uns im Verein sind übrigens auch nicht viele Familien mit Kindern zu finden....
Ich bin gerne im Verein, unterhalte mich mit den Leuten, lerne Dinge dazu, sehe zu, helfe aus. Mir macht es Spaß zu sehen, wenn mein Hund etwas versteht und besser wird, die Krönung sind Prüfungen, auf denen wir gut abschneiden. (Apropros Prüfungen: Da kann man sich schonmal einen ganzen Samstag oder Sonntag dafür freihalten...) Teamwork, die Freude des Hundes bei seiner Arbeit, die Feinheiten des Trainings - das alles sind Dinge, die mich begeistern. Allerdings steckt man auch erstmal ca. ein bis zwei Jahre Arbeit rein, bevor man das Gefühl bekommt, dass man jetzt schön langsam einen wirklich gut trainierten Hund hat, der zuverlässig in allen Situationen mitmacht. Vorher macht man sich zum Affen, lässt sich von spitzen Welpenzähnen in die Finger beißen, arbeitet mit einem Hund, der irgenwie zwischen "kapiert überhaupt nix" und "kann doch eh schon viel schwebt, verzweifelt daran, dass das Mistvieh plötzlich "Steh" und "Sitz" nicht mehr auseinanderkennt und sich aus unerklärlichen Gründen liebe in der Grundstellung hinlegt, anstatt Sitzen zu bleiben. Und warum läuft der plötzlich Linksbögen, anstatt gerade Voraus zu laufen?
Freunde und Freizeit
Fast alles an meiner Freizeit ist hundegeeignet. Ich kann zu all meinen Freunden mitnehmen und ich habe keine Hobbies, zu denen ich ihn nicht mitnehmen kann, bzw. sind diese auf ein Minimum beschränkt. Z.B. fahre ich mittlerweile kaum noch Alpin-Ski, wenn dann gehe ich Skitouren, aber auch nur die, bei denen der Hund mitgehen kann. Man kann ihn auch nicht ewig lange alleine zuhause lassen. Alles, was länger als 5 Stunden dauert oder an einem Tag stattfindet, an dem er schonmal alleine war, muss entweder hundekompatibel sein oder ohne mich stattfinden. Lädt mich jemand zu einer Aktivität ein, bei der ich meinen Pudel nicht mitnehmen kann, so muss ich entweder Betreuung finden, oder ich muss absagen. Es gab schon Feiern, die bei denen ich dann aus diesem Grund nicht anwesend war. Dabei habe ich einen Freundeskreis, der meinen Hund sehr gerne mag und wo es bei niemandem ein Problem ist, wenn ich mit vierbeiniger Begleitung auftauche. Ich habe mindestens 4 Leute, die mir fast jederzeit den Pudel betreuen, wenn es nötig ist. Dabei ist zu beachten, dass ich einen wirklich unkomplizierten Hund habe, in den ich in der Ausbildung wirklich viel Zeit gesteckt habe. Er ist freundlich zu allen Leuten, mag Kinder und ist flauschig. Mit anderen Hunden würde das möglicherweise ganz anders aussehen....
Sonst noch
Rechnungen bezahlen macht wenig Spaß. Ihr solltet euch auch nicht darauf verlassen, dass euer Hund mit dem Futter, das ihr für akzeptabel befindet zurecht kommt. 100€ im Monat für Hundefutter können schonmal ganz leicht zustande kommen, wenn ein Hund dieser Gewichtsklasse irgendein Problem hat und spezielles Futter benötigt. Unter Umständen sind es dann auch eher 2-300€. Tierartzrechnungen sind auch schonmal ein Posten, den man nicht unterschätzen sollte. Klar, jeder wünscht sich, dass der eigene Hund bitte das gesamte Leben lang gesund und munter bleibt, aber auch da gibt es schneller als es einem lieb ist, eine Rechnung, die im besten Fall nur ein paar Hundert, im schlechteren Falle eher ein paar Tausend Euro ausmacht. Wollt ihr euch das leisten? Und unterschätze auch nicht, wie es einem geht, wenn es dem Hund schlecht geht. Und im Schlimmsten Fall kann man dann mit kaum jemandem darüber reden, weil jemand ohne Haustiere das Problem gar nicht versteht.
Hunde sind toll und ich verstehe jeden, der einen haben will. Sie sind aber, speziell die Rassen, die euch scheinbar interessieren, in den wenigsten Fällen einfach nur eine "Ergänzung" zum gewöhnlichen Familienleben. Sie sind aufwändig, zeitintensiv, kostenintensiv und manchmal auch emotional belastend.