Nochmal zu "The Loney":
Loney
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Ich hätte mir mehr Infos zum Ritus im Keller gewünscht. Und dazu wer die Männer eigentlich genau waren, die ihn anscheinend betrieben haben. Sie wirken augenscheinlich wie grobe Hinterwälder... dorfansässige Trunkenbolde die Dreck am stecken haben. Da hätte ich mir auch mehr Details gewünscht, die erklären, wieso gerade DIE so ein Werk verrichten können.
... aber leider bleiben zu viele Fragen offen. Es wird die ganze Zeit Spannung aufgebaut, aber es gibt keine richtig befriedigende Auflösung.
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Wer ist Else? Was bringt sie dazu, ihr Kind zu opfern? Oder ist sie selbst auch ein Opfer der Männer? Wie das Ritual vonstatten geht, hätte mich auch interessiert. Wie sind die Männer dazu gekommen? Hannys Sicht der Dinge hätte auch vertieft werden können.
Ob er das Baby tatsächlich selbst erschossen hat oder er "nur" die Schuld dafür trägt, weil er durch das Opfer geheilt wurde, finde ich eigentlich nebensächlich.
Ich finde, dass das eine der Stärken des Buches ist.
Zum einen hätten die Antworten auf diese Fragen jeweils einen eigenen Roman verdient. Ich jedenfalls wäre mit kurzen Antworten ganz sicher nicht zufrieden gewesen. Zum anderen - und viel wichtiger - ist diese Unvollständigkeit eine zwingende Folge der konsequent durchgehaltenen personalen Erzählstruktur: was Tonto nicht weiß, kann der Erzähler nicht berichten.
Ich persönlich hätte jede Abweichung von dieser Einschränkung als Bruch empfunden. Ich kann natürlich die Frustration verstehen, die durch diese nicht nur offenen sondern gänzlich unreflektiert aufgerissenen Themen entsteht. Aber mich begeistert der Autor gerade deshalb: er traut seinen Lesern solche Frustration zu, er zaubert nicht am Ende einen Kniff aus dem Erzählerhut, um über die begrenzte personale Perpektive herauszublicken.