Beiträge von Gersi

    Ich habe es tatsächlich gebracht meinen Hund auf "Hallo!" zu konditionieren.

    Seit Nastro hier ist, passiert regelmäßig das gleiche: Ich treffe Freunde/Bekannte auf der Straße, im Café, es gibt ein lautes "Hallo", (meist) eine Umarmung für mich und dann wird der Hund begrüßt.

    Nastro ist der unproblematischste Hund ever, der best-erzogenste, den ich je hatte (ohne dass ich ihn erzogen hätte)... und ich finde es sowieiso immer ätzend in so einer Begrüßungssituation in der Menschen sich freuen, sich wiederzusehen, andere in die Hundeerziehung mit einzubeziehen.

    Ist einfach nicht mein Ding, ich finde das immer so nervig. Und bei Nastro? Habe ich es auch schlicht gelassen.

    Tja. Wenn ich jetzt freudig "Hallo!" sage, steht der Hund vor Begeisterung in der Leine und sucht die Gegend ab.

    Ich bin gerade stolz wie Bolle!

    Habe Altpapier vor den Papiertonnen im Hof zerkleinert, Nastro in der Nähe absitzen lassen. Plötzlich eine Katze auf der Mauer - ich wiederhole noch mal ruhig das "Sitz", trete zur Sicherheit auf die Leine (denke wirklich nicht, dass er das bemerkt hat) und bin weiter an den Tonnen.

    Ich sehe im Augenwinkel wie der Hund immer angespannter wird, sich kaum beherrschen kann. Katze springt von der Mauer auf den Boden vor mir und läuft Richtung Straße.

    Der Hund sitzt bombenfest. Keine Ahnung wie der soviel Impulskontrolle gelernt hat.

    Das find ich grad wirklich beneidenswert.

    Ich finde es mittlerweile auch cool.
    Aber entweder bin ich mental beim Hund (und der Umgebung) oder er ist an der Leine.

    Entspanntes Laufen und dabei Unterhalten? Einfach mal bräsig den eigenen Gedanken nachhängen und der Hund macht sein Ding? Habe ich immer gerne gehabt, ging bei seinen Vorgängern auch. So hat alles Vor- und Nachteile.

    Ich bin offen gestanden höchst neidisch, wie viele User es schaffen, das sie ihren Hund trotz Wild direkt vor der Nase abrufen können.

    Abrufen kann ich nicht (habe ich noch nicht gewagt zu probieren). Nur stoppen lassen.

    Und das liegt daran, dass Nastro nicht direkt hinterhergeht sondern starr wird. Da ist dann Zeit für ein sehr deutliches HALT und das sitzt.

    Aber die Entfernungen um die es hier geht: 5 Meter. 1 Meter? Keinen Plan was da passieren würde. Aber so nah komme ich auch nicht ran ohne dass er es vorher angezeigt hat.

    Und ich bin sehr viel draußen - ich war in meinen Leben noch NIE so nah an Reh oder Hase. (Mal an einem Kitz, das im Gras lag aber das ist was komplett anderes).

    Ich treffe regelmäßig Wild aber habe das wirkliche Glück, dass mein Hund anzeigt. Dass so knapp hinter ihm ein Reh aufspringt, das er mir nicht schon lange vorher gezeigt hat, kann ich mir schwer vorstellen.

    Wenn etwas unseren Weg kreuzt (das gibt es ja durchaus mal) und er sehr weit von mir entfernt ist, würde er im worst-case einige Meter hinter her.
    Das Blödeste hat mein Vater gebracht. Der Hund hat angezeigt, aus völlig unerfindlichen Gründen hat mein Vater ihn dafür gelobt und dann mit "Lauf" losgeschickt (das Kommando zum Auflösen von Befehlen und generell zum "Loslassen"). Da ist er dann hinterher, war nicht direkt abrufbar, hat sich aber vorm Waldrand stoppen lassen.

    Lange Rede kurzer Sinn: Auch ich lasse einen noch nicht immer tausendprozentig verlässlichen Hund frei laufen - aber kann mir eigentlich kein realistisches Szenario vorstellen, in dem er so lange fortbleibt. Dann wäre er auch bei mir gesichert.

    Ein Hund kann, wie alles im Leben, lernen, dass er irgendwo zwischen geparkt und wieder abgeholt werden kann.

    Und eigentlich* muss das auch jeder Hund lernen. Es gibt immer Situationen, in denen das nötig ist. Und dann auch oft recht spontan. Nimm' die Taufe zum Anlass, dass ihr beiden euch mit Trennung-auf-Zeit auseinandersetzt. (Ob jetzt mit Hundesittern, die bei dir einziehen oder Hundepension mit Zwinger...)

    Den Hund parken zu können ist ein ganz, ganz wichtiger Plan B, den man haben sollte.

    *"eigentlich" weil es bestimmt wie in jedem Fall Ausnahme-Konstellationen gibt (3-Generationen-Haus, in denen immer einer aufpasst oder Hund ist soooo verkorkst, das ihm das nicht wirklich zuzumuten ist)