Raudi, kleiner schwarzer Mischling. Rüdenunverträglich, Grundstück und mich bewachend, stur, kaum erzogen, immer mit dabei - kannte keine Angst und keinen Rückwärtsgang, der Todfeind aller Mäuse und Ratten auf dem Grundstück. Wurde ihm langweilig, ging er alleine Spazieren.
Die Welt damals: Auf jeden Fall ein Mischling, das sind ja die gesünderen Hund. Es wurde ein Buch über Hunde gekauft, in dem erklärt wurde, dass man zum Schlagen nicht die Hand sondern die Zeitung benutzt. Der Hund wurde erst angeschafft, als ich alt genug war, alleine mit ihm rauszukönnen, ihn zu erziehen und mich um Futter, TA etc. zu kümmern. Ich war acht. Die ersten drei Jahre durfte er nachts nicht ins Haus sondern blieb draußen im Stall bei Hühnern und Pony.
Alles nach DF-Standards völlig unakzeptabel. Er hatte 17 glückliche Jahre bei meiner Familie und war ein wirklich, wirklich guter Hund. Mittlerweile sind auch seine Nachfolger schon beerdigt, sowohl meine Eltern und als auch ich haben seitdem immer Hunde. Und auch wenn es eigenartig klingt - am Ton, der Grundeinstellung im Umgang mit den Hunden, hat sich sooo viel über die Jahrzehnte bei uns gar nicht geändert. Ich bin keine acht mehr, leider gibt es im Stall meiner Eltern weder Hühner noch Ponys und damit auch keine Mäuse mehr. Dass mit der Zeitung fanden wir schon bei Raudi einfach nicht erforderlich. Nur Streunern ist jetzt verboten. Mein mittlerweile auch verstorbener Pudel-Mix hatte da noch eine sehr enge Ausnahmegenehmigung, wir brachten es nicht übers Herz, dem Straßenhund die Autonomie komplett zu nehmen.
Ach ja. Mittlerweile leben Hund Nr.4 und Nr.5 bei meinen Eltern bzw. mir. Alles tolle Tiere, aber über Raudi sprechen wir noch oft.