Beiträge von Gersi

    Ich lasse ohne Beschwerden nichts diagnostizieren. Aber ich vertraue meinem Blick auf den Hund und meine Hunde sind keine Hochleistungssportler. Bewegt sich gern, läuft rund, Verdauung unproblematisch, Fell in Ordnung, dann wird der Hund wohl gesund sein. Für mich hat das immer gut gepasst. Bisher hatte ich unfassbares Glück und Hunde, die richtig alt geworden sind... In den letzten Jahren war ich dann oft genug beim Arzt.

    Bei alten Hunden (je nach Größe) lass ich Blutbilder machen (auch wenn sie noch fit sind - einfach damit es später Vergleichswerte gibt). Das ist schwer in Jahren auszudrücken - bei meinem Pudel-Mix habe ich angefangen, als er etwa zehn war, bei größeren Hunden wäre das erste vielleicht eher mit sieben Jahren oder so fällig.

    Nastros Herz habe ich checken lassen - weil er mir für einen jungen Hund viel zu hitzeempfindlich ist... Aber da war nix. Das letzte Mal beim Tierarzt war er vor knapp drei Jahren zum Impfen.

    Ich bin Lehrerin, habe gerade das Referendariat im Juli beendet und werde nun Klassenleitung einer ersten Klasse..Motto: Hundeklasse.

    Dein Verlust tut mir sehr, sehr Leid.

    Zu dem Punkt: Frag doch mal die Schulleitung, ob sich da was tauschen lässt oder ob aus der Hunde eine Mehrschweinchen (oder was auch immer) Klasse werden kann. Auch Schulleitungen sind oft menschlicher als man denkt.

    Vielleicht findest du die Idee mit der Klasse nach wie vor schön - aber vielleicht möchtest du auch im Job nicht ständig mit dem Verlust konfrontiert werden.

    Und die Erklärung dafür, daß es für sie einfacher ist, wenn viel los ist, ist mMn eine Reizüberflutung. D.h. sie kann sich nicht auf den einen Reiz konzentrieren, was aber sehr wohl so ist, wenn wenig bis garnix los ist.

    Bei Nastro ist es nicht nur Reizüberflutung, die dazu führt, dass er nicht wacht, wenn sehr viel los ist.

    Er fängt immer erst damit an, wenn er einen Bereich hat, der "seiner" ist. Wenn ständig Leute da sind, wird der Weg neben dem Camper gar nicht erst zu seinem. (Deswegen auch das Restaurantbeispiel weiter oben: Wenn wir lange komplett alleine sitzen, fängt er evtl. an, das Umfeld zu scannen - wenn es trubelig ist, liegt er einfach nur rum und döst.)

    :) Nastro hat gestern unter Beweis gestellt, dass er zu Corona-Zeiten nix verlernt hat.

    Meine Freitagabendpläne waren eigentlich geplatzt, gegen zehn schrieben zwei Freundinnen, dass sie in der Nähe wären.

    Ich von der Couch, Hund aus dem Körbchen und noch auf ein Bier. War dann doch sehr, sehr voll. Aber Nastro kann Kneipe, immer noch.

    Hat diese Art des Abbrechdns bei Melden schon immer funktioniert (weil an was Anderem gelernt), oder hast du das Antrainiert?

    Ich habe immer bei allen Hunden einen Abbruch. Schon Welpen lernen, dass "EY!!" bedeutet, dass sie mir gerade nicht gefallen.

    Wenn ein Hund was falsch macht (Welpen knabbert am Stuhlbein), kommt "EY!!" gleichzeitig mit Strafe. Wie die Strafe aussieht, hängt komplett vom Hund an. Bei Nastro reichte das laute Wort und direktes Anschauen, sein Vorgänger wurde die ersten Male weggeschupst.

    Mir ist dabei wichtig, dass ich nicht eskalieren muss - also dass die Strafe beim ersten Mal Eindruck hinterlässt und ich nicht so vorsichtig vorgehe, dass ich den Hund abhärte und immer mehr brauche und massiver werden muss.

    Sobald der Hund lässt, was er nicht tun soll, nehme ich Druck raus und/oder lobe.

    Super fix ist "EY!" für den Hund selbst die Strafe und ich muss nix anderes (drohend auf den Hund zu etc.) mehr machen.

    Mir ist völlig klar, dass andere eine völlig andere Philosophie vertreten - und dass ich Hunde strafe für Dinge, von denen sie gar nicht wissen, dass sie falsch sind - und nein, ich habe nicht vorher ein Alternativverhalten antrainiert. Geht einfach nur drum: "LASS es, mach was anderes".

    Als der Hund meines Vaters gestorben ist, vor vier Jahren, war es Sommer.

    Wir beerdigen im Garten und aus recht profanen Gründen musste der große Hund schnell (am nächsten Tag) und tief unter die Erde.

    Der Verlust war für meinen Vater übel - die Unsicherheit, ob es der letzte Hund war (weil er selbst alt ist), die Gewissheit, dass so einer nie wieder kommt (wenn es so etwas gibt, dann war bei allen Hunden Oskar der Seelenhund meines Vaters), die Erschöpfung der letzten Wochen und Monate.

    Wir haben Lehmboden, nach etwa einem halben Meter kommen Steine.

    Das Loch tief genug zu bekommen, brauchte Kraft, Schweiß und irgendwann Hilfe der Nachbarn. Trotzdem war es sauanstrengend.

    Bis dahin hatte ich nur theoretisch begriffen, was Katharsis ist. Als sich bei meinem Vater Schweiß und Tränen, Schmerz an Muskeln, Gelenken und von innen mischte, habe ich es verstanden.

    Ich finde es wird insofern leichter, als dass ich weiß, dass der Schmerz, der zuerst so überwältigend ist, nachlassen wird.

    Und ganz pragmatisch: Es wird leichter, weil ich weiß, was passiert, wenn ein Hund eingeschläfert wird. Dass das keine Black-Box mehr ist, nimmt für mich zumindest einen Stressor raus.

    Beim ersten Hund war alles unvorstellbar: Unvorstellbar, dass er nicht mehr sein wird, unvorstellbar was da passiert, unvorstellbar, dass es je wieder gut wird. Das hat sich geändert.

    Nastro weiß, dass er bei einem scharfen "ey!" zu lassen hat, was er gerade tut.

    Er bricht seine Handlung ab, in dem Moment nehme ich Druck raus und/oder lobe ihn.

    Würde er seine Handlung nicht abbrechen, würde ich ihn bestrafen. Einen drohenden Schritt auf ihn zu beispielsweise - er ist ein grundsätzlich sehr weicher Hund - das reicht völlig.

    Das hat er so verinnerlicht, dass er jetzt beim Abbruch stoppt, teils ins Meiden geht - aber vor allem aufhört, mit dem was er tut.

    Den Konflikt mit einem Hofhund zu campen wirst du nie komplett auflösen können.

    In die Leine springen ist allerdings Erziehungssache... Bellen bedingt - Wachen als solches ist wahrscheinlich zu sehr drin, als dass du das abstellen könntest. Das wirst du managen müssen.

    es ist noch nie was passiert mit anderen hunden oder menschen, selbst als mal die leine riss, blieb sie dann stehen und rannte nicht zu dem verbellten hund hin,

    Ich weiß nicht, wie das bei Hündinnen ist (hatte immer selbst Rüden) - aber das kann bei einem fünfjährigen Hund anders aussehen als bei einem dreijährigen.

    Auch bei Restaurants - Nastro kann das super, mitten im Trubel. Es gibt aber Szenarien (sehr wenig los, wir sitzen in einer Ecke, wir sitzen schon lange dort, er hat eine Decke auf der, er liegen kann...) da muss ich aufpassen, weil ich merke, dass er anfängt zu wachen. Deswegen würde ich (wenn euch wichtig ist, dass der Hund mit zum Essen kommt) regelmäßig üben und hier alle Anfänge, die Richtung Territorialität gehen, unterbinden.

    Zum Platz als solchen: Nastro könnte das in meiner direkten Nähe, an kürzerer Leine, wenn regelmäßig Publikumsverkehr ist. An längerer Leine, auf einem strategischen Platz (er kann möglichst viel sehen) würde er zumindest dann bellen, wenn selten Leute vorbeikommen.

    Sichtschutz wäre für mich auch die erste Maßnahme. Dazu Leinenlänge verkürzen, den Hund so anbinden, dass ihr zwischen ihm und den Passanten sitzt - und Bellen deutlichst abbrechen.