Beiträge von Gersi

    Konkret hat Linos recht "plötzlich" eine Unsicherheit gegenüber Fremden entwickeln.

    Du schreibst von "Unsicherheit" und "Aggressivität".

    Für mich klingt das eher nach Schutztrieb, ggf. Territorialverhalten - auch das Alter deutet eher darauf hin, dass sich was in der Richtung tut als dass der Hund gerade eine klassische Spooky-Phase durchmacht. Dass die Geschwister gerade ähnlich ticken, ist auch ein Indiz in die Richtung.

    Ich würde ihn die nächsten Monate recht eng führen. Wie gut ist denn der Grundgehorsam? Zur eigenen Entspannung könntet ihr mal schauen, welche Alternativen ihr zu "Hund kommt überall mit hin" habt.

    Gibt es keine Alternative zum Büro, gäbe es dort bei mir ab sofort sehr klare Regeln. Und ich meine wirklich Regeln für den Hund, nicht für deine Kollegen. Ich würde im Büro (sofern er den nicht bereits hat) einen festen Platz zuweisen - und darauf achten, dass dieser Platz *nicht* dort ist, wo der Hund Eingänge, Türen, Küche etc. beobachten kann. Sondern ein nicht-strategischer Platz.

    Das Bild sie da diszipliniert, neugierig auf weitere Befehle oder Auflösung wartend, hat mir nicht sonderlich gefallen.

    Dein Ziel muss sein, dass der Hund zur Ruhe kommt. Stell dir deinen Fokus auf den Hund - und seine Konzentration auf dich - wie eine Schnur vor, die euch verbindet und euch beide abhält, mental euer eigenes Dingen zu machen - und vor allem davon abhält abzuschalten.

    In dem Zitat oben, besteht dieser Fokus immer noch: Du hast einen Befehl gegeben, sie wartet auf was Neues, du beobachtest sie.

    Das vorherige ist was anderes gewesen.

    Einmal, vor-vorgestern glaube ich, am Ende von ihrer Störungskette habe ich mit ihr geschimpft, ich habe ihr gesagt, dass ich kein Bock mehr habe mich irgendwo hin zu bewegen

    Da hast du authentisch diese Schnur gekappt. Und der Hund konnte endlich mal entspannen.

    Erkennst du den Unterschied? Das erste ist "Mach das für mich! Brav. Bleib! Schlaf!" das zweite "Du nervst, mach egal was, aber lass mich in Frieden"

    Dein Hund kann diese Schnur, von der ich schrieb, nicht trennen. Das musst du tun.

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    Dein Problem ist, dass der Hund bei dir einen Stellenwert hat, der ihm schadet. De facto sind viele Hunde recht robust, aber es gibt Arten, einen Hund zu versauen. Das was du (wahrscheinlich unbewusst) gerade machst - tut ihm überhaupt nicht gut. Der Hund ist dir viel zu wichtig, du denkst viel zu oft an ihn... und alleine diese Aufmerksamkeit merken Tiere.

    Was spräche dagegen, zwei fast Gleichaltrige zu halten?

    Zwei Gründe, warum ich das nicht täte:

    Meiner Erfahrung nach kommt es bei gleichalt und gleichgeschlechtlich (auch innerhalb eines festen Teams) wesentlich häufiger zu Konflikten als bei Hunden, die beispielsweise 3 oder 5 Jahre auseinander sind. (Und in dem Fall hätte der Welpe ja dasselbe Geschlecht wie der eigene Hund; die GSS-Hündin (die auch nicht viel älter ist) aber eben nicht.

    Bitte beachten: Ich meine, was ich schrieb: wesentlich häufiger - nicht immer. Es gibt gleichgeschlechtliche, gleichaltrige Teams, die ihr Leben lang unkompliziert und eng bleiben.

    Und zum anderen kann man bei einem Golden und einem Labbi-Sennenhund-Mix davon ausgehen, dass man in zehn oder zwölf Jahren (wenn kein Unglück passiert) zwei pflegebedürftige Senioren hat. Was das bedeuten kann, können nur die einschätzen, die schon mal einen Hund auf den letzten Metern begleitet haben.

    Zu großer Altersunterschied kann natürlich auch unpraktisch werden, wenn die Bedürfnisse der Tiere gar nicht kompatibel sind. Wie groß zu groß ist, hängt auch stark von den Rassen ab. Kleine Terriermixe, die acht Jahre auseinanderliegen sind eine ganz andere Geschichte als Neufundländer mit dem gleichen Altersabstand.

    Es gibt für uns alle Indikatoren, bei denen wir sagen würden: Es ist gut gewesen, ich lasse den Hund einschläfern.

    Schmerzen, die man nicht mehr lindern kann, sind für sicherlich die meisten so eine Grenze. Ganz stark eingeschränkte Bewegungsfähigkeit (nicht mehr selbst aufstehen können, sich deshalb einnässen...) für viele sicherlich auch.

    Demenz ist für mich da schwierig einzuordnen, wenn ich ehrlich bin. Der erste Familienhund wurde dement - und für uns war das ganz gruselig - für ihn selbst, glaube ich, gar nicht unbedingt.

    Aber wenn in einem Fall hohes Alter (und das sind 11 Jahre für einen Dobermnn), körperliche Gebrechen, Demenz - und die Sorge um andere Schutzbefohlene zusammenkommen? Ich glaube, ich würde den Schritt gehen und den Hund einschläfern.

    Danke für die Erklärung - ich verstehe "die Schwingungen" hier tatsächlich jetzt deutlich besser.

    Wenn es für dich um eine Anfangssicherheit für die ersten Monate geht, dann solltest du genau mit dem Argument bei der entsprechenden Orga starten. Ich glaube ein Teil der Verwirrung war, dass du ganz am Anfang von den "Langzeitfolgen" geschrieben hast - und das dann eben ein bestimmtes Level an Untersuchungen voraussetzt, was für die meisten over-the-top ist.

    Ich wünsche dir viel Glück bei der Hundewahl und Spaß mit dem Hund.