Beiträge von Gersi

    Und je nachdem, wie man damit umgeht, dass wichtige Gewissheiten durch ein äußeres Ereignis in Frage gestellt werden, kanns da auch wirklich heftige Reaktionen geben. Von der Suche nach Erklärungen (vorzugsweise solchen, die sicherstellen, dass man selbst nie betroffen sein wird) über Abwehr und bis leider hin zu Hass. Dazu noch das Bedürfnis nach Kontrolle, etwas damit “begreifbar“ gemacht zu haben, dass man es in eine Erklärung gegossen hat. Und am Besten gleich mit einer probaten Lösung, die vermeintlich sicherstellt, dass das erschütternde Erlebnis möglichst nie mehr auftritt.

    Danke. Du hast (mal wieder) viel besser formuliert, worauf ich hinauswollte. Ich glaube, da ist sehr viel Wahres drin - das auch in vielen anderen Situationen zutrifft.

    Wird da eine Ur-Angst vieler Menschen angesprochen, wenn es um tödliche Hunde-Angriffe geht?

    Ich glaube schon, dass da eine Ur-Angst angesprochen wird. Aber ich glaube nicht, dass es die vor Hunde-Angriffen ist, sondern eher die vor "aus dem Nichts und dann "zerfleischen""

    Ich finde, dass man das auch hier sehr gut merkt. Was wir auf den letzten Seiten schon für Theorien hatten... Ich glaube wir Menschen sind einfach für "Unerklärlich" nicht getaktet - und es ist viel leichter, wenn es einen/etwas Schuldigen/s gibt.

    Die Besitzerinnen haben es falsch gemacht (ich mache es besser),

    die Genetik ist es (mein Hund hat eine andere Genetik),

    der Schutzdienst ist die Ursache (mache ich nicht),

    es gab vorher schon Stress mit der Nachbarin (ist bei mir anders),

    der Rüde war so drauf, weil da Welpen waren (habe ich nicht) ...

    Sicherlich ist ein Teil Sensationslust - aber ich glaube zum Teil auch Abgrenzung um sich (wieder/nach wie vor) sicher zu fühlen, dass einem selbst so etwas mit dem eigenen Hund nicht passiert.

    Aber die Genetik Begründung finde ich ehrlich gesagt etwas amüsant.

    Ich glaube, es wird einfach so sehr nach Begründungen (wir hatten ja schon Spekulationen über Konflikte zwischen den Nachbarn; in der Presse ist es der Schutzdienst; Rasse-ist-gefährlich ist allgegegenwärtig...) weil es so erschütternd ist, dass so etwas Massives aus dem Nichts ohne erkennbaren Grund passiert.

    In England gab es Dienstag auch schon wieder einen tödlichen Hundeangriff. Rasse ist noch nicht geklärt, aber auch wieder XL Bully Typ.

    Hoppla. Wie viele sind das denn mittlerweile?

    Vier?

    Das finde ich jetzt schon heftig auffällig - vor allem weil der Anteil an der Gesamtpopulation jetzt nicht so riesig sein dürfte.

    Das ist dann so eine Datenlage, die mir (wenn auch nicht perfekt) gut genug wäre, die Zucht komplett zu verbieten und die Haltung unter strenge Auflagen zu packen.

    Ich finde die Sippenhaft auch absolut unnötig. Ich denke die Welpen werden (ausserhalb von Österreich) schon Abnehmer finden.

    Würdet ihr die nehmen?

    (Mal angenommen, das ist eure Rasse, ihr hattet schon welche, die Verpaarung sagt(e) euch zu, ihr habt euch nach bestem DF-Standard für die Zucht entschieden und ein Welpe ist für euch reserviert)

    Oder würdet ihr zucken?

    Ich kann es für mich selbst echt nicht beantworten. Ich tendiere dahin das rational als wirklichen Einzelfall zu sehen, für den es nie eine Erklärung (auch keine genetische) geben wird. Aber ich weiß nicht, ob ich da nicht immer eine Restunsicherheit hätte. (Eben WEIL der Hund, der getötet hat, vorher NICHT auffällig wurde).

    und da zeigt sich halt konstant, dass ein Verbot halt keine Vorfälle in der Gesamtzahl verhindern wird.

    indirekte Indizien bzgl. der Auswirkung von Rasselisten gibt es durchaus:

    Rasseliste – Wikipedia

    Eine Studie in der kanadischen Provinz Manitoba, die Städte mit und ohne Rasseliste sowie Städte vor und nach der Einführung einer Rasseliste miteinander vergleicht, kommt zum Schluss, dass die Anzahl Hospitalisationen aufgrund von Hundebissen in Jurisdiktionen mit Rasseliste signifikant geringer ist als in solchen ohne und dass die Einführung einer Rasseliste zu einer signifikanten Abnahme solcher Hospitalisationen führt. Auch in der spanischen Region Katalonien sind Hospitalisationen durch Hundebisse nach der Einführung einer Rasseliste um 38 % zurückgegangen.[118] Für Berlin sei, so Claudia Engfeld, Sprecherin des Senators für Justiz und Verbraucherschutz, laut Statistik die Anzahl der Bissvorfälle seit Einführung einer Berliner Rasseliste im Jahr 1999 von rund 300 pro Jahr auf aktuell 25 zurückgegangen (Stand Dezember 2013).[119]

    (Die Fußnoten funktionieren als Link zu den Quellen)

    Gab es eigentlich eine Begründung, warum der DSH nicht mit auf die Liste gekommen ist? Selbst prozentual gesehen ist diese Rasse ja schon sehr weit vorne in der Beißstatistik. Bevor mir das jetzt jemand unterstellt: nein, ich will keinen Antrag stellen, damit diese Hunde dort auch aufgeführt werden. Mir erschließt sich nur nicht, warum z.B. der Rotti drauf steht und der DSH eben nicht. Lobby?

    Wenn ich mich richtig an die Diskussion damals erinnere - dann ist die Antwort wohl tatsächlich "Lobby". Zum einen weil die Hunde gebraucht werden, zum anderen auch weil die Zahl (vor allem wenn man Mixe mitdenkt) noch mal viel höher war/ist.

    Gottlob sind Hundeangriffe mit Todesfolge die absolute Ausnahme

    Das muss man wirklich beachten - ich bin ja bekannterweise kein Fan der Rasse. Aber diesen Vorfall als den ultimativen Beweis zu sehen (eben WEIL der Hund ja gut gezogen und gut gehalten wurde).... ist mir tatsächlich zu dünn.

    Ich weiß es nicht - aber ich behaupte mal, dass die (GsD) extrem seltene tödlichen Angriffe auf Menschen nicht nur von dieser Rasse ausging. Schäferhunde? Bbylabi sicher dass das noch nie ein Rottweiler gemacht hat? Ein einzelner Angriff kann nicht der Beweis sein, eine Rasse komplett als gefährlich zu verbieten. Dazu bräuchte es endlich Zahlen.

    Laut einigen Berichterstattungen hatten Nachbarn „schon länger Angst, dass etwas passieren könnte“. Die Gründe dafür werden allerdings nicht ausgeführt. Das kann wieder alles und nichts heißen.

    Das nehme ich auch mit ner Prise Salz - ist ja eigentlich immer so, auch wenn Menschen plötzlich töten: Irgendein Nachbar spricht mit der Bild o.ä. und fand schon immer was sonderbar.

    Ich finde, dass nach allem was halbwegs gesichert scheint: Es lief alles gut - bis der Hund austickte. Und auch mich erschüttert das zutiefst.

    Trösten tut nur die Statistik: Ist halt ein absoluter Ausnahmefall.