Huch, vor lauter Euphorie ganz vergessen... mein Zwischenfazit zu 'Runa'.
Also... man sollte auf jeden Fall Interesse an der Medizin des 19. Jahrhunderts mitbringen, also für die ganze Geschichte rund um die Hospize, Irrenanstalten, Sanatorien und alles, was da dran hing. Also Menschenversuche, erste Operationen am Gehirn, Hysterie und deren Behandlung und sehr interessante Gerätschaften von damals (ich sag nur: Ovarienpresse).
Aus heutiger Sicht ist es natürlich megagruselig, was damals in der Medizin als bewiesen galt. Die Autorin hat auch reale Personen als Romanfiguren verarbeitet, zum Beispiel Louis Pasteur und Jean-Martin Charcot und beschreibt die Darbietungen die diese Ärzte vor Publikum durchführten so, dass mir klar ist, das war eine Menge Rechercheaufwand.
Das Mädchen Runa nun ist das erste Kind, an denen sich die Medizin die Zähne ausbeißt und bei dem alle Behandlungsmethoden nicht funktionieren. Und da kommen sie auf die Idee, als erste Ärzte bei ihr einfach den Wahnsinn aus dem Gehirn zu schneiden.
Übel. Die Beschreibung der Versuche ist unglaublich entwürdigend, aber so war es nunmal. Insofern- bisher bin ich begeistert von diesem gründlich recherchierten Werk, sprachlich schön, und das Thema sagt mir sehr zu. Mal sehen wie es endet.