Ich glaube du denkst zu kompliziert. Es geht nicht darum ausufernde Beschreibungen eines Baumes, einer Situation, eines Gefühls zu lesen. Da wäre es selbstredend so dass man dafür Platz benötigt. Es geht um die Qualität des Beschriebenen. Ich kann stundenlang reden, ohne etwas zu sagen. Es ist Geschwafel, das keine Aussage hat und nur die Konzentration anstrengt wenn das Hirn versucht, die Quintessenz daraus zu ziehen. So etwas gibt es auch bei Büchern, ganz besonders oft in historischen Romanen (die oft einen gewaltigen Umfang haben).
Man kann Seite um Seite um Seite füllen, ohne auch nur eine Aussage oder ein Gefühl treffend beschrieben zu haben. Man klappt das Buch dann zu und bleibt innerlich leer. Nichts bleibt in Erinnerung bis auf die Fakten. Das bedeutet, dass der Autor seine Botschaft nicht übermitteln konnte.
Und dann gibt es Bücher geringen Umfangs (sogar Kurzgeschichten) bei denen jeder Satz einschlägt wie eine Bombe. Die es vermögen dass du zitterst, weinst, lachst, tief ergriffen bist. Weil sie sprachlich virtuos ihre Figuren erfassen, das Thema auf den Punkt bringen und mit Emotionen unterfüttern. Manchmal geschieht dies mit Worten sanft wie Schmetterlingsflügel und einer gewissen Leichtigkeit (wie in 'Seide' beispielsweise), manchmal sind die Worte hart und schmerzhaft. Beides funktioniert, aber was mit 'Tiefe' gemeint ist wenn ich davon spreche ist der doppelte Boden in einer Erzählung. In dem Moment in dem aus einfachen Sätzen ein Gefühl wird, ist der Weg richtig.