Beiträge von Stachelschnecke

    Ich glaube du denkst zu kompliziert. Es geht nicht darum ausufernde Beschreibungen eines Baumes, einer Situation, eines Gefühls zu lesen. Da wäre es selbstredend so dass man dafür Platz benötigt. Es geht um die Qualität des Beschriebenen. Ich kann stundenlang reden, ohne etwas zu sagen. Es ist Geschwafel, das keine Aussage hat und nur die Konzentration anstrengt wenn das Hirn versucht, die Quintessenz daraus zu ziehen. So etwas gibt es auch bei Büchern, ganz besonders oft in historischen Romanen (die oft einen gewaltigen Umfang haben).

    Man kann Seite um Seite um Seite füllen, ohne auch nur eine Aussage oder ein Gefühl treffend beschrieben zu haben. Man klappt das Buch dann zu und bleibt innerlich leer. Nichts bleibt in Erinnerung bis auf die Fakten. Das bedeutet, dass der Autor seine Botschaft nicht übermitteln konnte.

    Und dann gibt es Bücher geringen Umfangs (sogar Kurzgeschichten) bei denen jeder Satz einschlägt wie eine Bombe. Die es vermögen dass du zitterst, weinst, lachst, tief ergriffen bist. Weil sie sprachlich virtuos ihre Figuren erfassen, das Thema auf den Punkt bringen und mit Emotionen unterfüttern. Manchmal geschieht dies mit Worten sanft wie Schmetterlingsflügel und einer gewissen Leichtigkeit (wie in 'Seide' beispielsweise), manchmal sind die Worte hart und schmerzhaft. Beides funktioniert, aber was mit 'Tiefe' gemeint ist wenn ich davon spreche ist der doppelte Boden in einer Erzählung. In dem Moment in dem aus einfachen Sätzen ein Gefühl wird, ist der Weg richtig.

    Echte Künstler und hervorragende Autoren schaffen es auch, dieses tiefe Gefühl auf 160 Seiten zu erzeugen. Ich dachte früher immer, detaillierte und in die Tiefe gehende Bücher müssten richtige Wälzer sein- aber inzwischen ist mir das ein oder andere Kleinod über den Weg gelaufen ('Seide', 'Baba Dunjas letzte Liebe', 'ein Monat auf dem Land'), was mich vom Gegenteil überzeugt hat.

    Bei mir jetzt angefangen: 'Letzte Reise' von Anna Enquist, ein Roman über die Frau James Cooks.

    'Mutig' von Rose McGowan hab ich abgeschlossen. Nach wie vor ein netter Einblick und die Person an sich auch sympathisch- aber im letzten Drittel war es mir echt ein bißchen zu viel blanker Hass auf alles und jeden. Vor allem pauschal gegen Männer gerichtet mit einer negativen Kraft die mich fast von den Füßen fegte. Doch ein bißchen zu viel und zu unreflektiert, aber eine Autobiographie muss auch nicht reflektiert oder objektiv sein.

    Danach hab ich Bock auf was leichteres gehabt und hab 'die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche' von Alina Bronsky gelesen. War mein drittes Buch von ihr und ich mag die Autorin und ihre Protagonistinnen echt supergerne. Interessante, eckige, unbequeme Frauen. Mag ich!

    Jetzt überlege ich, was als nächstes dran ist. Was tiefgründiges und gleichzeitig spannendes wär mal wieder fein... ich gehe schon meine Bibliothek durch, aber ich bin noch nicht ganz sicher was es sein muss/soll.

    Danke dir. :bussi:

    Nebenher (weil das Strout Buch so dahinplätschert) habe ich mir auf dem Reader mal 'Mutig', die Autobiographie von Rose McGowan ausgeliehen. Die ist unbequem, aber ich mag sie gerne. Liest sich flüssig und stellenweise sehr derb und ungeschönt, aber genau das brauch ich gerade. Gefällt! Interessante Frau, die ich ganz anders eingeschätzt hätte.

    So, entschuldigt bitte... ich war jetzt ziemlich lange krank und nicht am PC zu finden.

    Morgen werde ich alles losschicken, was sich hier angesammelt hat. Also die Bücher für Monstertier, das Buch von Nesa und die versprochenen Bücher für Brauni. :) Danke für eure Geduld.