Als Hundehalterin in einer Großstadt mit sehr hoher Hundedichte muss ich sagen, dass ich in morgen genau 2 Jahren Hundehaltung nur ein Mal jemanden erlebt habe, den ich persönlich als "zu verkopft" im Umgang mit dem Hund empfunden habe - eine eigentlich sehr engagierte junge Ersthundehalterin, die mit ihrem Hund gewaltfrei und positiv arbeitet, was ich super finde, aber irgendwie war sie mir in manchen Situationen zu "gekünstelt", das Loben und Bestätigen wirkte nicht immer... authentisch. Man hatte das Gefühl, sie wollte alles lehrbuchmäßig perfekt machen und konnte darüber hinaus manchmal nicht mehr wirklich spontan agieren. Aber das ist wohl auch eine Typsache und eine Frage der Umsetzung angeeigneten Wissens - und es ist, wie gesagt, nur ein Einzelfall.
Dieses von manchen so vielgerühmte Bauchgefühl und Intuitive - das haben realistisch betrachtet nun mal kaum Hundehalter. Die meisten würden wohl nicht verstehen, dass ihr sich die Lefzen leckender Hund gerade beschwichtigt oder beim pöbelnden Hund Unsicherheit oder gar ein gesundheitliches Problem vermuten.
Ich finde es darum gut und durchaus lobenswert, dass immer mehr Hundehalter sich gern Wissen über Hunde aneignen, hinterfragen, bei Problemverhalten des Hundes nicht mehr nur an der Symptomatik rumdoktorn, sondern interessiert daran dind, WARUM ihr Hund in Situation x dies tut und Situation y ihn scheinbar arg stresst. Ich bin auch sehr froh, dass ich ein wissbegieriger, lernwilliger Typ Mensch bin, denn sonst würde ich Rex bestimmt viel öfter "missverstehen" und vielleicht Sachen glauben, die weder Hand noch Fuß haben.
Die Hundehalter, die ich so kenne und die weder eine gute Hundeschule besuchen noch sich irgendwie über Hunde belesen und informieren, mögen meinen, das sei alles unnötig und ihr Bauchgefühl hilft ihnen schon, das Richtige zu tun - aber oft führt meiner Erfahrung nach gerade dies zu Problemen. So habe ich zB eine Bekannte, wie ich Ersthundehalterin, aber einfach viel weniger informiert und interessiert am Thema Hund. Trennungsstress ihrer Hündin durch langes Alleinbleiben und wechselnde Bezugspersonen sieht sie als "Dominanz" und "Kontrollwahn". Eine andere Bekannte bestrafte ihren Hund, als er einen "gruseligen" Artgenossen aus Unsicherheit verbellte. Solche Dinge erlebe ich halt ständig und darum bin ich froh über Hundehalter, die sich umfassend informieren.