Endlich wieder Leseratten-Austausch ![]()
Bin fertig mit Kate Atkinsons "Die Unvollendete". Ein sprachlich wunderschönes Buch mit einer genialen Grundidee, die ich insgesamt auch sehr gut umgesetzt fand. Es gab ein paar wenige Passagen im Buch, die für meinen Geschmack ein wenig zu ausführlich waren und wo eine kleine Straffung dem Roman nicht geschadet hätte. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau.
Allerdings frage ich mich:
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Je öfter Ursula lebt, desto mehr erinnert sie sich ja auch an ihre vergangenen Leben. Am Ende des Buches beschließt sie dann ja auch, die enge Freundschaft zu Hitlers späteren Geliebten Eva Braun einzugehen, um so die Welt vor dem Zweiten Weltkrieg und somit geliebte Menschen vor de Tod zu bewahren. Allerdings, wenn Ursula ihr Leben wieder und wieder lebt, müsste sie ja genau dies auch wieder und wieder tun, um die Schrecken des Krieges zu verhindern? Ist das nicht der sichere Weg in den Wahnsinn, wenn Ursula immer besser weiß, was sie tun muss, um zukünftige Gräuel zu verhindern? Ich weiß nicht, vielleicht fehlt mir da auch die Fantasie - jedenfalls für mich ein sehr unheimlicher Gedankengang...
Ebenfalls gelesen habe ich Maja Haderlapps "Engel des Vergessens". Anhand einer Familiengeschichte, die geprägt ist von den Gräueln des Zweiten Weltkrieges, wird die Geschichte der Slowenen in Kärnten erzählt, einer Minderheit, die im Krieg ebenfalls von den Nazis als minderwertig betrachtet wurde, weshalb viele der Kärntner Slowenen auch in den Lagern ermordet wurden.
Ein sprachlich sehr starkes Buch (man merkt, dass die Autorin ansonsten auch Gedichte verfasst), das dennoch auf sehr schonungslose, direkte Weise davon berichtet, wie Verfolgung, Krieg und Gräuel noch Generationen später nachwirken und eine Familie ins Unglück stürzen können. Kann ich auf jeden Fall empfehlen.