Fertig mit McCammons "Boy's Life" - und insgesamt bin ich durchaus positiv angetan von der aus der Sicht des 12-jährigen Corey erzählten Geschichte. Eine nur scheinbar verschlafene, im Süden der USA gelegene Kleinstadt in den 60-Jahren, wo man einander gut zu kennen glaubt, und in der Corey und sein Vater eines Morgens Zeuge eines grausigen Verbrechens werden, welches beide von da an hartnäckig verfolgt - Nostalgiefeeling pur, gepaart mit dem Rätsel, welches Geheimnis in der Kleinstadt schlummert.
Es dauert ein wenig, bis die Story Fahrt aufnimmt, dann aber wird sie zu einer rasanten Geschichte mit Sogwirkung, da McCammon es versteht, einzelne Geschehnisse in der kleinen Stadt geschickt mit Coreys Nachforschungen und dem unheilvollen dunklen Geheimnis zu verknüpfen.
Das Buch geht dabei teils auch ins Übersinnliche, was man gewiss mögen muss - es passte jedoch für mich gut zur Atmosphäre und wirkte auch nicht aufgesetzt, sofern man diesen Themen gegenüber halbwegs aufgeschlossen ist.
Tatsächlich erinnerte mich der Roman ein klein wenig an meinen absoluten Liebling "Wohin die Krähen fliegen", da es durchaus ein paar Paralellen gibt - die Aufarbeitung der traumatischen Kriegszeit, das Setting mit einer ganz normalen Familie in den 60ern, der dramatische und doch völlig normale Prozess des Erwachsenwerdens. "Wohin die Krähen fliegen" ist in meinen Augen unübertrefflich, aber dennoch ist "Boy's Life" unterhaltsame, gute Lektüre, die stellenweise sehr berührt.