Vor einer Woche zu Ende gelesen: "The Power of the Dog" von Thomas Savage
Genauso wie bei "The Queen's Gambit" die Serie hatte ich im Falle von "The Power of the Dog" zuerst den Film gesehen. Vor ein paar Wochen entdeckte ich dann zufällig den Roman in einer Buchhandlung und beschloss, ihn mal mitzunehmen.
"The Power of the Dog", der in den 1960er-Jahren erschienene Roman im Western-Setting, spielt in den 1920ern in den USA, hier betreiben die ungleichen Brüder Phil und George eine recht florierende Ranch. Phil ist eher einfach gestrickt, aber herzensgut, freundlich zu seinen Mitmenschen. Phil hingegen ist ein schwieriger Charakter, der an kaum jemandem ein gutes Haar lässt, die Fehler seiner Mitmenschen mit seinem rasiermesserscharfen Verstand sofort erkennt und gerne mal auf Kosten anderer spöttelt. Zugleich ist er belesen, vielseitig interessiert, fantasievoll. Immer wieder erwähnt Phil Bronco Henry, der für ihn noch ein "richtiger" Mann und Cowboy war, der eine Art Idol für ihn in jüngeren Jahren gewesen zu sein scheint, ehe er auf tragische Weise ums Leben kam. Nach und nach beginnt der Leser hier die genaue Beziehung zwischen den beiden zu hinterfragen, scheint Phil doch jeden am Maßstab Bronco Henrys zu messen und sonst nicht allzu viel von seinen Mitmenschen zu halten.
Das Gleichgewicht auf der Ranch wird gestört, als George sich, obgleich schon in reiferen Jahren, verliebt und die Witwe Rose zur Frau nimmt, die einen halbwüchsigen Sohn hat, welcher von Anfang an eine Hassfigur für Phil ist, denn mit seiner manchmal fast femininen Art und seinem andauernden Gelerne scheint Peter überhaupt nicht in das raue Rancher-Leben zu passen. Auch die Anwesenheit von Rose ärgert Phil zunehmend und er beginnt einen psychologisch ausgefeilten Feldzug gegen sie, möchte er sie am liebsten doch hinausekeln, da George ihr seiner Ansicht nach durch ihre Arglist ins Netz gegangen ist. Doch während Rose auf der Ranche zunehmend vereinsamt und sich aufgrund von Phils subtilen Attacken gegen sie sogar dem Alkohol zuwendet, wird der stille, in sich gekehrte Peter zunehmend zum gründlichen Beobachter Phils, was dessen Plan, auch noch den Jungen auf seine Seite zu ziehen und gegen Rose zu vereinnahmen, möglicherweise ins Wanken bringen könnte...
"The Power of the Dog" ist ebenfalls ein Roman der leisen Töne, doch psychologisch kraftvoll und sehr flüssig und zugleich gekonnt geschrieben. Vor allem der Charakter der zunehmend isoliert lebenden, leidenden Rose wird dem Leser auf herzergreifend realistische Weise nahegebracht, während Phil zum Rätsel wird, von dem auch der Leser nicht so recht weiß, was davon zu halten ist. Ich habe das Buch gerne gelesen, da es klug, intensiv und doch kurzweilig ist, unter anderem wurde es aufgrund seiner psychologischen Dichte mit dem Klassiker "Stoner" verglichen, was in einem gewissen Maße tatsächlich keine unpassende Assoziation ist.
Nichtsdestotrotz war es kein Buch, das mich komplett vom Stuhl gehauen hat. Fazit: Sicherlich die Lesezeit wert, für mich jedoch auch kein absolutes Muss.