Hallo Chiara,
für mich liest sich dieses Verhalten nicht untypisch für einen jungen Hund, schon gar nicht für einen Labrador. Die sind ja oft ziemlich kontaktfreudig gegenüber Artgenossen. Wobei ein Hund natürlich nicht von jedem Kontakt wirklich profitiert und es auch Hunde gibt, die ihr unsicheres Verhalten z.B. mit Spielaufforderungen zu "kaschieren" versuchen.
Du schreibst, dein Hund hat 1 bis 2 Mal pro Woche Hundekontakt. Wie verhält er sich da gegenüber den anderen Hunden? Sind da auch souveräne erwachsene Hunde dabei, die dem Jungspund mal Grenzen aufzeigen? Ist er in diesen Situationen für dich noch ansprechbar, kannst du ihn z.B. abrufen und dann wieder freigeben?
Hast Du schon mal über Social Walks nachgedacht? Hier handelt es sich um Trainingsspaziergänge an der Leine, die Hunde haben keinen direkten Kontakt zueinander. Bei euch sind erst einmal sicherlich Einzelstunden angebracht, aber langfristig gesehen haben solche geführten Trainingsspaziergänge sicherlich auch einen Wert - wenn der Trainer kompetent anleitet.
Bedenke, dass dein Hund wirklich noch seehr jung ist! In dem Alter ist die Konzentrationsspanne praktisch winzig, die Hunde stecken noch mitten in der mentalen Entwicklung. Ich würde dir raten, die Kapazitäten des Hundes nicht für Späßchen wie Apportieren oder ständiges Deckentraining zu verbrauchen, sondern dich zunächst nur der Alltagstauglichkeit zu widmen. Wenn Hundesichtungen für deinen Hund schon auf derart große Distanzen so aufregend sind, dann hat er genug damit zu tun, diese Situationen zu verarbeiten und wird viel Ruhe brauchen, den Stress zu verarbeiten und körperlich abbauen zu können.
Ich würde dir tatsächlich auch raten, möglichst ruhige Strecken zu gehen, selbst wenn es bei deiner Wohnsituation schwierig ist. Dann gibt es die große Runde eben morgens und am Nachmittag/Abend nur kleine Pieselgänge. Dann hat dein Hund nicht mehrmals am Tag solche extremen Erregungszustände, das "Runterfahren" dauert da nämlich immer länger, als wir Menschen es glauben.
Zum Trainingsweg an sich kann ich nicht so viel sagen, ich glaube, da braucht ihr wirklich einen kompetenten, einfühlsamen Trainer mit viel Erfahrung in Sachen Begegnungen.